Do 11.06. 2020 22:10Uhr (VPS 22:05) 29:30 min

Blick in eine Ausstellung
Blick in eine Ausstellung Bildrechte: SKD/Alexander Peitz
MDR FERNSEHEN Do, 11.06.2020 22:10 22:40

artour

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Das Kulturmagazin des MDR

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* Deutschland als Vorbild?
Susan Neiman vergleicht in ihrem Buch "Von den Deutschen lernen. Wie Gesellschaften mit dem Bösen in ihrer Geschichte umgehen" den deutschen und den amerikanischen Umgang mit dem Erbe der eigenen Geschichte. Diese mit Verve und Meinungsfreude geschriebene Streitschrift ist angesichts des Mordes an George Floyd von beklemmender Aktualität: Die Philosophin Susan Neiman, die jüdische Denkerin, die nach der Wahl Donald Trumps ihre amerikanische Staatsbürgerschaft zurückgab und Deutsche wurde, rechnet ab: Die USA hätten ihre Untaten in der Geschichte, die tief verwurzelten rassistischen Traditionen, nie wirklich glaubhaft aufgearbeitet. Dem setzt sie, die seit Jahrzehnten in Berlin lebt, in einer blitzgescheiten tour d’horizon durch die letzten 75 Jahre das Beispiel Deutschland entgegen. Aller Halberherzigkeiten, Rückschritte und Vertuschungsmanöver zum Trotz haben die Deutschen - so attestiert Susan Neiman - ihre finstere Geschichte beispielhaft aufgearbeitet. Eine besondere Rolle hat dabei, wie sie sagt, der deutsche Osten gespielt. "Verordneter Antifaschismus, von dem so oft verächtlich gesprochen wird, ist ja nicht per se etwas Falsches und allemal besser als latenter Faschismus."
artour traf die Autorin - und den Schriftsteller Ingo Schulze.
Autor: Tilman Jens

* Raffael - es kann nur einen geben
Ende Februar 2020 wurden die Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800 im Semperbau nach siebenjähriger Teilschließung mit einem Festwochenende wiedereröffnet. Nur wenige Wochen danach musste die Sempergalerie aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen werden. Die Krise hat es nur verschoben, jetzt wird überall das diesjährige Raffael-Jubiläum gefeiert, mit der größten Schau in Rom, Berlin mit vielen Madonnen und in Dresden mit dem Blick auf die Raffael-Teppiche. Die Sehnsucht der Könige nach Raffael dort musste sich nämlich zunächst mit einer neuen Realisation der Tappisserie-Entwürfe Raffaels für die Sixtinische Kapelle begnügen - ehe mit der Sixtinischen Madonna der Glanz Raffaels auch auf die Dresdner Galerie abfärbte. Im Jubiläumsjahr wird weiter die Legende des ‚göttlichen‘ Raffael geschleift. Auch die neue Monographie von Ulrich Pfisterer versucht, ohne die vielen Mythen und Legenden, die sich über das Leben und das Werk des Raffael gelegt haben, nüchtern und historisch kritisch darzustellen, wie jemand wie dieser Raffael aus Urbino zu seinem Ruhm zu Lebzeiten kommen konnte. Das Hervorstechendste an Raffael ist demzufolge eine außerordentlich hohe Wettbewerbsbegabung - es kann nur einen geben: Raffael.
Autor: Meinhard Michael

* Neues Album des Musikers MOBY
Szenen wie aus einem Bürgerkrieg, düstere Endzeit-Animationen, dazu ein stampfender Elektrobeat. "Power is Taken" heißt die neue Single des amerikanischen Musikers und DJs Moby. Sie wirkt wie ein warnender Weckruf, bestehende Ordnungen zu hinterfragen. Dieser Tage erscheint mit "All Visible Objects" Mobys mittlerweile 16. Studioalbum und auch wenn es kein besonders politisches geworden ist, hat der Musiker und Animal-Rights-Aktivist selten Schwierigkeiten damit, klare Worte zu finden. Mehr als 20 Jahre sind vergangen, seit Richard Melville Hall mit seinem legendären Album "Play" 1999 zu einem der berühmtesten Musiker seiner Zeit wurde. Songs wie "Porcelain" und "Why Does My Heart Feel So Bad" sind bis heute Meilensteine der modernen Popmusik. Der Kopf dahinter mag auf den ersten Blick introvertiert wirken und doch schaut Moby auf ein echtes Rockstarleben zurück. Per Videocall haben wir Moby kurz vor Veröffentlichung seines neuen Albums Mitte Mai getroffen und mit ihm über Drogenexzesse, Techno, Punkrock, Selbstmordgedanken und die USA gesprochen.
Autor: Marcus Fitsch

* "Nationalstraße" - Verfilmung des Romans von Jaroslav Rudiš
Nicht nur der Rechtspopulismus nimmt in vielen Ländern immer weiter zu, sondern auch die Bereitschaft zur Gewalt. Doch wie sieht es im Kopf eines solchen Menschen aus? Dieser Frage ging der tschechische Autor Jaroslav Rudiš bereits 2013 mit seinem Roman "Národní Třída" nach, den jetzt der Regisseur Štěpán Altrichter unter dem gleichnamigen Titel "Nationalstraße" (OT: "Národní Třída", Tschechische Republik, Deutschland, 2019) auf die Kinoleinwände bringt und zeigt, dass man dieses Thema auch mit Humor angehen kann. Filmstart ist am 11.6.2020.
Autorin: Marion Ammicht

* Kulturkalender
- Das Schauspiel Leipzig spielt wieder: Am 12.6. ist die Premiere der "Medea" unter der Regie von Markus Bothe
- Im Kunsthistorischen Museum Schloss Merseburg sind bis zum 23. August die Ausstellung "Schönheiten des Meeres - Zeichnungen von Ernst Heckel (1834 - 1919) und Fotografien von Werner Fiedler (Leipzig)" zu sehen.
- Das neue Album von Nora Jones: "Pick me up off the Floor" erscheint am 12. Juni.
Autorin: Stephany Mundt

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Jaroslav Rudiš, gestikulierend 55 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK