Chronologie zur Lungenkrankheit Covid-19 Coronavirus Sars-CoV-2 – was Sie jetzt wissen sollten

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird uns noch lange begleiten, vermutlich geht es nie wieder weg. Hier lesen Sie eine Chronologie seit Januar 2020, die aktuellen News aus der Forschung und die Ticker im Überblick.

Aufziehen einer Spritze mit Impfstoff
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Chronologie der Ereignisse

Ende Dezember 2019 ist das Coronavirus ein lokales Thema und hat noch nicht mal einen Namen - inzwischen ist es eine Pandemie. Wie weit hat sich das Coronavirus ausgebreitet? Was wird unternommen? Wo steht die Forschung? Hier finden Sie die Chronologie der Ereignisse und die Ticker zum aktuellen Geschehen:

01.06.2020

Studie: Wie wirkt sich Corona-Krise auf Kinder mit Beeinträchtigung aus?

- Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen fühlen sich in der Corona-Ausnahmesituation allein gelassen. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage des Inclusion Technology Labs Berlin und eines Fraunhofer-Instituts. Neben Schulschließungen fielen demnach sämtliche Unterstützungs-, Pflege- und Therapieangebote weg, die Eltern allein bewältigen mussten. Mehr als 46 Prozent der Eltern von Kindern mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung fühlten sich demnach überfordert; 41 Prozent gaben an, ihr Kind komme schlecht mit den Einschränkungen klar, 66 der Kinder litten den Eltern zufolge unter den Kita- und Schulschließungen. 55 Prozent der Familien berichteten über eine Zunahme von Konflikten im Haushalt. "Insgesamt wird die institutionelle Unterstützung als mangelhaft empfunden" sagt Dorothea Kugelmeier, Forscherin am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT.  Die Studie war am 13. Mai online gegangen, binnen einer Woche hatten sich 1.767 Familien gemeldet.

Badesaison: Sprung in den See trotz Corona?

- Weltweit ist man sich in der Wissenschaft einig, dass eine Übertragung über Wasser sehr unwahrscheinlich ist. Dem ersten Sprung in die Badeseen der Region steht aus Sicht der Forschung nichts im Weg. Sachsens Gesundheitsministerium hatte schon Anfang Mai klargestellt: "Das Baden gilt als Bewegung und Sport an der frischen Luft. Unter Einhaltung der Abstandsregelungen sei dagegen nichts einzuwenden.

Aktuelle Meldungen:

31.05.2020

- Lungenmodell für Impfstoff- und Therapieerprobung

Fieberhaft wird weltweit nach einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 und Therapien gegen Covid 19 gesucht. Auch in Berlin arbeiten die drei Universitäten und die Charité gemeinsam mit Hochdruck daran. Dabei kommt nun erstmals ein menschliches Lungenmodell aus dem 3D-Drucker zum Einsatz.

-Wissenschaftlich betrachtet: Corona und die Weltwirtschaft

SARS-CoV-2 hat derzeit nicht nur uns Menschen fest im Griff, sondern auch die Staatskassen. Viele Länder tragen das Doppelte an Schulden - verglichen mit ihren Einnahmen. Und sie werden weiterhin sehr schnell sehr viel Geld brauchen, um auf die Krise zu reagieren. Allein Deutschland braucht 156 Milliarden Euro Kredit für für den Bund und weitere Milliarden für Länder und Kommunen. Ist das überhaupt noch zu stemmen? MDR Wissen hat mit Menschen gesprochen, die sich aus wissenschaftlicher Sicht mit der Weltwirtschaft und ihren Zusammenhängen beschäftigen.

30.05.2020

Studie: "Dein Leben vor und in der Zeit des Coronavirus"

So heißt eine Studie der Universität Tübingen und der Uni Luxemburg, die herausfinden will, wie es Kindern und Jugendlichen in der Pandemiezeit geht. Dem Forschungsteam zufolge sollen auch verborgene Gefühle, Erinnerungen und Bedenken aufgedeckt werden. Die Studie startet mit den üblichen Fragen nach Alter, Geschlecht, Wohnsituation. Danach geht es ans Eingemachte: "Wieviel der folgenden Geräte gibt es in deinem Zuhause: Fernseher, Auto, Computer, Tablet, Musikinstrumente?" Wie viele Bücher gibt’s bei dir Zuhause?", "Wie froh bist du mit diesen Dingen in der Coronazeit? Sicher zu sein / Deine Freiheit / Wie Erwachsene dir zuhören / Deine Gesundheit" "Hier sind Wörter, die deine Gefühle beschreiben, wie sehr treffen sie auf dich zu?: Traurig, gelangweilt / einsam /allein / ängstlich / besorgt". Nach Ängsten wird gefragt: Wer oder was derzeit im Alltag fehlt, was das Schlimmste war in der Coronazeit und was das Schönste.

