Bildergalerie Stimmen zur Währungsunion

Bildungs- u. Wissenschaftsminister Klaus von Dohnanyi 1990
Klaus von Dohnanyi, 1990 Beauftragter der Treuhandanstalt, schrieb am 1. Oktober 1990 im "SPIEGEL": "Seit Helmut Kohl am 6. Februar 1990 eine Währungsunion ankündigte, schulden die beiden deutschen Regierungen den Deutschen in beiden Teilen des Landes einen zusammenhängenden Plan, wie das Projekt DDR gesteuert und gelöst werden soll. Auch wenn ein solcher Plan vorliegt, wird es Irrtümer und falsche Entscheidungen geben: Aber dann wird man den Weg auch systematisch korrigieren können. Nur mit einem umfassenden politischen Konzept können der industrielle Kahlschlag in der DDR und die damit verbundenen Folgen für das ganze Deutschland verbundenen schwerwiegenden Folgen verhindert werden. Der Markt jedenfalls ist ein überschätzter Sieger." Bildrechte: dpa
Bildungs- u. Wissenschaftsminister Klaus von Dohnanyi 1990
Klaus von Dohnanyi, 1990 Beauftragter der Treuhandanstalt, schrieb am 1. Oktober 1990 im "SPIEGEL": "Seit Helmut Kohl am 6. Februar 1990 eine Währungsunion ankündigte, schulden die beiden deutschen Regierungen den Deutschen in beiden Teilen des Landes einen zusammenhängenden Plan, wie das Projekt DDR gesteuert und gelöst werden soll. Auch wenn ein solcher Plan vorliegt, wird es Irrtümer und falsche Entscheidungen geben: Aber dann wird man den Weg auch systematisch korrigieren können. Nur mit einem umfassenden politischen Konzept können der industrielle Kahlschlag in der DDR und die damit verbundenen Folgen für das ganze Deutschland verbundenen schwerwiegenden Folgen verhindert werden. Der Markt jedenfalls ist ein überschätzter Sieger." Bildrechte: dpa
Theo Waigel, 1991
Theo Waigel, 1990 Bundesfinanzminister, sagte 2010 in einem Interview mit der Deutschen Welle: "Wir haben uns natürlich Stufenpläne überlegt, wie das Ganze in zwei, vier, sechs oder acht Jahren stattfinden könnte. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass solche Stufenpläne nicht realistisch gewesen wären. Wir hätten damit die Abwanderung der Menschen von Ost nach West nicht stoppen können." Bildrechte: dpa
Edgar Most, letzter Vizepräsident der früheren DDR-Staatsbank, aufgenommen am 29.09.2014 in Berlin.
Edgar Most, 1990 Vizepräsident der Staatsbank der DDR, schrieb in der "Financial Times" am 4. November 2009: "Die öffentliche Ankündigung von Helmut Kohl am 8. Februar 1990, dass am 1. Juli die D-Mark in der DDR eingeführt wird und die Umrechnung im Wesentlichen 1:2 erfolgen werde, war weder mit dem Präsidenten der Bundesbank noch mit der Regierung der DDR oder der Staatsbank der DDR abgestimmt. Kohls selbstherrliche Entscheidung rief bei der DDR-Bevölkerung hohe Zustimmung, bei den meisten Fachleuten jedoch großes Unverständnis hervor. Da die Aussage öffentlich gewesen war, gab es kein Zurück, die fachlichen Faktoren wurden nicht mehr zur Kenntnis genommen." Bildrechte: dpa
Karl Otto Pöhl, ehem. Präsident der Deutschen Bundesbank
Karl Otto Pöhl, der 1990 aus Protest gegen die Währungsunion von seinem Posten als Präsident der Bundesbank zurücktrat, in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" am 29. Juni 2000: "Die Menschen in der DDR wollten den Lebensstandard wie im Westen haben. Und der tragische Irrtum vieler Ostdeutscher lag darin, zu glauben, mit der D-Mark werde sich automatisch der Lebensstandard des Westens einstellen. Das war falsch, wie man leicht hätte voraussehen können. Das Angebot der Regierung Kohl, die D-Mark in der DDR einzuführen, kam völlig überraschend und ohne Vorbereitung. Die Währungsunion ist der Hauptgrund dafür, dass Ostdeutschland zurückbleibt und der Abstand eher größer wird. Die Betriebe mussten von einem Tag auf den andern ihre Löhne in D-Mark bezahlen. Und das konnte natürlich niemand. Alle Betriebe in der DDR waren am 1. Juli 1990 faktisch zahlungsunfähig." Bildrechte: dpa
Gerhard Schürer, Mitglied des SED-Politbüros, 2001
Gerhard Schürer, Mitglied des SED-Politbüros bis November 1989, sagte am 1. Juli 2001 der Leipziger Volkszeitung: "In der DDR arbeitete jeder Betrieb mit beinahe zinslosen Krediten. Die wurden plötzlich im Verhältnis 2:1 zu D-Mark-Krediten mit Zinsen von zehn bis zwölf Prozent. So rückten selbst auf Westniveau arbeitende Firmen an den Abgrund." Bildrechte: dpa
Gregor Gysi 1989
