Ohrdruf Klage gegen Abschuss verschafft Thüringer Wölfin etwas Zeit

Naturschützer gehen juristisch gegen den Abschuss von Thüringens bisher einziger Wölfin vor. So lange das Eilverfahren läuft, soll das Tier am Leben bleiben.

Eine Wölfin auf einer Straße
Tierschützer klagen gegen die Genehmigung für den Abschuss der Wölfin aus Thüringen. Bildrechte: MDR/Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Schonfrist für die Wölfin von Ohrdruf: Nachdem die Umweltverbände BUND und Nabu Klage gegen die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss des Tiers eingereicht haben, rechnet das Geraer Verwaltungsgericht im Februar mit einer Entscheidung im Eilverfahren. Bis dahin werde es nach Absprache mit der zuständigen Behörde aber keinen Abschuss geben, erklärte Gerichtspräsident Michael Obhues am Freitag. "Der Wolf ist bis dahin sicher."

Nabu und BUND bestreiten nicht, dass die auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf (Landkreis Gotha) beheimatete Wölfin immer wieder Nutztiere gerissen hat, ohne sich dabei von den Schutzvorrichtungen abhalten zu lassen. Das macht sie in den Augen der Behörden zur Problemwölfin und bedeutet für das eigentlich streng geschützte Tier das Todesurteil.

Tierschützer befürchten Abschuss des falschen Wolfs in Thüringen

Wenn die Wölfin den optimalen Herdenschutz tatsächlich mehrfach überwunden habe, sei ihr Abschuss gerechtfertigt, räumte BUND-Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel am Freitag ein. Das dürfe aber kein Freibrief dafür sein, Jagd auf alle Wölfe in der Region zu machen. "Mit der beabsichtigten Ausweitung der Genehmigung auf alle Jäger im Raum Ohrdruf würde sich aber die Wahrscheinlichkeit für einen Fehlabschuss drastisch erhöhen", wandte er ein. Das sei mit dem strengen Artenschutz für den Wolf nicht vereinbar.

Der befürchtete Fehlabschuss bezieht sich auf den Wolfsrüden, der sich offenbar seit einigen Monaten auf dem Truppenübungsplatz mit der Wölfin zusammengetan hat. Die Umweltschützer hoffen, dass aus der Paarung der beiden Tiere das erste Rudel des Landes hervorgeht. Zugleich fürchten sie eine Verwechslung der beiden Exemplare.

"Nach dem Wortlaut des Ausnahmebescheides darf auf jedes Tier geschossen werden, das nach Wolf aussieht, und erst danach wird ermittelt, um welches Individuum es sich gehandelt hat", bemängelte Martin Schmidt, der Landesvorsitzende des Nabu. Obwohl der Wolfsrüde im Gegensatz zu seiner Partnerin gar nicht die Fähigkeit erlernt habe, grundsätzlich geeignete Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden, bestehe zu 50 Prozent die Wahrscheinlichkeit, dass zuerst er und danach die Wölfin geschossen werde. Diese Fifty-Fifty-Chance geht den Umweltschützern zu weit.

Nabu für besseren Herdenschutz

Zumindest der Nabu sieht darüber hinaus auch die Möglichkeiten eines effektiven Herdenschutzes in der Region noch nicht ausgeschöpft. "Auch ein Einfangen der Wölfin oder andere sichere Identifizierungsmethoden wurden nicht als Alternative diskutiert und abgewogen", kritisierte Schmidt.

Silvester Tamás, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim Naturschutzbund Nabu Thüringen
Nabu-Wolfsexperte Silvester Tamás Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

"Das Überleben der Wölfe kann in Zukunft nur gesichert werden, wenn der Herdenschutz weiter ausgebaut wird", betonte Silvester Tamás, der Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim Nabu. Eine unerlässliche Maßnahme der Konfliktentschärfung und Akzeptanzförderung wäre aus seiner Sicht der Einsatz von Herdenschutzhunden in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wolfspaar.

Gerichtspräsident: "Jeder dieser Fälle ist einzigartig"

Kauf und Unterhalt dieser Herdenschutzhunde seien einigen Schäfern aber zu teuer, hieß es aus dem Umweltministerium. Man wolle gerne noch mehr helfen, doch brauchten die Absprachen für solche Förderungen in Deutschland und der EU auch nun einmal ihre Zeit, sagte ein Ministeriumssprecher.

Laut Gerichtspräsident Obhues gibt es keine vergleichbaren Fälle, die für eine Entscheidung herangezogen werden könnten. "Jeder dieser Fälle ist einzigartig", erklärte er. Dabei gehe es etwa um die Höhe von Zäunen und welche Schäden in Zukunft zu erwarten seien. Hinzu komme das Problem, dass nicht versehentlich ein anderer Wolf abgeschossen wird. Obhues: "Es ist bei Tageslicht schon sehr schwierig zu entscheiden, ob es ein männlicher oder ein weiblicher Wolf ist. Und die Tiere treten meist in der Dämmerung auf."

Vielleicht löst sich die Sache ja auch ohne Schüsse: Einer norddeutschen Problemwölfin stellten die Jäger fast ein Jahr erfolglos in Schleswig-Holstein nach - bis das Tier eines Tages von ganz allein verschwand.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,epd,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Januar 2020 | 19:00 Uhr

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