Weil das Eis schmilzt Die Eisbären hungern

Als 2015 Bilder abgemagerter und toter Eisbären um die Welt gingen, war das Entsetzen groß. Inzwischen wissen wir, dass das schmelzende Polareis die Eisbären hungern lässt. Woher? Von ihnen selbst.

Eisbär ruht sich aus.
Bildrechte: Brian Battaile / USGS

Jahr für Jahr nimmt die Fläche des Polareises ab. Während Reeder von Schifffahrtsrouten quer über den Nordpol träumen und Großkonzerne und Staaten darin Chancen sehen, das Meer und den Meeresboden wirtschaftlich zu nutzen, kann das für die Eisbären das Todesurteil bedeuten. Schätzungsweise 25.000 der gewaltigen Raubtiere leben in der Arktis und den angrenzenden Gebieten. Bisherige Prognosen gingen davon aus, dass sich die Zahl in den nächsten vier Jahrzehnten um bis zu zwei Drittel verringern könnte. Aber vielleicht wird es auch noch dramatischer. Denn der Klimawandel wird für die Tiere zu einem Teufelskreis, zeigt eine neue Studie aus den USA.

Wissenschaftler des Alaska Science Center untersuchten in den Jahren 2014 bis 2016 neun Weibchen auf dem Packeis der Beaufort-See – einem Teil des Arktischen Ozeans nördlich von Alaska. Sie fingen sie ein, maßen und wogen sie, nahmen Blut- und Urinproben und statten die Bärinnen mit GPS-Kameras aus.

Die Untersuchungen fanden im Frühjahr statt, der Zeit, zu der sich die Eisbären ihre Fettschicht anfressen für die Fastenzeit im Sommer, wenn das Nahrungsangebot durch das aufbrechende Eis geringer wird. Die Ergebnisse der Messungen zeigten: Die Eisbären verbrauchen deutlich mehr Energie als die Wissenschaftler bisher annahmen - ausgehend von der “faulen“ Jagdmethode der Tiere, die die meiste Zeit einfach an Luftlöchern warten, bis Robben sich blicken lassen, die sie dann fangen. “Es hat sich aber gezeigt, dass Eisbären trotz ihrer effizienten Jagdtaktik im Vergleich nicht weniger Energie verbrauchen“, so der Biologe Anthony Pagano von der University of California in Santa Cruz, der die Studie geleitet hat.

Zu dem höheren Energieverbrauch kommt dann das zweite Problem hinzu: Schwindet die Eismasse, müssen die Tiere viel weiter schwimmen, um feste Schollen zu finden, auf denen sie jagen können. Irgendwann können sie die Energie, die verloren geht, nicht mehr ausgleichen. Mit anderen Worten: Sie verhungern. Wissenschaftler des United States Geological Survey haben die Folgen bereits festgestellt. Nach ihren Zählungen gingen die Eisbärenpopulationen in der Beaufort-See in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent zurück.

  

Dieses Thema im Programm: Fernsehen / 3sat / nano | 02. Februar 2018 | 18:30 Uhr