Die Umfrage nähert sich dem Befinden der Kinder und Jugendlichen. Sie hat gleich mehrere Haken: Die Studie hat aber auch einen großen Haken: Sie umfasst 69 Fragen – die wollen erst mal beantwortet werden. Man kann die Umfrage abbrechen und später weitermachen. Oder man fragt die Kinder direkt selber und nutzt sie als Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Untersuchung ist international angelegt – man kann sie auf Deutsch, Englisch, Französisch, Letzebuergesch, Portugiesisch und sogar auf brasilianischem Portugiesisch ausfüllen.

29.05.2020

Konstanz: Schnelltest entwickelt - in zwei Stunden Covid-19 Ergebnis

Eine Forschungsgruppe der Uni Konstanz hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt, das nach zwei Stunden ein Ergebnis zeigt. Bisher wird standardmäßig über eine Polymerase-Ketten-Reaktion getestet, um eine akute Infektion nachzuweisen. Dabei wird das Erbgut des Erregers vervielfältigt und sichtbar gemacht - dieses Testverfahren mit mehreren Teilschritten dauert länger. Das Konstanzer Verfahren arbeitet mit einem speziellen Enzym, das die direkte Analyse des Testmaterials der Patienten ermöglicht. Das Verfahren wurde auf einem Portal für medizinische Forschungsergebnisse veröffentlicht. Sie können es hier im Detail lesen.

28.05.2019

Wo ist die Ansteckungsgefahr am größten?

Die Kinder kehren in Kita und Schule zurück, auch Shoppingcenter, Restaurants und Fitnessstudios dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Doch mit den schrittweisen Lockerungen der einst strengen Corona-Reglementierungen wächst zugleich die Angst, sich mit dem neuartigen Virus zu infizieren. Wo ist die Gefahr am größten, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken? Darüber geben neue Studien Auskunft.

Sachsen-Anhalter Firma arbeitet an Corona-Impfstoff

- Weltweit suchen Pharmaunternehmen nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Bei diesem Rennen macht auch eine mittelständische Firma aus Sachsen-Anhalt mit, die IDT Biologika, besser bekannt als Impfstoffwerk Dessau-Tornau. Es ist das einzige Unternehmen in Mitteldeutschland, das einen eigenen Corona-Impfstoff auf den Markt bringen will.

27.05.2020

Pharmariese Merck mischt in Impfstoff-Forschung mit und schluckt Entwickler

- Der Schweizer Pharmariese Merck mischt nun mit beim Kampf gegen Covid-19. Wie das Unternehmen mitteilte, arbeitet es an zwei verschiedenen Impfstoffen sowie einem Medikament, das die Vermehrung des Sars-Cov-2-Virus verhindern soll. Bei den Impfstoffentwicklungen basiert einer auf einem Ebola-Impfstoff des vergangenen Jahres. Merck arbeitet dabei mit der Organisation "International AIDS Vaccine Initiative (IAVI)" zusammen, die ursprünglich die HIV-Impfstoff-Forschung vorantrieb. Dieser Ansatz wird Merck zufolge von den USA mit 38 Millionen Dollar unterstützt.

Der zweite Impfstoff, an dessen Entwicklung Merck nun beteiligt ist, enthält eine geschwächte Version des Masern-Virus. Von dem weiß man, dass es vielen Krankheitserregern als Träger-Gen dienen kann, darunter auch dem Coronavirus. Für diese Forschung hat Merck den österreichischen Impfstoff-Hersteller Themis geschluckt. Themis, das Pasteur-Institut und die Universität Pittsburgh hatten im März von einer gemeinnützigen Organisation, der "Coalition for Epidemic Preparedness Innovations", 4,9 Millionen Dollar für die Entwicklung dieses Impfstoff-Ansatzes erhalten - im Rahmen der von US-Präsident Trump ausgelobten "Operation Warp Speed".

Bei beiden potentiellen Merck-Impfstoffen soll eine einzige Dosis ausreichen – im Gegensatz zu anderen Impfstoffentwicklungen. Weltweit gibt es der WHO zufolge derzeit (Ende Mai 2020) 124 Impfstoff-Ansätze, die mit acht unterschiedlichen Technologien arbeiten, und alle an verschiedenen Stadien der Entwicklung und Erprobung stehen. Hier ein Blick auf den aktuellen Stand.

