Klima-Studie Islands Vulkane werden öfter ausbrechen

Europa muss sich künftig auf mehr Aschewolken aus isländischen Vulkanen einstellen. Darauf weisen britische Forscher hin, die den Zusammenhängen zwischen Temperaturänderungen und Vulkantätigkeiten nachgegangen sind.

Europa wird durch den Klimawandel häufiger mit Aschewolken durch Vulkanausbrüche auf Island zu tun haben. Davor warnen britische Klimaforscher der Universität Leeds. Ihrer Studie zufolge sind auf Island durch das Abschmelzen der Gletscher in Zukunft mehr Vulkanausbrüche absehbar. "Wenn die Gletscher schmelzen, verringert sich der Druck auf die Erdkruste. Das wiederum ändert unterirdisch ebenfalls die Druckverhältnisse in den Kammern, in denen sich Magma bildet", erklärt Dr. Ivan Savov im Magazin "Dailyscience" und führt aus:

Schon kleine Veränderungen an der Oberfläche erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass eisbedeckte Vulkane tätig werden und ausbrechen. 

Dr. Ivan Savov

Hintergrund für diese Warnungen sind Langzeitanalysen von Vulkanasche aus Island, die in Torfablagerungen und Seesedimenten gefunden wurden. Sie stammen aus dem Zeitraum vor 4.500 und 5.500 Jahren, das nach einer vorherigen Kälteperiode geprägt war von starkem Gletscherwachstum und schwacher Vulkanaktivität. Momentan befindet sich Island nach Auffassung der Forscher erneut im Klimawandel: Die Zeit zwischen 1500 und 1850 auf Island galt unter Geologen als "kleine Eiszeit" mit kühlerem Klima. Seither erwärmt sich das Klima auf Island und lässt die Gletscher schmelzen.

Und warum interessiert uns das in Europa?

Wenn es in Island wärmer wird, bekommen das nicht nur die Menschen auf Island zu spüren. Der Temperaturanstieg löst eine Reihe von Kettenreaktionen aus, warnt der britische Forscher Graeme Swindles in "Dailyscience": "Das, was heute passiert, wirkt sich auf kommende Generationen aus, und die konkreten Folgen sind nicht komplett überschaubar: Aschewolken über Europa, mehr Partikel in der Atmosphäre und Probleme im Flugverkehr." Ob und wann Menschen die Folgen der globalen Erwärmung Islands konkret zu spüren bekommen, ist Swindles zufolge schwer vorherzusagen. Die Zusammenhänge aus der Vergangenheit zwischen Vulkantätigkeit und Gletscherstärke zeigten aber deutlich, dass es künftig mehr Vulkanausbrüche auf Island geben wird. Dass Ausbrüche weitreichende Folgen haben können, zeigt das Beispiel des Vulkans Laki im Jahr 1783. Seine Eruptionen dauerten mehrere Monate und weite Teile Europas wurden mit giftiger Asche bedeckt und sorgten durch einen "globalen Winter" für Missernten und Massensterben.

Auch deutsche Wissenschaftler beobachten diese Auswirkungen von Eruptionen nördlicher Vulkane. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Forschungszentrums Jülich und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben nun mithilfe von Computersimulationen und Satellitenbeobachtungen gezeigt, wie sie das Welklima beeinflussen.

Barbadunga - der nächste Aschewolke-Produzent?

In den vergangenen Wochen wurde mehrfach vor einem möglichen Ausbruch des Bardarbunga-Vulkans auf Island gewarnt: der Bardarbunga ist der zweithöchste Vulkan der Insel und liegt unterhalb Europas größtem Gletscher Vatnajökull. Er gilt als einer der größten und aktivsten Vulkane in Island. Nach Angaben von Islands Meteorologischem Institut wurden im Oktober vermehrt kleinere Erdstöße registriert, die anzeigten, dass der Druck in der Magma-Kammer des Vulkans steigt.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen: MDR | 26.11.2017 | 22:45 Uhr