Stimmen aus Osteuropa zum Mauerfall

Valentin Falin
Der Leiter der Internationalen Abteilung des ZK der KPdSU und Vertraute Michail Gorbatschows, Valentin Falin, erfuhr vom Mauerfall erst am Morgen des 10. November, und zwar nicht vom KGB oder den Genossen aus Ost-Berlin, sondern aus den Meldungen der Nachrichtenagenturen: "Mein erster Gedanke war, die Öffnung der Grenze auf diese Art ist das Ende dieser Republik." Bildrechte: imago images / Detlev Konnerth
Michail Gorbatschow, 1985
Michail Gorbatschow schlief in seiner Wohnung, als in Berlin die Mauer fiel. Der Generalsekretär der KPdSU und Oberbefehlshaber der Sowjetischen Streitkräfte wurde von seinen Mitarbeitern nicht geweckt. Das sei auch nicht nötig gewesen, sagte Gorbatschow Jahre später, denn die Position der UdSSR sei klar gewesen: Das geteilte Deutschland ist eine Zeitbombe, mit der Europa auf Dauer nicht leben kann. Er sei jedenfalls davon überzeugt gewesen, dass die Wiedervereinigung der Deutschen im Interesse aller gewesen sei. Auch wenn damals sowohl Großbritannien als auch Frankreich zunächst dagegen waren. (Stern, 13. 3. 2013) Bildrechte: imago/Sven Simon
Gespräch am Runden Tisch in Warschau: Tadeusz Mazowiecki, Lech Walesa, Wladyslaw Frasyniuk
Lech Walesa bestritt bereits im November 1989 vehement, dass der Mauerfall vor allem der Politik Michail Gorbatschow zu verdanken sei. Es sei "eine Lüge", dass Gorbatschow die Mauer zu Fall gebracht habe, sagte der polnische Friedensnobelpreisträger damals. Viel wichtiger sei die Rolle des damaligen Papstes Johannes Paul II. und der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc gewesen, die Walesa selbst anführte. "Es macht mich heute traurig, dass Helden aus denen gemacht werden, die keine waren", sagt Walesa. Gorbatschow habe weder den Kommunismus noch die Berliner Mauer stürzen wollen, denn "das lag nicht auf seinem Weg". "Die Wahrheit ist, dass Papst Johannes Paul II. zu 50 Prozent zum Mauerfall beigetragen hat, 30 Prozent die Solidarnosc und Lech Walesa und nur 20 Prozent der Rest der Welt", sagte Walesa. Der polnische Papst habe seinerzeit die Völker Europas aufgerufen, das "Gesicht der Welt zu verändern", und seine Botschaft habe die Menschen ermutigt, die Politiker zu Veränderungen zu zwingen. (Spiegel online, 9.11.2009) Bildrechte: imago/Forum
Valentin Falin
Der Leiter der Internationalen Abteilung des ZK der KPdSU und Vertraute Michail Gorbatschows, Valentin Falin, erfuhr vom Mauerfall erst am Morgen des 10. November, und zwar nicht vom KGB oder den Genossen aus Ost-Berlin, sondern aus den Meldungen der Nachrichtenagenturen: "Mein erster Gedanke war, die Öffnung der Grenze auf diese Art ist das Ende dieser Republik." Bildrechte: imago images / Detlev Konnerth
Henryk Wujec
Es sei durchaus schmerzhaft für die Polen gewesen, dass nicht die Danziger Lenin-Werft, die Gewerkschaft Solidarnosc oder der polnische Papst weltweit zum Symbol für das Ende des Sozialismus wurden, sondern der Fall der Mauer, sagt der Solidarnosc-Aktivist Henryk Wujec, der 1989 für die unabhängige Gewerkschaft mit am polnischen „Runden Tisch“ saß. "Der ‚Runde Tisch‘", so Wujec, "ist aber ein Möbelstück, das sich nicht gut als Symbol eignet. Der Solidarnosc-Schriftzug ist zu polnisch, Papst Johannes Paul II. wieder zu universal. Lech Walesa zerstörte seinen Ruhm als Arbeiterheld in der Zeit seiner Präsidentschaft, dazu kamen später noch die Vorwürfe aus dem Institut des Nationalen Gedenkens, dass Walesa als Spitzel IM ‚Bolek‘ für die Stasi gearbeitet habe. Polen hat kein gutes Symbol. Der Mauerfall ist halt ein größeres Symbol. Aber es ist trotzdem so: Alles begann in Danzig." (TAZ, 05. 02. 2009) Bildrechte: IMAGO
Erzbischof Alfons Nossol
Für den polnischen Erzbischof Alfons Nossol war der Fall der Berliner Mauer „der Anfang der Freiheit Europas“. "Jetzt geht es europäisch los", dachte er damals. "Bis dahin war alles nur so Solidaritätsartig, bedingt durch die Solidarnosc-Bewegung. Nach dem Mauerfall konnte man dann sehen, dass die Freiheit immer konkreter zu uns kommt, offiziell, politisch.“ Alle hätten sich damals "riesig gefreut", so Nossol, "außer den kommunistischen Eliten, natürlich". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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