Warnung: Sorgfalt statt Schnellschuss bei Impstoff-Entwicklung

- Vermutlich ist die Forschung nach einem Impfstoff noch nie so aufmerksam verfolgt worden, wie im Fall von Covid-19. Die Eile, mit der derzeit geforscht wird, birgt eine Gefahr, warnen Stimmen aus Medizin und Wissenschaft auf dem medizinischen Fachportal JamaNetwork. Soll das Vertrauen der Öffentlichkeit erhalten bleiben, dürften etablierte Sicherheitsstandards in der Entwicklung nicht dem Zeitdruck geopfert werden, mahnen die Medizinerin Brit Trogen, der Historiker David Oshinsky und der Bioethiker Arthur Caplan. In ihrer Veröffentlichung eruinnern sie an den Fall der Polioimpfung von 1955, die zu schweren Nebenwirkungen und Todelsfällen bei Kindern geführt hatte. Wharp-Geschwindigkeit, wie sie etwa US-Präsident Donald Trump fordert, sei daher der falsche Weg.

Corona-Studie: Sachsen testet Schulkinder

- Seit vergangener Woche sind in Sachsen die Schulen wieder offen. Das geht auch mit einiger Verunsicherung einher. Wie ansteckend können Kinder mit Corona sein? Sind die Schutzmaßnahmen sinnvoll und wirken sie auch? Darüber wird bundesweit diskutiert. Zwei großangelegte Studien in Sachsen sollen jetzt Antworten finden. In Leipzig startet heute die Studie an einer ersten Schule.

26.05.2020

Fehlerhaftes Gen erhöht Risiko für Covid-19, Alzheimer und Herzerkrankungen

Ein fehlerhaftes Gen im Zusammenhang mit Demenz verdoppelt einer groß angelegten Studie zufolge das Risiko, schweres COVID-19 zu entwickeln. Zu diesem Schluss kommen Forschende der Universitäten Exeter und Connecticut. Anhand von Daten der britischen Biobank stellten sie ein hohes Risiko für eine schwere COVID-19-Infektion bei Teilnehmern europäischer Abstammung fest, die zwei fehlerhafte Kopien des APOE-Gens tragen.

Was ist die britische Biobank?

Die britische Biobank wurde 2006 eingerichtet. Sie enthält Gesundheitsdaten von 500.000 Freiwilligen. Darin werden Informationen über die gesundheitliche Entwicklung der Teilnehmenden über Jahre eingegeben.

Das Gen e4e4 steht in Zusammenhang mit 14-fach erhöhtem Alzheimer-Risiko sowie Herzerkrankungen. Wer also dieses fehlerhafte Gen in sich trägt, hat ein verdoppeltes COVID-19-Erkrankungsrisiko. Was lässt sich aus diesem Forschungsergebnis ableiten? Studien-Co-Autorin Dr. Chia-Ling Kuo sagt: "Es zeigt, dass zunehmende Krankheitsrisiken, die mit dem Altern unvermeidlich erscheinen, tatsächlich auf bestimmte biologische Unterschiede zurückzuführen sind. Das könnte helfen, zu verstehen, warum manche 100-Jährige und Ältere aktiv bleiben, wohingegen andere bereits in ihren Sechzigern sterben." Die Studie ist im Fachmagazin Journal of Gerontology: Medical Sciences erschienen. Hier können Sie die komplette Studie lesen, wenn Sie das PDF öffnen.

25.05.2020

Italien startet Antikörper-Testreihe

- Italien will herausfinden, wie viele Bürger Antikörper gegen das neuartige Corona-Virus entwickelt haben. In 2.000 von insgesamt 8.000 italienischen Gemeinden werden mit Beginn dieser Woche entsprechende Tests gemacht, die Teilnahme ist freiwillig. Die Bevölkerung kann sich in Laboren testen lassen, Senioren auch bei sich zuhause. Allein in der am stärksten betroffenen Region, in der Lombardei, sollen 20.000 Menschen auf Antikörper getestet werden. Die Ergebnisse sollen anonymisiert mit Daten aus anderen europäischen Ländern verglichen werden.

Uni Wien: Lungentransplantation an Covid-Erkrankter

- An der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien ist einer 45-jährigen Frau, die an Covid-19 erkrankt war, eine Lunge transplantiert worden. Der Uni zufolge hatte sich die Frau vor acht Wochen mit dem Coronavirus infiziert und war daran erkrankt. Als sich der Zustand der Patientin extrem verschlechterte und ein Lungenflügel komplett ausfiel, wurde sie über Wochen schließlich nur noch durch ein ECMO-Gerät (Extrakorporale Membranoxygenierung) am Leben gehalten. Da keine Chance bestand, dass der Lungenflügel sich je wieder erholen würde, entschied sich das Medizinteam für eine Transplantation. Es war nach Angaben der Klinik die dritte Lungentransplantation überhaupt an Covid-19-Patienten, die weltweit durchgeführt wurde.

