Neue Studie sieht die Gründe in der Anzahl der Neuronen Gähnen kühlt das Gehirn

Gähnen ist ein Reflex. Er tritt bei Menschen auf, auch bei Hunden, Katzen und sogar bei Fischen. Es gibt eine eigene Wissenschaft, die Chasmologie. Trotzdem wissen wir immer noch nicht genau, warum wir gähnen. Bis jetzt. Denn eine neue Studie behauptet: Wir gähnen, um unser Gehirn zu kühlen.

Marcel Hacker gähnt.
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Andrew Gallup ist sowas wie der Star der Chasmologen. Der Psychologe der State University of New York in Oneonta erforscht seit Jahren, warum wir Gähnen. Dazu gibt es unzählige Theorien. Sie beschreiben physiologische Aspekte wie den Druckausgleich oder auch psychologische, die dem Gähnen wie beim Lachen und Weinen die Verarbeitung von Emotionen zuordnen. Immerhin hat Gähnen eine starke soziale Komponente und ist extrem ansteckend. Andrew Gallup hat noch eine ganz andere These: Mit dem Gähnen sorgen wir für Durchblutung und Kühlung des Gehirns. Das beantwortet auch die Frage, warum wir im Winter öfter gähnen als im Sommer. Der Kühleffekt ist im Sommer bei Hitze nicht gegeben.

24 Tierarten untersucht

In einer ganz neuen Studie, die gerade in "Biology Letters“ veröffentlicht wurde, haben Gallup und sein Team diese Aussage jetzt noch einmal untermauert. Die Forschungsergebnisse, bei denen das Gähn-Verhalten von Tieren und Menschen untersucht wurde, zeigen: Je größer das Gehirn, desto länger wird gegähnt. Für das Studium nutzen die Wissenschaftler Videos von insgesamt 24 verschiedenen Tierarten. Darunter waren Mäuse, Katzen, Löwen, Igel, Füchse, Affen, Elefanten und Menschen. Und sie fanden heraus: Tiere mit weniger Neuronen und kleinerem Gehirn gähnen im Schnitt deutlich kürzer als die mit großen Hirnen, wie zum Beispiel Primaten.

ein Eisbär liegt gähnend in der Landschaft
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Mäuse schaffen nur 1,5 Sekunden

In Zahlen sieht das so aus: Ganz vorn liegt der Mensch, der im Schnitt sechs Sekunden gähnt. Gleich dahinter folgt der Elefant, der es auch auf fast sechs Sekunden bringt. Bei Mäusen dagegen sind es nicht einmal 1,5 Sekunden pro Gähn. Damit würde ihre Theorie gestützt, so die Wissenschaftler, dass größere Hirne mehr Frischluft benötigen. Im Schnitt lagen die Zahlen bei Nicht-Primaten unter drei Sekunden und bei Primaten bei 4,5 Sekunden. Dabei spielen Körpergröße und Anatomie keine Rolle, so die Forscher, die sich immer noch am Anfang sehen. "Auf der Basis unserer Erkenntnisse glauben wir, dass das Gähnen und seine Dauer mehr Aufmerksamkeit verdienen“, schreiben sie in der Veröffentlichung. Und für diese Forschung bieten sie ihre Zusammenarbeit an.