Die letzte DDR-Regierung Rainer Eppelmann - Minister für Abrüstung und Verteidigung

Rainer Eppelmann ist eines der bekanntesten Gesichter der Oppositionsbewegung in der DDR und des Revolutionsherbstes 1989. Als Verteidigungsminister löste er die DDR-Armee NVA auf. Bis heute ist er als Vorstandsvorsitzender der "Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" tätig.

Rainer Eppelmann (CDU/Verteidigungsminister) während einer Sitzung der Volkskammer in Berlin
Rainer Eppelmann während einer Sitzung der Volkskammer 1990 Bildrechte: IMAGO

Eppelmanns Eltern waren von der NS-Diktatur geprägt: Sein Vater war SS-Unterscharführer und Wächter in den Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen, seine Mutter NSDAP-Mitglied. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebt der Vater in West-Berlin, wo Eppelmann, der im Ostteil wohnt, ein Gymnasium besucht. Der Mauerbau trennt die Familie endgültig. Anstatt zum Architekturstudium zugelassen zu werden, muss Eppelmann als Dachdeckerhelfer "Bewährung" leisten und lernt den Beruf des Maurers. 1966 verweigert er den Dienst bei der NVA. Er soll daher als Bausoldat dienen, legt das Gelöbnis aber erneut nicht ab und wird acht prägende Monate lang inhaftiert: "Ich bereue nichts. An jedem Tag, den ich im Gefängnis saß, wurde ich stärker, weil ich wusste, warum ich im Gefängnis war."

Im Zentrum der Oppositionsbewegung

Nach seiner Freilassung studiert Eppelmann evangelische Theologie und wird 1974 Pfarrer in der Ost-Berliner Samariterkirche. Aus der Kirche in Friedrichshain macht der "unbequeme Prediger" ein Zentrum der Oppositionsbewegung. Er hält Blues-Messen ab und ruft mit Robert Havemann 1982 im "Berliner Appell" unter anderem zur Abrüstung in Ost und West auf – "Frieden schaffen ohne Waffen".

Mitglieder letzte Volkskammer
Rainer Eppelmann 1990 Bildrechte: Bundesarchiv

Zusammen mit Wolfgang Schnur und anderen gründet Eppelmann Anfang Oktober den Demokratischen Aufbruch (DA), der im August 1990 mit der CDU fusioniert. Die "entscheidende Form der Einflussnahme ist der Dialog", sagt er 1989. So sitzt der Pfarrer mit am Runden Tisch und wird in der Regierung Modrow ab Februar Minister ohne Geschäftsbereich. Kurz vor der Volkskammerwahl tritt sein Freund Schnur zurück, weil dessen IM-Tätigkeit öffentlich wird. Eppelmann folgt ihm nach. Als Teil der Allianz für Deutschland übernimmt der Kriegsdienstverweigerer nach der Volkskammerwahl das Ministerium für Abrüstung und Verteidigung.

Der Verteidigungsminister, der die Armee auflöst

Eppelmann gelingt es, die Nationale Volksarmee aufzulösen und abzuwickeln. Am 24. September 1990 unterzeichnet er den Austritt der NVA aus dem Warschauer Vertrag und macht 11.000 NVA-Soldaten zum Teil der gesamtdeutschen Bundeswehr.

Bei der Bundestagswahl 1990 erlangt Eppelmann ein Direktmandat und gehört dem Parlament bis 2005 an. Zeitweise ist er stellvertretender CDU-Landesvorsitzender in Brandenburg und führt sieben Jahre den Arbeitnehmerflügel der Union. Nachdem aus zwei Enquete-Kommissionen im Bundestag 1998 die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hervorgegangen ist, übernimmt Eppelmann den Vorsitz des Stiftungsvorstandes. Als Prediger für Demokratie und Menschenrechte reist der Vater von fünf Kindern seither durch das Land.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Die Staatsmacht, die sich selbst abschaffte. Die letzte DDR-Regierung im Gespräch", erschienen 2018 im © mdv Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale).

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: MDR-Dok: Die letzte DDR-Regierung | 18.03.2018 | 22:25 Uhr