Klimawandel & Folgen Temperaturanstieg um 3 Grad verdoppelt Dürre-Flächen

Beim Begriff "Dürre" denken viele vielleicht an weit entfernte heiße Wüsten, an vertrocknete Ernten, an Hungersnöte. Doch in Zeiten des Klimawandels sind auch bei uns in Europa Dürrezeiten ein Thema: Künftig könnten sie für uns zum Normalzustand werden.

DLRG und Badegäste an der Blauen Lagune (Badesee).
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Erinnern Sie sich noch an den Sommer im Jahr 2003? Vermutlich nicht - aber sehr wahrscheinlich haben Sie damals irgendwo im Schatten gedöst, waren im Badesee oder Eis essen - immer auf der Suche nach Abkühlung. Denn auch, wenn wir uns nicht daran erinnern: 2003 war der Sommer richtig heiß, genau genommen viel zu heiß. Klingt eigentlich ganz gut, meinen Sie? Ganz und gar nicht!

Was wir nämlich auch vergessen haben: Die Hitzewelle forderte in Europa rund 70.000 Todesopfer. Sie gilt als eine der schwersten Naturkatastrophen in den vergangenen 100 Jahren. Die anhaltende Dürre zerstörte die Hälfte der Ernte in Südfrankreich und in Deutschland ernteten die Bauern knapp 15 Prozent weniger Getreide. Solche Dürren, schreibt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages, sind eine der weltweit häufigsten Ursachen für Nahrungsmittelknappheit. Bekommen wir also häufiger solche Dürreperioden, können sie zu einem ernsten Problem werden.

Extrem-Sommer werden zum Normalfall

Tatsächlich könnten solche extremen Sommer künftig der Normalfall sein, sagt Stephan Thober vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Mit seinem internationalen Team hat er die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf sogenannte "landwirtschaftliche Dürren“ untersucht.

Das sind also Dürren, die sich auf die Bodenfeuchte beziehen. Das heißt also, im Boden ist weniger Wasser gespeichert als normal.

Dr. Stephan Thober

Für ihre Studie haben die Forscher unter anderem die Prognosen mehrerer Klimamodelle analysiert - und zwar in Hinblick auf die Dauer und die Ausbreitung von Dürren. Das Ergebnis war eindeutig, sagt Thober:

Ergebnis unserer Studie ist, dass bei einer Erwärmung von drei Grad Dürren in Europa länger werden und größer werden. Natürlich gibt es regionale Unterschiede: Vor allem ist der Mittelmeerraum betroffen. Aber ein interessantes Ergebnis ist, dass vor allem im Sommer eigentlich auch in Gesamt-Europa Böden trockener werden.

Dr. Stephan Thober - Umweltforschungszentrum

Welches Ausmaß diese Dürren haben werden, hängt stark von der Erderwärmung ab, ergänzt der UFZ-Forscher. Bei einer Erwärmung um drei Grad Celsius würde sich die Fläche der Dürregebiete in Europa auf 26 Prozent verdoppeln. Würde es gelingen, das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 1,5 Grad Erwärmung zu halten, wären es 19 Prozent der Fläche - also nur sechs Prozentpunkte mehr als im Vergleichszeitraum. Klappt das nicht, werden die Dürren drei bis viermal länger dauern und bis zu 400 Millionen Menschen betreffen, so die Forscher. Deshalb warnen sie frühzeitig vor den Folgen der Klimaerwärmung, erklärt Thober:

Was wir eigentlich zeigen wollen ist, dass es in verschiedenen Gebieten von Europa sozusagen einen Handlungsbedarf gibt. Wie der genau aussieht, das können wir nicht sagen: Also ob man jetzt sagt im Mittelmeerraum zum Beispiel: Gut, wir müssen bewässern. Aber selbst wenn man bewässert, ist die Frage: Wo kommt das Wasser her?

Dr. Stephan Thober - Umweltforschungszentrum

In jedem Fall wird man sich an die neuen Bedingungen anpassen müssen, meint der UFZ-Forscher. Zum Beispiel könnte man sich auch regional fragen , ob man die Fruchtfolgen auf den Feldern ändern muss. Ohne Wasser im Boden und Regen könnte das vor allem in Südeuropa teuer werden. Es gebe nur eine Alternative: Der Mensch muss die Erwärmung auf drei Grad doch noch verhindern. Denn bis zwei Grad Erderwärmung müsse die Landwirtschaft sich an deutlich weniger extreme Bedingungen anpassen.

Maisfeld, das von der Dürre ausgetrocknet wurde.
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