24.05.202

Leichte Fortschritte bei Medikamenten - Risiken bleiben trotzdem hoch

Die beiden US Gesundheitswissenschaftler Carlos del Rio und Preeti Malani bilanzieren im Journal der amerikanischen Medizinervereinigung (JAMA) den Stand der Forschung zur Covid-19-Pandemie. Demnach habe die Wissenschaft mit nie dagewesener Geschwindigkeit auf das neue Coronavirus reagiert. Nur fünf Monate nach seiner Entdeckung seit der genetischer Code entschlüssel worden, seien über 120 Impfstoffprojekte gestartet worden und würden derzeit mehr als 1300 Medikamente und Therapieverfahren gegen das Virus in Studien getestet. Nichtsdestotrotz blieben die Risiken hoch, dass eine zweite, schwer kontrollierbare und tödliche Infektionswelle ausbrechen könne. Denn unter den Medikamenten sei eine moderat positive Wirkung aktuell nur für den Stoff Remdesivir nachgewiesen worden. Er könne in geringem, aber statistisch signifikantem Umfang schwere Verläufe abmildern und die Zeit der Erkrankung von 15 auf 11 Tage verkürzen.

Weitere Medikamente wie lopinavir-ritonavir seien noch im Test. Sehr schwankend seien die Resultate für Malariamittel Hydroxychloroquin, seine Wirksamkeit steht im Zweifel. Vielversprechender sind Therapien mit monoclonalen Antikörper. Die können Eintritt des Virus in Körperzelle verhindern und lassen sich in Zellkulturen künstlich herstellen. Allerdings sind solche Therapeutika noch nicht verfügbar. Hinzu kommen Serumtherapien, wo Tests mit kleinen Teilnehmerzahlen moderate Erfolge gezeigt haben. Hier spenden bereits genesene Covid-19-Patienten ihr Blutplasma mit den von ihnen produzierten Antikörpern darin. Diese Therapieform ist allerdings kompliziert umzusetzen, denn solches Plasma ist Mangelware, außerdem variiert seine Qualität.

Italienische Forscher: Zweifel an Schulschließungen zur Eindämmung von Corona

Eine der umfangreichsten Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie war die Schließung von Schulen und Kindergärten in zahlreichen Ländern. Die italienischen Gesundheitswissenschaftlerinnen Susanna Esposito und Nicola Principi zweifeln im Fachmagazin JAMA Pediatrics allerdings an, dass dieser Schritt wirklich notwendig war. Die Annahme beruhe auf Erkenntnissen zur Ausbreitung der Grippe. Corona scheine allerdings anderen Dynamiken zu folgen, würden doch primär erwachsene und ältere Menschen angesteckt. Im Gegenteil könnten die langfristigen Schäden für die Kinder und Jugendlichen die positiven Effekte für die Eindämmung des Virus sogar überwiegen.

23.05.2020

Fortschritte bei Impfstoffen 1: Erste Tests an Menschen erfolgreich

Bereits im März haben in China und den USA erste klinische Studien begonnen, für die nun Ergebnisse vorliegen. So forscht die US-Firma Moderna an einem sogenannten mRNA-Impfstoff. Diese auch Boten-RNA genannten DNA-Stückchen funktionieren weder als Antikörper, noch wie ein abgeschwächter Virus. Man kann sie sich eher wie eine Bauanleitung vorstellen, die dem Körper sagt, wie eine Coronaviren-Abwehr funktioniert. Bei den 45 Probanden hätten sich dem klinischen Test zufolge bereits nach zwei Wochen Antikörper gebildet. Bei einem Teil waren die Konzentrationen später so hoch, dass sie mit denen von genesenen Covid-19-Patienten mithalten konnten. Die Studie zeigt auch, dass bereits geringe Dosen zu einer Immunisierung führen könnten – wenn auch die weiteren Tests erfolgreich verlaufen.

Ein Team vom Beijing Institue of Biotechnology (Pekinger Institut für Biotechnologie) hat einen klassischen Ansatz gewählt und arbeitet an einem Impfstoff mit abgeschwächten Viren vom Typ Ad5-nCoV. Auch hier wurden Tests im März begonnen. Wie im Fachblatt The Lancet berichtet wird, seien die Ergebnisse nach den ersten 28 Tagen durchweg positiv. An den 108 Probanden sei festgestellt worden, dass die Impfung sicher und gut verträglich ist und dazu führt, dass Antikörper gebildet werden.

