Dach und Minarett fehlen Moschee-Bau in Erfurt-Marbach stockt

Der Bau der Moschee in Erfurt-Marbach geht langsamer voran als geplant. Nach Angaben der Ahmadiyya-Gemeinde verzögert er sich derzeit um zwei Monate. Zum einen seien die Auftragsbücher der Unternehmen voll und zum anderen gebe es Bedenken der Firmenchefs, beim Bau einer Moschee mitzuhelfen.

Sieben Monate ist es her, dass unter Polizeischutz der Grundstein für den ersten Moscheeneubau im Osten Deutschlands gelegt wurde. Die Wände sind inzwischen hochgezogen, einige Dachsparren aufgesetzt. Doch im künftigen Gebetsraum liegen sie noch auf dem Boden. Seit Wochen dreht sich auf der Baustelle in Erfurt-Marbach kein Rad.

Bauunternehmer befürchten Angriffe

Derzeit gibt es eine Bauverzögerung von zwei Monaten. Die Ahmadiyya-Gemeinde warte auf Baustoffe, sagt Suleman Malik, Sprecher der Gemeinde. Und er nennt noch ein weiteres Problem: "Einerseits sagen uns die Baufirmen, sie haben volle Auftragsbücher und lehnen deshalb den Auftrag ab. Andererseits fürchten sie aber auch Angriffe auf ihre Baufahrzeuge und Kollegen, wenn sie sich am Moscheebau beteiligen", so Malik. Die Unternehmer hätten Malik gegenüber solche Befürchtungen geäußert. Der zunehmende Rechtsruck schade so mittlerweile auch der Wirtschaft.

Handwerker aus der Region werden gebraucht

Bei welchen Bauunternehmen und Handwerkern die Ahmadiyya-Gemeinde angefragt hat, wollte Malik aus Datenschutzgründen nicht sagen. Die Handwerkskammer Erfurt sagte MDR THÜRINGEN, da die Gemeinde die Aufträge direkt mit den Unternehmen aushandle, sei nicht bekannt, ob es eine solche Auftragsanfrage gab oder nicht. Die Moschee wird von einem hessischen Generalunterunternehmen gebaut. Allerdings, so Malik, werden jetzt Elektriker und Sanitärfirmen aus der Region gebraucht. Einen Baustopp gebe es aber deswegen nicht. Das bestätigte auch eine Sprecherin der Stadt Erfurt.

Genehmigung für Schwerlasttransport fehlt

Trotz der Bauverzögerung hält die Ahmadiyya-Gemeinde am Einweihungstermin im Dezember 2019 fest. "Und wenn es doch später wird, dann ist es eben so. Das kennen doch viele vom eigenen Hausbau." So gibt es auch noch keinen Termin für die Kuppel und das Minarett. Wenn beides kommt, werde die Öffentlichkeit informiert. Gebaut werde die Kuppel in der eigenen Produktion der Ahmadiyya-Gemeinde. Probleme gibt es laut Malik auch mit der Genehmigung für den Schwerlasttransport, der die Dachsparren für den Gebetsraum liefern soll.

Glaubensfreiheit ist wichtiges Gut

Malik wünsche sich mehr Unterstützung von der Politik, um den Dialog zu fördern und dem Hass und der Ausgrenzung zu begegnen. Wenn Firmen Bauaufträge aus Angst vor Angriffen ablehnen, sei das ein Signal, auf das reagiert werden müsse, fordert Malik. Andererseits sei es aber auch ein gutes Zeichen, dass die Moschee überhaupt in Erfurt gebaut werde. "Das beweist doch auch, dass die Gesellschaft tolerant ist. Und Glaubensfreiheit gelebt wird."

Kein leichter Start

Für den ersten Moscheebau in Thüringen war im November 2018 der Grundstein gelegt worden. Seitdem gab es in Marbach Protestmärsche, waren Schweineköpfe auf das Gelände geworfen und Holzkreuze aufgestellt worden. Die Moschee wird Platz für 120 Gläubige bieten. Deutschlandweit will die Ahmadiyya-Gemeinde 100 Moscheen errichten, in Erfurt-Marbach entsteht Moschee Nummer 53. "Wenn sie fertig ist, kann sie sich jeder anschauen", lädt Malik ein.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorigen Version des Beitrags war davon die Rede, dass es sich um den ersten Moscheebau in den neuen Bundesländern handelt. Das ist nicht der Fall, da es bereits mit der Khadija-Moschee in Berlin-Pankow eine Ahmadiyya-Moschee in den neuen Ländern gibt. Wir haben den Beitrag entsprechend korrigiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Juni 2019 | 12:00 Uhr

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