Ski Nordisch | Junioren-WM in Oberwiesenthal Skisprung-Cheftrainer Klumpp: Junioren-WM als Zwischenziel für Olympia

Die deutschen Skispringer gehen mit hohen Erwartungen in die anstehende Junioren-WM in Oberwiesenthal. Christoph Klumpp, Cheftrainer des deutschen Skisprung-Nachwuchses, spricht im großen Interview über die Schanze, Medaillenfavoriten - und darüber, was sein Team besser macht als einst Jens Weißflog.

Christoph Klumpp, Cheftrainer Nachwuchs Skispringen Deutscher Skiverband
Christoph Klumpp, Cheftrainer Nachwuchs-Skispringen im Deutschen Skiverband Bildrechte: Deutscher Skiverband

Frage: Wenn Sie der anstehenden JWM eine Überschrift aus Sicht der Skispringer geben müssten. Welche wäre das?

Christoph Klumpp: "Ich würde den positiven Spirit in unserer Mannschaft betonen. Die Vorfreude ist sehr groß. Alle sind heiß und motiviert. Es freuen sich alle auf die JWM im eigenen Land."

Christoph Klumpp: "Ja, das ist richtig. Einen richtigen Heimvorteil haben wir nicht. Heimvorteil würde bedeuten, dass man längere Zeit vorher auf der Schanze trainieren kann. Das war leider nicht möglich. Das lag an den Problemen mit dem Lift, aber auch am Wetter. Wir wollten in der vergangenen Woche noch einmal oben trainieren, das war aber leider nicht möglich. Aber wir sind jetzt in Oberstdorf und trainieren hier."

Oberstdorf ist nicht Oberwiesenthal. Wie würden Sie die Besonderheiten der Schanze in Oberwiesenthal beschreiben? Was macht diese Schanze aus? Wem kommt diese Schanze besonders entgegen?

Tom Gerisch
Lokalmatador Tom Gerisch. Bildrechte: imago images / Gerhard König

Christoph Klumpp: "Oberwiesenthal hat sich modernisiert. Der Radius ist homogener geworden. Die Schanze orientiert sich an modernen Anlagen wie auch bespielsweise Oberstdorf. Oberwiesenthal ist keine ausgefallene Schanze. Der Wind könnte aber ein Thema werden, die Schanze ist windanfällig. Ich denke, dass die Anlage unseren Spezialspringern sehr entgegenkommen wird. Und mit Tom Gerisch haben wir einen Springer aus Oberwiesenthal dabei, der die Schanze sehr gut kennt. Das ist seine Heimschanze."

Bei Normalschanzen kommt es ja eher darauf an, einen guten und explosiven Absprung zu haben …

Christoph Klumpp: "Genau. Und das bringen unsere Sportler mit. Ich mag die Schanze in Oberwiesenthal. Ich glaube, die wird uns liegen."

Auf wen aus Ihrem Team sollte man ein besonderes Augenmerk legen?

Luca Roth
Luca Roth durfte bereits bei der Vierschanzentournee ran. Bildrechte: dpa

Christoph Klumpp: "Bei den jungen Männern haben wir Luca Roth aus Baden-Württemberg dabei, er war dieses Jahr bei der Vierschanzentournee dabei und hat es dort auch den zweiten Wertungsdurchgang geschafft. Dann noch Philipp Raimund aus Oberstdorf, er war auch bei der Vierschanzentournee dabei. Beide haben schon Weltcuperfahrung und haben zuletzt im Continentalcup in Predazzo Platz sechs und acht erreicht. Beide waren auch schon bei der Junioren-WM im vergangenen Jahr dabei."

Und bei den Frauen?

Selina Freitag beim Gitarre spielen. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sa 22.02.2020 21:45Uhr 02:55 min

https://www.mdr.de/sport/ski-nordisch-junioren-wm/video-selina-freitag-die-skisprung-medaillenhoffnung-mit-der-gitarre-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Christoph Klumpp: "Der Frauen-Wettkampf wird mit Sicherheit richtig spannend. Im internationalen Feld gibt es sehr viele Weltcup-Springerinnen, die auch bei der Junioren-WM starten dürfen. Das Niveau schätze ich hier extrem hoch ein. Unsere Selina Freitag, die in diesem Jahr bereits im Weltcup zweimal in den Top 20 war, ist mit Sicherheit eine sehr gute Springerin. Außerdem ist Lilly Kübler zu nennen, die in diesem Winter bereits Podestplätze im Continentalcup hatte, zuletzt in Brotterode. Auch ihr traue ich einiges zu."

Wo sehen Sie Medaillenchancen für Ihr Team?

Christoph Klumpp: "Auf jeden Fall in den Mannschaftswettkämpfen. Aber auch im Einzel. Optimistisch bin ich auch, was den Mixed-Wettkampf betrifft."

Was macht eine Heim-WM aus?

Christoph Klumpp: "Das Größte ist, wenn man heimische Fans vor Ort hat. Das macht viel aus. Dass die Stimmung vor Ort hochkocht, wenn ein Deutscher am Start ist. Wenn die Sportler zum Wettkampf fahren und sehen schon überall die deutschen Fahnen – das gibt eine zusätzliche Motivation. Außerdem ist vieles vertrauter – von der Schanze über den Kraftraum bis zum Hotel. Das Vertrauen ist wichtig, dann können Automatismen greifen."

Die Oberwiesenthaler Skisprung-Legende Jens Weißflog sprach kürzlich davon, dass er in seinen Junioren-Zeiten eher ein Trainings-Weltmeister war, weil er im Wettkampf seine Aufregung nicht gut im Griff hatte. Wir gelingt es Ihnen denn, Ihre Springer mental auf so eine Großveranstaltung vorzubereiten?

Christoph Klumpp: "Mit Sicherheit über Erfahrung. Daher ist es immer von Vorteil, wenn man nicht seine erste JWM erlebt. Wir versuchen zudem, mit einer Fokussierung eine bestimmte, für die JWM produktive, Stimmung herzustellen. Da haben wir ein paar Tricks, die ich aber jetzt nicht verrate ... (lacht)."

Was sollte bei der JWM passieren, damit Sie danach rückblickend sagen, es war eine gute WM?

Christoph Klumpp: "Umso besser unsere Sportler platziert sind, umso besser ist die Ausgangsposition für später. Von daher freuen wir uns über Medaillen. Wichtig ist vor allem, dass wir im Team gut abschneiden. Eine Medaillenvorgabe gibt es aber nicht. Der Weg nach oben ist weit. Ziel ist immer, im Weltcup, bei Weltmeisterschaften und bei Olympia anzukommen. Die JWM ist ein Zwischenziel, den Blick nach oben dürfen wir aber nie vergessen."

Vielen Dank für das Interview

Mit Christoph Klumpp sprach Dirk Hofmeister.

Über dieses Thema berichtet der MDR ab 29. Februar 2020 täglich bei MDR Aktuell und MDR Aktuell - Das Nachrichtenradio. MDR | täglich 29.02. bis 08.03.2020 |

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 01. März 2020 | 16:30 Uhr

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