Im Fachmagazin Science Advances warnt der stellvertretende Chefredakteur Douglas Green allerdings davor, bei der Impfstoffentwicklung zu hastig vorzugehen. Umfangreiche Tests an Menschen seien unumgänglich, etwa um auszuschließen, dass Effekte wie Infektionsverstärkende Antikörper auftreten. In diesem Fall würde der Körper zwar Antikörper entwickeln, die am Virus binden. Sie würden allerdings auch an Körperzellen andocken und den Viren so den Zugang zu den Zellen sogar erleichtern. Diese unbeabsichtigte Nebenwirkung ist beispielsweise bei Impfstoffkandidaten gegen Dengue, Ebola und HIV aufgetreten. Bisher liefern die Tierversuche mit den vielversprechenden Impfstoffkandidaten hier allerdings keinen Anlass zur Sorge: Infektionsverstärkende Antikörper konnten nicht beobachtet werden.

Fortschritte bei Impfstoffen 2: Rhesus-Makaken immun nach DNA-Impfung

 Die Covid-19 Erkrankung verläuft bei Menschen und Makaken zwar etwas unterschiedlich, trotzdem geben die Ergebnisse klinischer Studien Anlass zur Hoffnung, dass bald ein Impfstoff gegen das Sars-Coronavirus 2 verfügbar sein könnte. Chinesische Forscher um Jingyou Yu berichten in Science von den Tests mit ihrem DNA-Impfstoffkandidaten. Der wird Patienten injiziert, woraufhin Zellen sechs verschiedenen Varianten des Spike-Proteins des Coronavirus bilden sollen. Danach kann das Immunsystem Antikörper dagegen ausbilden. Bei 35 Makaken war diese Strategie offenbar erfolgreich. Als sie sechs Wochen erneut mit dem Coronavirus infiziert wurden, hatten sie genügend neutralisierende Antikörper im Blut, um die Infektion abzuwehren.

In einer zweiten Studie wurde überprüft, ob eine überstandene Infektion gegen eine Neuansteckung schützt. Dazu infizierte ein Forscherteam zunächst 9 erwachsenen Rhesus-Makaken mit dem Virus. Als sie die gleichen Tiere 35 Tage nach der überstandenen Infektion erneut dem Virus aussetzten, zeigten die Affen wenig bei keine Symptome. Nun muss aber noch erforscht werden, ob diese Ergebnisse auch für Menschen gelten.

22.05.2020

Augsburger Forscher obduzieren verstorbene Covid-19-Patienten

 Wie genau schädigt das neue Coronavirus den Körper und warum bringt es manche Patienten um? Um diese Frage zu beantworten, haben Mediziner der Universität Augsburg zehn an Covid-19 Verstorbene nach ihrem Tod obduziert. Die Patienten waren zwischen 64 und 90 Jahren alt, sieben von ihnen waren Männer. Hauptbefund sei ein diffuser Alveolarschaden gewesen, schreiben die Forscher.  Alveolen sind die kleinen Lungenbläschen, die für den Austausch zwischen Atemluft und Blut sorgen.

Die Schädigung war allerdings in unterschiedlichen Stadien vorhanden und innerhalb der Lunge unterschiedlich ausgeprägt. Besonders betroffen waren das mittlere und untere Lungenfeld. Der Befund geht einher mit einer Veränderung des Bindegewebes, das damit an Elastizität verliert, die beim Atmen wichtig ist. Auch die Zellen der Lungenbläschen verändern sich – all das bis hin zu vollständigen Zerstörung des Lungengewebes. Auch wichtig zu wissen: Während der Obduktion war das Coronavirus nach wie vor in den Atemwegen der Patienten nachweisbar.

 

21.05.2020

Analyse: Planung für Corona-Impfkampagne sollte jetzt beginnen

Erst eine sogenannte Herden-Immunität wäre der endgültige Schlusspunkt der Coronakrise. Wenn zwischen 55 und 88 Prozent der Bevölkerung immun sind gegen das Sars-Corona-2 Virus, kann der Erreger nicht laufend von einem Mensch zum nächsten weitergegeben werden, sondern wird – wie die Masern – sich nur noch in Nischen der Gesellschaft aufhalten. Der sicherste Weg zur Herden-Immunität wären Impfungen gegen das Virus.

