Antarktis Ja, (wo) treibt er denn, der Eiskoloss A-68?  

Im Sommer 2017 war in der Antarktis der Eisriese A-68 vom Larsen-C-Schelfeis abgerissen. Wo ist der Eiskoloss, der siebenmal so groß ist wie Berlin, ein Jahr später?

Der Eisberg A 68, aufgenommen vom Satelliten Deimos-1 am 14. Juli 2017
Bildrechte: Deimos Imaging, an UrtheCast company

Der Riesen-Eisberg A-68 hat sich seit dem Sommer 2017 bisher erst 50 Kilometer von seiner Abbruchstelle entfernt. Das teilte das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhavener mit. Obwohl an den Kanten vereinzelt Eismassen abgebrochen sind, hat sich aktuellen Radarbildern zufolge an seiner Form nichts grundlegend verändert. Möglicherweise ist er an der Nordseite auf eine Untiefe gelaufen, an der schon andere kleine Eisberge gestrandet waren, vermutet Glaziologin Daniela Jansen.

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass der Eiskoloss vom Meereis und der Strömung immer wieder an die Schelfeiskante gedrückt wird, so dass er dort lose festhängt und sich weiter mit Strömung und Gezeiten bewegt: "Vielleicht löst er sich im nächsten antarktischen Sommer. Über kurz oder lang wird er nach Norden weiterdriften", sagt Jansen. Im Moment sehe das verbliebene Larsen-C-Schelfeis einigermaßen stabil aus. Einige größere Risse würden aber weiter beobachtet.

Warum A-68 für Schlagzeilen sorgte

Der Tafeleisberg A-68 hatte sich im Juli 2017 vom Schelfeis gelöst - mit 175 Kilometern Länge und 50 Kilometern Breite war er einer der größten Eisberge, die in den vergangenen Jahrzehnten registriert wurden. Vergangenen Sommer hatten die Forscher zunächst vermutet, dass der Eiskoloss Kurs Richtung Nordosten nehmen, Richtung Südgeorgien oder Süd-Sandwichinseln treiben und dort verstärkt schmelzen würde. Haben die Massen einmal Fahrt aufgenommen, können sie nach Einschätzung der Forscher bis zehn Kilometer am Tag zurücklegen. Was die Abbrüche gigantischer Schelfeisplatten von den Gletschern so besorgniserregend macht: Eisströme der Gletscher können dan ungehindert ins Meer fließen - das wiederum lässt den Meeresspiegel steigen.

Grafik der Umrisse des abgebrochenen Eisbergs am Larsen C-Schelfeis und Größenvergleich mit der Stadtfläche Berlin
Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut / Martin Kuensting, CC-BY 4.0

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Fernsehen | 12. Juli 2017 | 17:45 Uhr