Raumfahrt in Zeiten von Corona Mars Rover Curiosity: Steuerung aus dem Homeoffice

Die NASA hat ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt - auch das für den Marsrover Curiosity zuständige Team. Mit dem Laptop am Küchentisch fremde Planeten zu erforschen, ist eine Herausforderung.

Das Team der Mars-Mission Curiosity hat am 20. März zum ersten Mal komplett von zuhause aus gearbeitet. Die Teammitglieder machten Selfies aus ihrem Homeoffice.
Das Team der Mars-Mission Curiosity hat am 20. März zum ersten Mal komplett von zuhause aus gearbeitet. Die Teammitglieder machten Selfies aus ihrem Homeoffice. Bildrechte: MDR/ NASA/JPL-Caltech

Der Marsrover Curiosity ist eine der wichtigsten laufenden Missionen der NASA. Seit 2012 erkundet der bislang größte, teuerste und beste Forschungsroboter unseren roten Nachbarplaneten. Doch die Coronakrise auf der Erde stellt auch für Curiosity eine Herausforderung dar, genauer, für die Ingenieure und Forscher, die Curiosity steuern.

Normalerweise nutzt die NASA Gaming-Computer und VR-Brillen, um Curiosity zu steuern

Um die Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu bremsen, halten auch die NASA Mitarbeiter physischen Abstand zueinander und arbeiten seit Mitte März vom Homeoffice aus. Damit stehen sie vor den gleichen Herausforderungen wie zahlreiche Büroarbeiter: Der Hund bettelt um Aufmerksamkeit, den Kindern wird langweilig und durch die fehlende Trennung von Heim und Arbeit sammeln sich schnell Überstunden an.

Für das Curiosity-Team kommt hinzu: Die Ingenieure und Forscher konnten nicht alle Ausrüstung mit nach Hause nehmen. An ihrem gewöhnlichen Arbeitsplatz im Jet Propulsion Labratory (JPL) nutzen die Ingenieure beispielsweise spezielle Virtual Reality Brillen. Damit schauen sie sich die Umgebung des Rovers in 3D an, prüfen, wie weit sie ihn fahren lassen wollen und wo er sinnvoll mit seinem Roboterarm arbeiten kann.

Ende März wurde Curiosity zum ersten Mal komplett aus dem Homeoffice gesteuert

Für diese Planungen nutzen die Ingenieure spezielle Computer mit Hochleistungs-Grafikkarten, wie sie gewöhnlicherweise von professionellen Gamern verwendet werden. Jetzt allerdings müssen einfache rot-blau-3D-Brillen und der heimische Laptop ausreichen. Das ist weniger komfortabel, funktioniert nach Angaben der NASA aber gut.

So wurden am 20. März 2020 zum ersten Mal neue Arbeitsbefehle zu Curiosity geschickt, ohne dass dafür jemand aus dem Team im JPL war. Alle Operationen wurden von Homeoffice-Arbeitsplätzen aus geplant. Zwei Tage später führte der Rover die Befehle aus und nahm eine Felsprobe mit seinem Bohrer.

Videokonferenzen und Chats: Zwei Stunden mehr Arbeitsaufwand pro Tag

Nicht nur fehlende Hardware ist eine Herausforderung. Auch die Koordination der Teammitglieder sei deutlich komplexer, sagt die Leiterin Alicia Allbaugh. An der Programmierung jeder Bewegungssequenz seien mindestens 20 Menschen beteiligt. "Normalerweise sind wir alle in einem Raum und teilen uns Bildschirme, Bilder und Daten. Die Leute sprechen quer durch den Raum miteinander", sagt Allbaugh.

Diese Abstimmung laufe jetzt über mehrere Videokonferenzen pro Tag und über Messenger-Apps. Dabei vergeht mehr Zeit, bis sich alle Teammitglieder richtig verstanden haben. Albaugh schätzt, dass der Aufwand pro Arbeitstag um ein bis zwei Stunden gestiegen ist. Das schränke die Menge der Kommandos an Curiosity etwas ein. Generell sei er aber wissenschaftlich genau so produktiv wie gewöhnlich.

Mars dreht sich trotz Corona weiter

Barrie Bridge ist die wissenschaftliche Leiterin der Curiosity-Mission. Sie überwacht ständig etwa 15 Chatkanäle, um zu prüfen, ob die aktuellsten Pläne funktionieren, erzählt sie. Können die von den Ingenieuren geplanten Bewegungen die Untersuchungswünsche der Wissenschaftler befriedigen? "Da jonglieren wir derzeit deutlich mehr als sonst", sagt Bridge. Videokonferenzen seien nicht so effektiv, wie die gemeinsame Arbeit in einem Raum. Dennoch seien die Inhalte ähnlich. "Ich gehe immer noch meinen Routineaufgaben nach, aber jetzt eben virtuell", schildert sie.

Letztlich seien solche Herausforderungen wie Corona aber übliche Schwierigkeiten. "Es ist klassisch wie im Lehrbuch der NASA", sagt Bridge. "Wir werden mit einem Problem konfrontiert und finden heraus, wie wir die Dinge zum Funktionieren bringen können. Der Mars steht nicht für uns still; wir erforschen ihn weiter."

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