Experten rechnen damit, dass solche Impfstoffe 2021 auf den Markt kommen. Doch ob dann rasch große Teile der Bevölkerung geimpft werden können, daran haben Gesundheitswissenschaftler derzeit Zweifel. Im Journal der American Medical Association schreibt ein Team um Linda Yu Fu, das Impfskepsis einer raschen Immunisierung größere Steine in den Weg legen könnte.

Die Forscher gehen davon aus, dass es auf der einen Seite eine größere Gruppe von Menschen gibt, die nicht geimpft werden können – etwa weil ihr Immunsystem aufgrund ihres hohen Alter, anderer Vorerkrankungen oder Einschränkungen eine Impfung nicht aushält. Deshalb wird auf der anderen Seite schon eine Impfablehnung von zehn Prozent der Bevölkerung zu einem Problem. Aktuellen Umfragen zufolge wollen nur drei von vier Befragten gegen Corona geimpft werden. Und nur 30 Prozent würden sich sofort impfen lassen, wenn ein Impfstoff verfügbar ist. Diese Werte zeigen laut den Autoren, dass jetzt bereits damit begonnen werden müsse, über mögliche Corona-Impfungen aufzuklären und für mehr Akzeptanz zu werben.

Menschliche Enzyme verändern das Coronavirus

Das Coronavirus dringt wie alle Viren in menschliche Zellen ein, um sich mit Hlfe der dort vorhandenen Strukturen zu vermehren. Dazu gehört, dass menschliche Enzyme die Erbinformation der Viren auslesen und die darin beschriebenen Eiweiße - Bauteile für neue Viren - von der Zelle produzieren lassen. Bei diesem Vorgang wird aber offenbar auch die Erbinformation der Viren verändert. Forscher haben jetzt zwei menschliche Enzyme identifiziert, die Einfluss auf die RNA der Coronaviren nehmen. Die beiden Deaminase-Enzyme können somit die Entwicklung von Sars-CoV-2 beeinflussen.

Die Forscher um Salvatore Di Giorgio wollen die von den Enzymen veränderten Stellen im Virus-Erbgut mit mutierten Stellen vergleichen. So wollen sie herausfinden, ob es sich bei der Veränderung um eine Abwehrreaktion der Körpers handelt und ob sich daraus mögliche Strategien für die Bekämpfung von Corona ergeben. Andererseits könnten die Veränderungen auch die Ausbreitung der Krankheit Covid-19 beschleunigt haben, berichten die Mikrobiologen im Fachjournal Science Advances.

20.05.2020

Simulation zeigt: Zwei Meter Abstand sind vielleicht zu wenig

Eine aufwändige Computersimulation hat gezeigt, dass unter gewissen Umständen die geltende Abstandsregel zu gering sein könnte – besonders für Kinder oder kleinere Erwachsene. Die im Fachblatt Physics of Fluids veröffentlichte Studie weist darauf hin, dass Speichelpartikel schon bei geringeren Windgeschwindigkeiten deutlich weiter getragen werden können. Die Studie kann jetzt helfen, Abstandsregeln je nach Umstand zu optimieren.

Coronakrise führt zum stärksten Rückgang der Klimaemissionen seit dem zweiten Weltkrieg

Anfang April liefen in vielen Ländern der Welt umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Während dieser Zeit lagen die täglichen Emissionen des Klimagases CO2 weltweit um rund 17 Prozent unter denen des Vorjahres. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Global Carbon Project, unter der Leitung von Rob Jackson von der US-Universität Stanford, die jetzt im Fachjournal Nature Climate Change veröffentlicht wurde. Zum Vergleich: Die Finanzkrise von 2008 hatte einen weltweiten Rückgang von nur 1,5 Prozent zur Folge. Die Reduktion durch die Coronakrise wäre demnach die größte Einsparung von Klimaemissionen seit dem zweiten Weltkrieg.

In absoluten Zahlen lagen die CO2 Emissionen täglich um 17 Millionen Tonnen unter denen von 2019. Sie fielen damit auf den Stand des Jahrs 2006. 43 Prozent davon gingen auf den Rückgang des Verkehrs auf dem Boden zurück, also auf Straßen- und Schienenfahrzeuge, die nicht fuhren. Weitere 43 Prozent sparten Industrie und Kraftwerke, die heruntergefahren wurden. Der Luftverkehr, der am stärksten betroffen war, trug 10 Prozent zur Verringerung bei.

19.05.2020

WHO-Kritik: Medizinmagazin widerspricht Präsident Trump

Das renommierte Wissenschaftsmagazin "The Lancet" hat auf Aussagen von US-Präsident Donald Trump reagiert. Trump hatte in einem Schreiben an den WHO Generalsekretär behauptet, die WHO habe "glaubwürdige Berichte über die Ausbreitung des Virus in Wuhan Anfang Dezember 2019 oder sogar früher konsequent ignoriert hat, einschließlich Berichte aus dem Lancet Medical Journal".