Gregor Gysi, 1990 Vorsitzender der PDS, sagte am 30. Juni 1990 in der "TAZ": "Ich bedaure sehr, dass die Währungsunion unter einem solchen Zeitdruck zustande gekommen ist, dass es nicht möglich war, günstigere Regelungen auszuhandeln, die auch den Betrieben der DDR eine Übergangschance eingeräumt hätten. Stattdessen wird ein Gewaltakt gestartet, unabhängig von den sozialen Auswirkungen. Positiv ist der zu erwartende Effektivitätsschub und partiell eine bessere Bedürfnisbefriedigung. Nur wird das wohl stark beeinträchtigt durch die Arbeitslosigkeit und eine enorm ansteigende Teuerungsrate. Die Bedürfnisbefriedigung wird so nicht mehr aus Mangel an Angebot, sondern aus Mangel an Kaufmöglichkeit beschränkt werden. Ich weiß nun nicht, was psychologisch trauriger ist: Dass man etwas nicht bekommt, was man sucht oder dass man es zwar sieht, aber nicht kaufen kann." Bildrechte: IMAGO
Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Hankel
Wilhelm Hankel, renommierter Wirtschaftswissenschaftler und Harvard- Professor, schrieb in seinem Buch "Die sieben Todsünden der Vereinigung" (Siedler Verlag 1993): "Nachdem die Bundesregierung bewusst einen Aufwertungsschock herbeigeführt hat, in dem sie die DM nicht zu einem Umtauschsatz von 1 : 4 oder 1 : 5, wie es der Marktbewertung ungefähr entsprochen hätte, einführte, darf sie sich nicht wundern, wenn statt des erhofften Wirtschaftswunders das Gegenteil eintritt – eine Wirtschaftskatastrophe." Bildrechte: IMAGO
Kajo Schommer
Kajo Schommer, 1990 Bürgermeister von Neumünster und von Oktober 1990 bis Mai 2002 sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, am 1. Juli 2000 in der "Leipziger Volkszeitung": "Zur Währungsunion gab es keine Alternative. Der Versuch einer stufenweisen Anpassung hätte die nötigen schmerzhaften Einschnitte nur verschleppt und wäre teurer geworden. Die Schocktherapie hat es dem unternehmerischen Potential im Osten ermöglicht, sich zu entfalten." Kajo Schommer starb am 8. Juli 2007 in Köln. Bildrechte: MDR/Gerhard Hopf
Hans Modrow
Hans Modrow, 1990 Ehrenvorsitzender der PDS, sagte am 16. November 2009 im "Neuen Deutschland": "Mit der Währungsunion – die nicht durch Maßnahmen flankiert war, die der DDR noch eine Chance wirtschaftlicher Stabilität geboten hätte – hat der Niedergang im Osten begonnen. Schon 1991 ist die Wirtschaft im Osten, gemessen an 1989, allein im Bereich des Maschinenbaus um 72 Prozent abgesackt." Bildrechte: IMAGO
Peter-Michael Diestel
Peter Michael Diestel, 1990 Innenminister der DDR, sagte am 30. Juni 1990 in der "TAZ": "Die Währungsunion ist eine wunderschöne Sache. Der erste, ja wichtigste Schritt zur deutschen Einheit, der die wirtschaftlichen Voraussetzungen setzen wird, damit wir in Kürze zu einem einheitlichen Deutschland zusammenwachsen können. Von der staatlichen Souveränität wird nach der Währungsunion nicht viel bleiben, aber von den Menschen, von den Erinnerungen, von der Tradition, von der Geschichte hoffentlich doch eine ganze Menge." Bildrechte: imago/sepp spiegl
Wolfgang Thierse
Wolfgang Thierse, 1990 Vorsitzender der SPD der DDR, am 30. Juni 1990 in der "TAZ": "Die Währungsunion ist für mich weder ein Anlass zu besonderer Traurigkeit noch zu besonderem Jubel. Nach einer kleinen Umstellungs- und Eingewöhnungsphase werden die meisten Menschen sicher begreifen: Auch die D-Mark ist nur Geld. Und alle werden dann auch bald merken: Wir haben zuwenig davon. Aber auch wenn wir das gleiche Geld haben, werden wir uns zehn oder fünfzehn Jahre unterscheiden und als Ossis und Wessis erkennbar bleiben." Bildrechte: IMAGO
Wirtschaftsministerin Christa Luft (DDR)
Christa Luft, 1990 DDR-Wirtschaftsministerin, sagte 2010 in einem Interview mit dem MDR: "Dass niemand etwas gegen die schöne harte D-Mark haben konnte, war doch klar. Aber damit waren auch Konsequenzen verbunden, das war zu bezahlen …" Bildrechte: IMAGO
Matthias Platzeck 1990
Matthias Platzeck, 1990 Abgeordneter der Volkskammer für Bündnis 90, sagte am 30. Juni 1990 in der "TAZ": "Ich bin eigentlich ganz froh, weil ich mir wünsche, dass ab dem 2. Juli wieder an Sachproblemen orientiert diskutiert werden kann. Wenn jetzt die D-Mark kommt, habe ich allerdings die Befürchtung, dass sich schnell Überheblichkeit einstellt: man fährt dann also ins ehemals befreundete Ausland und markiert dort den dicken Max, so nach dem Motto: Ich hab die Westmark, und jetzt müsst ihr mir die Schuhe putzen."

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR ZEITREISE | 28.06.2020 | 22:10 Uhr
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