Analyse Hier sind die Hochburgen der Parteien

Einst war Thüringen eine sichere Bank für die CDU. Doch die Union musste bei der Landtagswahl massive Einbußen hinnehmen. Wo konnte die CDU noch punkten? Wo wurde die AfD gewählt? Wer vertraut auf Links? Wo gewinnen Grüne und FDP? - Wo sind die Hochburgen der Parteien? Und wo schwächeln sie?

Ein Plakat der Demokratie-Offensive des Thüringer Landtags steht vor dem Thüringer Landtag
CDU, Linke, AfD, SPD, Grüne, FDP - jede Partei hat so ihre Hochburgen in Thüringen Bildrechte: dpa

Die Partei-Hochburgen nach Erststimmen

Bei der Landtagswahl 2014 gingen noch fast alle Direktmandate in Thüringen an die Christdemokraten. In diesem Jahr sind sie breiter unter den Parteien verteilt. In 21 Wahlkreisen gingen die Mandate an CDU-Kandidaten. Die Linke bekam in elf Wahlkreisen die meisten Erststimmen. Damit stellt die Linke nun in zwei Wahlkreisen mehr den direkt gewählten Landtagsabgeordneten. Ebenfalls elf Direktmandate gehen erstmals an die AfD. Das einzige Direktmandat für die SPD verteidigte Matthias Hey im Wahlkreis Gotha II.

Die Partei-Hochburgen nach Zweitstimmen

Eichsfeld bleibt in CDU-Hand

Bei den Zweitstimmen ging die Wahl taktisch zu. Das Eichsfeld im Thüringer Norden blieb die Hochburg der CDU, aber bescherte ihr gleichzeitig massive Verluste: 40,1 und 35,8 Prozent der Zweitstimmen in den beiden Wahlkreisen der katholisch geprägten Region bedeuten Verluste von mehr als 15 Prozentpunkten. Noch bei der Europawahl vor gut einem Jahr hatte das Eichsfeld die Hälfte des landesweiten Vorsprungs der CDU auf die AfD beigesteuert oder in früheren Jahren Ergebnisse deutlich jenseits der 60 Prozent. Die schwächsten Ergebnisse für die Christdemokraten kamen unverändert aus Wahlkreisen der Städtekette an der Autobahn 4. Der niedrigste Wert nicht zum ersten Mal aus der Universitätsstadt Jena mit 14,2 und 13,0 Prozent. Mit großem Abstand führt Gerstengrund im Wartburgkreis die CDU-Gemeinden-Hitliste an. Dort gewann die CDU die Wahl mit 82,9 Prozent.

Linke punktet in Städten und städtischen Landkreisen

Die Linke hatte die Wahl am Sonntag klar gewonnen. Für die Linkspartei lieferten der Suhler Wahlkreis mit 39,1 Prozent und zehn städtische Wahlkreise an der A4 und in Nordhausen mit Werten zwischen 33,4 und 37,8 Prozent die höchsten Ergebnisse. Schlusslichter waren traditionell die zwei Eichsfelder Wahlkreise, die aber vergleichsweise hohe 22,9 und 17,9 Prozent für die Partei einbrachten. Im Gemeinderanking hat die Landstadt Oberhof die Hochburg-Krone auf. Die Stadt im Thüringer Wald bringt es auf 44,3 Prozent der Zweitstimmen für die Linke.

Ostthüringen ist AfD-Hochburg

Von den besten acht Wahlkreisergebnissen der AfD in Sachen Zweitstimme stammen sieben aus Ostthüringen und der Spitzenwert erneut aus Gera mit 29,9 Prozent. Unter 15 Prozent liegen die beiden Jenaer Wahlkreise sowie je ein Wahlkreis aus Erfurt und Weimar. Auf den Wahlkarten erscheint Paska im ostthüringischen Saale-Orla-Kreis tiefblau: In der Gemeinde haben fast 63 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen bei der AfD gesetzt.

SPD punktet dank kommunalpolitischen Größen in Gotha

Die Thüringer SPD rutschte auf einen neuen Tiefstand von gesamt 8,2 Prozent (im Vergleich zu 2014: 12,4 Prozent) ab. Zweistellige Ergebnisse konnten die Sozialdemokraten mit 16,4 und 10,1 Prozent nur noch in den zwei Gothaer Wahlkreisen einfahren, wo Fraktionschef Matthias Hey auch das einzige SPD-Direktmandat holte, den zwei Wahlkreisen von Schmalkalden-Meiningen und einem Erfurter Wahlkreis. Regionen, in denen sie kommunalpolitisch vergleichsweise stark sind. SPD-Schlusslicht war ein Eichsfelder Wahlkreis mit 5,8 Prozent. In der Gemeinde Holzsußra im Kyffhäuserkreis konnten die Sozialdemokraten sogar vergleichsweise hohe zweistellige Werte für sich verbuchen. Dort sammelten sie 22,8 Prozent der Zweitstimmen.

Grüne und FDP können sich auf Jena verlassen

Die Grünen kamen - betrachtet man die Wahlkreise - außer in ihren traditionellen Hochburgen zwischen Erfurt und Jena nicht auf zweistellige Zahlen. Spitzenreiter bleibt ungeschlagen die Universitätsstadt an der Saale mit 16,3 Prozent (WK Jena I). Nur in fünf weiteren überwiegend städtischen Wahlkreisen kamen die Grünen auf mehr als fünf Prozent. Im Saale-Orla-Kreis, Kyffhäuserkreis und Altenburger Land standen Ergebnisse unter drei Prozent zu Buche. Beim Blick auf die Gemeinden ist Schönhagen in der Verwaltungsgemeinschaft Uder im nordthüringischen Landkreis Eichsfeld die Hochburg der Grünen. Dort stehen 21,3 Prozent auf dem Auswertungszettel.

Jena brachte auch für die - bis zur letzten Minute um den Landtagseinzug zitternde - FDP die besten Ergebnisse ein. Und das nicht zum ersten Mal. Im Wahlkreis Jena I kamen die Liberalen auf 7,9 und im Wahlkreis Jena II auf 7,5 Prozent der Zweistimmen. In der Saalestadt stellt die Partei zum zweiten Mal nach den 1990er-Jahren wieder den Oberbürgermeister. Weniger als 3,5 Prozent gab es für die FDP nur im Wahlkreis Sonneberg I mit 2,7 Prozent. In einigen Gemeinden kamen die Liberalen sogar in zweistellige Prozentbereiche. Als FDP-Hochburg kann man da Göllnitz im Landkreis Altenburger Land bezeichnen – dort vereinte die FDP 20,7 Prozent der Zweitstimmen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mam, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

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