"Diese Aussage ist sachlich falsch" teilt das Magazin mit. "The Lancet veröffentlichte im Dezember 2019 keinen Bericht über ein Virus oder einen Ausbruch in Wuhan oder anderswo in China." Die ersten Berichte erschienen nach Angaben des Magazins am 24. Januar 2020. "Die Wissenschaftler und Ärzte, die diese Studie leiteten, stammten alle aus chinesischen Institutionen. Sie haben mit uns zusammengearbeitet, um schnell Informationen über diesen neuen Ausbruch der Epidemie und die dadurch verursachte Krankheit einem internationalen Publikum vollständig und frei zugänglich zu machen."

Studie: Mit Yoga gegen psychische Probleme

Eine Studie von zwei Universitäten in Sydney in Zusammenarbeit mit dem Kings College in London und der University of Santa Maria (Brasilien) zeigt: bewegungsbasiertes Yoga kann gegen psychologische Probleme helfen. Jetzt, da Fitnessstudios geschlossen sind und selbst Joggen mit Freunden nicht ohne Risiko ist, so Studienleiterin Jacinta Brinsley von der University of South Australia, kann Yoga besonders helfen. "Unsere Forschung zeigt, dass bewegungsbasiertes Yoga die Symptome einer Depression bei Menschen mit einer Reihe von psychischen Erkrankungen wie Angstzuständen, posttraumatischem Stress und schweren Depressionen verbessert. Es ist also eine sehr gute Nachricht für Menschen, die Probleme haben in Zeiten der Unsicherheit."

Die im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte sogenannte Metastudie untersuchte 19 Studien (1.080 Teilnehmer) in sechs Ländern (USA, Indien, Japan, China, Deutschland und Schweden), in denen Personen eine formale Diagnose einer psychischen Störung hatten, einschließlich Depressionen und Depressionen Angst. Die größte Herausforderung bleibt jedoch, "dass die am stärksten gefährdeten Personen in unserer Gemeinde trotz der potenziellen Vorteile häufig am wenigsten Zugang zu Trainings- oder Yoga-Programmen haben", so Prof. Simon Rosenbaum von der University of New South Wales in Sydney.

18.05.2020

Coronavirus - keine Übertragung durch Mücken

Mücken können Viren übertragen, das wissen wir spätestens, seitdem sie das auch hier in Deutschland tun. In unserem Fall ist es das West-Nil-Virus. Aber wie sieht es mit dem neuartigen Coronavirus aus? Können Mücken auch dieses Virus übertragen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO klärt auf ihrer Seite auf, und zwar mit einem eindeutigen "Nein". Keine Mücke könne das, egal ob Tigermücke oder gemeine Stechmücke.

70 bis 80 Prozent der Impfstoffkandidaten scheitern

Mit Hochdruck arbeiten Forscher an einem Impfstoff gegen das Sars-Coronavirus-2, insgesamt 118 Projekte zählt die Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit. Und weitere Vorhaben sind schon in der Planung. Aber die Entwicklung solcher Vakzine ist aufwendig und langwierig. Welcher Stoff wird also am Ende Erfolg haben und wann?

Maria Elena Bottazzi forscht mit ihren Kollegen am Baylor College of Medicine in der US-Metropole Houston an einem Impfstoff, der auf rekombinierten Virenproteinen beruht. Sie schätzt, dass etwa 70 bis 80 Prozent aller Projekte schon früh in der Entwicklung scheitern werden, erklärt sie im Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Hashem Al-Ghaili (Science Nature Page). Deshalb sei es gut, dass es so viele verschiedene Ansätze gebe.

Im Lauf des Prozesses scheiden dann immer mehr Kandidaten aus, erwartet Bottazzi. Am Ende bleibe aber ein Bündel wirklich viel versprechender Kandidaten übrig. Dann könne man die Forschungskräfte bündeln und schließlich die besten fünf Stoffe gemeinsam voranbringen. Wer zu diesen Top 5 gehöre, sei jetzt aber noch nicht abzusehen.

