Corona-Engpässe Dresden liefert Medizin-Equipment aus dem 3-D-Drucker

Es war eine kleine Erfolgsmeldung aus Italien: In der Corona-gebeutelten Region Brescia sorgten Maschinenbauingenieure für lebensrettende Bauteile für Beatmungsmaschinen. Als die Ventile fehlten, mit denen Beatmungsgeräte an Patienten-Gesichtsmasken angeschlossen werden, ließ man sie von einem 3-D-Drucker ausdrucken. Das soll laut EU-Kommission Schule machen, Forschende sollen mit ihren Druckern benötigte Materialien herstellen. Wissenschaftler aus Dresden machen da mit.

von Kristin Kielon

Ventil für Beatmungsgeräte aus dem 3-D-Drucker 3 min
Bildrechte: Zentrum für Translationale Knochen-, Gelenk- und Weichgewebeforschung an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus

Normalerweise drucken die 3-D-Drucker in den Forschungseinrichtungen des Verbunds DRESDEN-concept keine Medizinprodukte. Hier werden sonst Bauteile für Experimente oder neuartige Materialien gedruckt. Doch momentan sind die Forschenden im Home-Office und viele der Geräte warten auf ihren nächsten Einsatz. Sie sollen Engpässe bei medizinischem Material in der Coronakrise entschärfen. So wollen die Forschenden entsprechend ihrer Möglichkeiten helfen, erklärt Lukas Stepien vom Fraunhofer-Institut für Werkstoff und Strahltechnik IWS.

Lächelnder Mann im Anzug
Lukas Stepien Bildrechte: Fraunhofer IWS

Innerhalb des DRESDEN-concept haben wir im Moment ungefähr zwanzig Drucker. Tendenz steigend, weil sich immer mehr Forschungseinrichtungen beteiligen und mitbekommen, dass so eine Aktion gestartet wurde.

Lukas Stepien - Fraunhofer IWS

Neben mehreren Fraunhofer-Instituten beteiligen sich unter anderem auch Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft und der Technischen Universität Dresden an der Hilfsaktion - und zahlreiche andere in Deutschland, ergänzt Stepien. Die Resonanz auf den Aufruf der Europäischen Kommission sei so groß gewesen, dass die Hilfsangebote noch koordiniert werden müssten. In Dresden wäre man jedenfalls startklar. Die ersten Testdrucke seien schon gemacht worden:

Im Grunde geht's hauptsächlich um Kunststoffteile. Im Moment sind konkrete Anfragen bei uns eingetroffen zu Halterungen für Gesichtsschilder. Das ist der Bedarf im Moment, der hier vorherrscht.

Lukas Stepien - Fraunhofer IWS
Gesichtsschutz
Gesichtsschutz aus dem 3-D-Drucker Bildrechte: Zentrum für Translationale Knochen-, Gelenk- und Weichgewebeforschung an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus

Es fehlen also die Kunststoff-Visiere, die das Krankenhauspersonal auf den Isolierstationen zum Schutz vor den Tröpfchen über den Masken trägt. Die Forschenden könnten außerdem auch Atemschutzmasken, Maskenhalter oder Bauteile für Beatmungsmaschinen drucken. Die Druckvorlagen dafür sind frei im Netz verfügbar: Überall auf der Welt arbeiten 3-D-Druck-Enthusiasten daran und teilen ihre Ergebnisse kostenlos im Internet als Open Source-Dateien.

Kann jetzt jeder Medizin-Material drucken?

So kann praktisch jeder, der einen 3D-Drucker hat, mitmachen. Die Tests in Dresden hätten gezeigt, dass pro Gerät täglich etwa 15 Ventile für Beatmungsmaschinen hergestellt werden könnten. Sehr schnell große Mengen produzieren könne man so natürlich nicht, räumt Stepien ein, im Vergleich zu konventionellen Herstellungsverfahren wie zum Beispiel dem Spritzguss. Der 3-D-Druck sei deutlich langsamer und entsprechend auch teurer. Der 3D-Druck spiele dann seine Stärken aus, wenn es wirklich ad hoc um die Bereitstellung von Material ginge, sagt der Dresdner.

Der große Vorteil ist also: Der 3-D-Drucker liefert sofort, wenn ein Teil gebraucht wird - auch, wenn die Produktion etwas länger dauert.

Da muss man auch überlegen, ob man kleinere batches von diesen gedruckten Teilen schon mal ausliefert und nicht wartet bis man dann die gesamte Stückzahl beisammen hat und gebündelt ausliefert.

M.Sc. Dipl-Ing. Lukas Stepien - Fraunhofer IWS

Der Fall des fehlenden Ventils in Italien hat gezeigt: In Zeiten unterbrochener globaler Lieferketten kann es Gold wert sein, überhaupt an wichtiges medizinisches Material zu kommen. Den Gedanken teilt man auch in Leipzig: An der dortigen Universitätsklinik arbeitet man daran, Corona-Teströhrchen zu modellieren und auf Praxistauglichkeit testen, um mögliche Lieferengpässe in der Zukunft abfedern zu können.

Beispiel für Produkte aus 3-D-Druckverfahren

Osteuropa

3-D-Drucker 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 11:24 Uhr

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