Klimawandel Wenn Flugzeuge nicht mehr starten können

Weil Flugzeuge besonders viel CO2 ausstoßen, gelten sie als Treiber der Erderwärmung. Ausgerechnet die zunehmende Hitze könnte der Luftfahrt nun zum Verhängnis werden, warnen Forscher aus den USA.

Die Luft flimmert hinter einem landendem  Flugzeug
Hitzeflimmern hinter einem landenden Flugzeug: Hohe Lufttemperaturen werden für Flugzeuge zum gefährlichen Problem. Bildrechte: IMAGO

Die Maschine aus Deutschland war bereits den ganzen Weg in Richtung Irak geflogen, als sich der Pilot zur Umkehr entschloss: Ein Airbus der Lufthansa konnte am vergangenen Dienstag nicht wie geplant in der kurdischen Metropole Erbil landen. Dort war es schlicht zu heiß.

Konstant über 45 Grad Celsius maß die Wetterstation vor Ort. Die Vorschriften der deutschen Fluglinie für den eingesetzten A320 sahen allerdings vor, dass es maximal 44 Grad heiß sein darf auf dem Rollfeld. Also kehrte der Airbus nach einem kurzen Tankstopp in der türkischen Hauptstadt Ankara nach Frankfurt am Main zurück.

Studie: Klimawandel bringt Einschränkungen für Luftfahrt

Flugzeuge gelten aufgrund ihres hohen Treibstoffverbrauchs und dem damit verbundenen Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) als starke Anheizer des Weltklimas. Wie am Beispiel des Fluges nach Erbil deutlich wird, könnte ihnen die steigende Wärme selbst zum Verhängnis werden.

Forscher von der Columbia University in New York haben jetzt eine Studie im Journal Climatic Change veröffentlich. Darin untersuchten sie, wie sich die Luftfahrt unter dem Eindruck steigender Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts verändern könnte. Allein bis 2050 könnte an vielen Orten jeder dritte, heute zur Mittagszeit eingeplante Start nicht mehr stattfinden, so die Warnung des Teams um Ethan Coffel.

Hitze verändert Flugphysik

Das Problem ist physikalischer Natur. Flugzeuge beschleunigen, bis der Luftstrom an den Flügeln genug Auftrieb produziert und sie abheben. Hitze verändert das, erklärt Cord Schellenberg, der sich als Fachjournalist mit Luftfahrt beschäftigt. "Wenn die Temperaturen hoch werden, wird die Luft dünner. Das Flugzeug muss sich schneller bewegen, um den gleichen Auftrieb zu haben und auf der vorgegebenen Piste abheben zu können." Hinzu kommt: "Wenn es zu heiß ist, können die Triebwerke nicht volle Leistung bringen. Zugleich muss man auf die Belastung der Reifen achten", sagt Schellenberg.

Nach Einschätzung der Experten sind von der Entwicklung nicht nur Drehkreuze in heißen Ländern wie Dubai gefährdet. Auch ältere Flughäfen mit kurzen Start- und Landebahnen in Europa oder Nordamerika könnten in Sommermonaten Probleme bekommen.

Zahlreiche Flugausfälle bereits heute

Einen Vorgeschmack auf kommende Zeiten erhielten Passagiere im Juni im US-Bundesstaat Arizona. Dort zeigten Thermometer bis zu 48 Grad Celsius. Am Flughafen der Metropole Phoenix fielen insgesamt rund 50 Starts aus.

Flüge in heiße Urlaubsdomizile könnten in Zukunft deutlich komplizierter und damit teurer werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 20.07.2017 | 14:22 Uhr