17.05.2020

Blutdrucksenker erhöhen nicht das Risiko eines schweren Verlaufs von Coivid-19

Anfang März hatten Meldungen für große Unsicherheit gesorgt, bestimmte Blutdruck senkende Mittel könnten das Risiko erhöhen, dass eine Covid-19 einen schweren Verlauf nimmt und Patienten sterben. Konkret ging es um Medikamente, die auf das Renin-Agiotensin-Aldosteron System im Körper einwirken. Es wurde befürchtet, dass sie zur stärkeren Bildung des Enzyms ACE-2 führen. Dieses Enzym ist sozusagen die Andockstelle, über die sich das Coronavirus in die menschlichen Zellen einschleust. Jetzt zeigen neuere Studien: Die Aufregung war nicht berechtigt. Ein Zusammenhang zwischen diesen Blutdrucksenkern und schweren Covid-19 Verläufen konnte in mehreren Studien nicht festgestellt werden.

16.05.2020

Göttinger Forscher: Harter Shutdown war notwendig

Eine Forschungsgruppe vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation hat in einem mathematischen Modell die Wirksamkeit verschiedener sozialer Distanzierungsmaßnahmen miteinander verglichen. Laut der Berechnungen hat erst der harte Lockdown vom 22. März den entscheidenden Einschnitt bei der Zahl der Neuinfektionen gebracht. Wie die Wissenschaftler im renommierten Fachjournal Science berichten, verglichen sie die Entscheidung, große Veranstaltungen abzusagen (8. März), die ersten Schul- und Geschäfteschließungen (16. März) und den Lockdown am 22. März mit der jeweiligen Zahl der Fälle zwei Wochen später. So lange dauert es, bis die Effekte der Maßnahmen statistisch sichtbar sind.

Aus diesem Grund können die Wissenschaftler aktuell nicht abschätzen, welche Folgen die Lockerungen vom 11. Mai haben. Sie haben aber mehrere Szenarien berechnet. Im schlechtesten Fall sind die aktuellen Hygienebestimmungen weitgehend wirkungslos. Dann droht im Juni der Beginn einer zweiten Infektionswelle, die ab Anfang Juli das Niveau von Mitte März erreichen könnte.

Grafik, die Szenarien für die Ausbreitung des Coronavirus im Mai und Juni zeigt.
Bildrechte: Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Hallenser Forschungsfirma: Wirkstoff hemmt Vermehrung von Corona

Das Unternehmen Immunic Research arbeitet derzeit in seinen Labors in Halle an einem Wirkstoff, der auch gegen Corona eingesetzt werden könnte. Imu-838 hemmt in den von Corona befallenen Zellen ein bestimmtes Enzym. Denn die Viren werden aus bestimmten RNA-Bausteinen zusammengesetzt. Das Enzym DHODH sorgt dann eigentlich für Nachschub. Es kann aber durch Imu-838 gebremst werden. Dadurch wird auch die Vermehrung der Viren verlangsamt.

Der Wirkstoff wurde bereits gegen andere Viren getestet, unter anderem gegen das HI-Virus. Laborversuche in Zellkulturen haben jetzt gezeigt, dass IMU-838 auch gegen Coronaviren wirksam ist. Eine klinische Phase-2 Studie soll zeigen, ob der Wirkstoff zur Therapie der Covid-19 bei Menschen eingesetzt werden kann.

Immunic ist ein internationales Unternehmen mit Sitz in New York, Melbourne, München und Halle. Zur Ansiedlung in der Saalestadt kam es wegen der räumlichen Nähe zum Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig und Halle.

Münchner Cluster: Meiste Ansteckungen im direkten Umfeld

Die ersten Corona-Infizierten in Deutschland sind Mitarbeiter eines bayrischen Autozulieferers und deren Angehörige. Ende Januar stecken sich insgesamt 16 Personen in vier Infektions-Generationen mit Sars-CoV-2 an. Die Gesundheitsämter isolieren die Betroffenen und überprüfen insgesamt 241 Kontakte. Die Infektionskette kann unterbrochen werden.

Im Fachjournal "The Lancet Infectious Diseases" beschreiben Merle M. Böhmer von Bayerischen Landesamt für Gesundheit und ihre Kollegen jetzt, das sogenannte Münchner Cluster abgelaufen ist. Die detailgenaue Analyse zeigt: Hier gingen nahezu alle Ansteckungen auf Kontakte im direkten Umfeld zurück. Waren Infizierte mit weiteren Menschen zusammen in Isolation, beispielsweise mit ihrer Familie, lag die sogenannte Attack-Rate bei 75 Prozent. Das bedeutet, 75 Prozent derjenigen, die dem Virus ausgesetzt waren, haben sich auch angesteckt. Waren Infizierte von ihrem Haushalt isoliert, beispielsweise im Krankenhaus, lag die Attack-Rate nur noch bei 10 Prozent. Bei Kontakten außerhalb der Haushalte, also etwa bei der Arbeitsstelle, lag das Ansteckungsrisiko nur noch bei 5 Prozent.

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