Klimawandel Sind die Alpengletscher doch noch zu retten?

Gletscher in den Berner Alpen im Kanton Wallis
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Schwitzen in den Alpen - auch dort wurden 2018 viele Hitzerekorde gebrochen und Wanderer mussten bis auf 2.000 Meter steigen, um Temperaturen unter 20 Grad zu bekommen. Den Gletschern haben diese Temperaturen enorm zugesetzt, so der Schweizer Glaziologe Andreas Bauder.

Viele Gletscher sind in den vergangenen Monaten bereits komplett ausgeapert.

Andreas Bauder, ETH Zürich dpa

Ausgeapert – das bedeutet, dass der Winterschnee auf der gesamten Gletscherfläche weggetaut ist. Der Winterschnee aber ist extrem wichtig. Zum einen ist er heller als die alten Eisschichten darunter und kann dadurch die Sonne besser reflektieren. Zum anderen wird er gebraucht, um den Gletscher wachsen zu lassen, denn aus Schnee wird über die Jahre Gletschereis.

Jedes Jahr 50 Meter weg

Der flächenmäßig größte und längste Gletscher der Alpen, der Große Aletschgletscher, hat seit Beginn der Messungen 1870 insgesamt mehr als 3.000 Meter an Länge verloren. Über die vergangenen 20 Jahre hat der Gletscher im Mittel jedes Jahr rund 50 Meter eingebüßt. Schweizer Glaziologen befürchten, dass es bereits zu spät ist, das Gletschersterben bis zum Ende des Jahrhunderts zu verhindern.

Der Schweizer Aletschgletscher 1935 und 2018

Aletschgletscher
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Aletschgletscher
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Aletschgletscher
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Ich glaube, dass der Prozess des Gletscherrückgangs bis zum kompletten Verschwinden der Gletscher in den Alpen nicht mehr aufzuhalten ist.

Matthias Huss, ETH Zürich SWR2

Matthias Huss ist Glaziologe und Erdwissenschaftler an der ETH Zürich. Er befasst sich seit Jahrzehnten mit der Gletscherentwicklung, die weltweit auch Bedeutung für die Trinkwasserversorgung hat. Denn die größten Flüsse der Erde entspringen in vergletscherten Gebirgsregionen, schreibt Huss in seinem Blog. Und das Fehlen der Gletscher könnte in Südamerika oder Asien negative Auswirkungen haben, die wir in den Alpen in geringerem Ausmaß ebenfalls spüren würden.

Volksinitiative gegen fossile Brennstoffe

Der neue Verein Klimaschutz Schweiz will das verhindern und zumindest einige der Gletscher retten. Die rund 100 Mitglieder, die sich am 25. August 2018 am Sustenpass, am Fuß des schmelzenden Steingletschers zur Vereinsgründung getroffen haben, glauben, dass das möglich ist. Dazu müsste die Schweiz jedoch ihre Klimapolitik verändern und die Ziele des Pariser Klima-Abkommens in der Bundesverfassung verankern: Null CO2-Emissionen bis 2050. Mit anderen Worten: der totale Ausstieg aus der fossilen Energie. Um das umzusetzen, plant der Verein eine  Volksinitiative und sammelt jetzt die nötigen 100.000 Unterschriften dafür ein.

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell | Radio | 19. August 2018 | 08:47 Uhr