Janine Strahl-Oesterreich im Interview  "Egon" hatte mit Technik nicht viel am Hut

MDR-Moderatorin Janine Strahl-Oesterreich entwickelt sich zur Olsenbanden-Expertin. 2012 hat sie die Biografie von Egon-Olsen-Darsteller Ove Sprogøe "Mächtig gewaltig, Egon" ins Deutsche übersetzt. Momentan arbeitet die diplomierte Nordeuropawissenschaftlerin an der Übersetzung von "Bennys" und "Kjelds"-Biografie. Wir haben Sie zu ihren Erinnerungen an die Olsenbande befragt.

HD Olsenbande
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Waren Sie schon zu DDR-Zeiten Olsenbanden-Fan?

Janine Strahl-Oesterreich
Janine Strahl-Oesterreich moderiert beim MDR u.a. "Donnerwetter " und "Rätsel, Mythen & Legenden". Bildrechte: MDR/Axel Berger

Janine Strahl-Oesterreich: Ich habe die Filme früher schon immer gerne gesehen, ein richtiger Fan bin ich allerdings erst jetzt geworden. Und sie auf Dänisch zu sehen, ist noch mal ein besonderer Genuss ... Aber für die Dänen hatte ich schon immer ein Faible. Als gebürtige Stralsunderin ist mir die skandinavische Mentalität einfach sehr nah – wir waren in der Geschichte ja lange Zeit mal Südschweden und gehörten ein oder zwei Monate dann auch sogar mal zu Dänemark. Meine "Liebe" zu "Egon Olsen" begann 1991, als ich für das Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern eine Fernsehsendung mit Ove Sprogøe in Kopenhagen moderiert habe. 

Vergangenes Jahr waren Sie auf Lesereise mit "Mächtig gewaltig, Egon" - Ihrer Übersetzung der Biografie von Egon-Olsen-Darsteller Ove Sprogøe. Wie war das Interesse?

Enorm. Das waren und sind immer noch richtig schöne Veranstaltungen. Besonders riesig war der Andrang natürlich bei den Veranstaltungen mit Benny-Darsteller Morten Grunwald, der ja alles aus berufenem Munde erzählen konnte.

Wie erklären Sie sich, dass der Olsenbanden-Kult im Osten nach wie vor anhält?

Die Filme sind Klassiker wie die Chaplin-Filme, die Geschichten und der Humor sind einfach zeitlos und die Spezialeffekte auch heute noch genial. Kleine Leute mit großen Träumen gibt es heute wie damals. Das war auch das, was uns Ostdeutsche damals so angesprochen hat. Im Westen hat es überhaupt nicht funktioniert, die sind ja alle nach Mallorca gefahren, die brauchten sich nicht anzugucken, wie Leute sich abstrampeln, um sich endlich mal so einen Traum zu erfüllen. Und wo wir uns sicher auch noch mit der Olsenbande trafen, war in diesem Kampf David gegen Goliath - die Kleinen behaupten sich gegen die Großen, sie überlisten die Obrigkeiten und machen sich über sie lustig.

Der Erfolg der Olsenbande in der DDR ist aber auch der fantastisch nachgedichteten Synchronfassung mit den Stimmen von hervorragenden Schauspielern wie Karl Heinz Oppel, Peter Dommisch, Günter Schubert, Margit Bendokat, Helga Hahnemann, Helga Sasse zu verdanken.

Und natürlich ist das Ganze auch ein bißchen nostalgisch, wie wenn man sich alte Jerry-Lewis- oder Heinz Erhardt - Filme ansieht. Aber es kommen auch neue Fans dazu. Meine Hamburger Freunde konnte ich schon mit dem Olsenbandenfieber anstecken.

Wie hat sich das Olsenbandentrio selbst den Erfolg damals in der DDR erklärt?

Die waren völlig überrascht. Morten Grunwald hat erzählt, wenn sie in Berlin waren, rannte man ihnen im Ostteil hinterher, sprach sie überall an, lud sie ein..., und gingen sie dann am Checkpoint Charlie in den Westteil - Null, Nichts, kein Hahn krähte nach ihnen.

Wissen Sie, ob der Olsenbanden-Kult ein reines ostdeutsches Phänomen ist oder ob die Olsenbande auch den Nerv anderer Ostblockstaaten getroffen hat?

Ich weiß nur so viel, dass die Filme auch nach Polen, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien verkauft wurden.

Sie haben Ove Sprogøe ja noch persönlich kennen gelernt? Was war er für ein Mensch?

Er war herzerwärmend, hatte Humor, war voller Ironie - das ist ja sowieso eine dänische Spezialität -, und er war ein Clown, der ständig neue Späße veranstaltete. Das haben seine drei Söhne und später seine Enkel geliebt. Daneben war er aber ein ernster, nachdenklicher Mensch. Und was mir auch besonders gut gefällt, weil ich diese Interessen teile, war seine Leidenschaft für Kunst und Literatur. Als unser Drehteam bei ihm zu Hause war, führte er uns durch alle Räume, und die waren angefüllt mit Bildern und Skulpturen, allerdings mehr abstrakter Natur, was auch Mortens Vorliebe ist, womit Poul Bundgaard aber überhaupt nichts anfangen konnte.

Egon Olsen kam ja immer im Nadelstreifenanzug mit Zigarre im Mund und Melone auf dem Kopf. Hatte der Schauspieler Ove Sprogøe ähnliche Marotten wie Egon?

Er hatte zum Beispiel mit Technik überhaupt nichts am Hut. Ihm war natürlich klar, dass die Technik das Leben erleichtert, aber er nutzte nicht mehr als nötig. Er fand, dass die Technik den Menschen von sich selbst entfremdet. Und so hatte er nie ein Auto. Auch seine drei Söhne haben heutzutage keins, das hat sich offenbar vererbt. Ove fuhr Fahrrad - jeweils eine dreiviertel Stunde zur und von der Arbeit. Er hatte auch keinen Fernseher. Wenn er und seine Frau Eva Freizeit hatten, haben sie sich Romane vorgelesen. Und Zeit seines Lebens heizte er nur mit einem Petroleumofen, weil er Zentralwärme ablehnte, er meinte, die trockne die Schleimhäute aus, und seine Stimme war ja sein Werkzeug.

Auf der nächsten Leipziger Buchmesse im März 2014 stellen Sie die Übersetzung "Bennys" Biografie vor?

Ich bin in den letzten Zügen. Morten Grunwald hat seine Biografie ja noch mal neu mit Schwerpunkt auf die Olsenbande erzählt, und die heißt nun "Meine Zeit in gelben Socken". Ich hoffe, er wird sie zur Buchmesse in Leipzig auch selbst vorstellen. Dänische Rezensenten sprechen von einem "Must have" für Olsenbandenfans - mit vielen Bildern und Blicken hinter die Kulissen. Und dann sind noch die Biografien von Kjeld-Schauspieler Poul Bundgaard und die von seinem Filmsohn Børge alias Jes Holtsø geplant.

Buchtipp: Mächtig gewaltig, Egon - Die Biografie von Ove Sprogøe Ove Sprogøe, Jacob Wendt Jensen, Janine Strahl-Oesterreich (Übers.)
ISBN 978-3-360-02135-9
256 Seiten, Eulenspiegel Verlagsgruppe/Das neue Berlin

(zuerst veröffentlicht am 02.12.2013)