Ski Nordisch | Junioren-WM in Oberwiesenthal Langläufer Janosch Brugger - Geheimrezept Nichtstun

Eine Saison zum Abhaken – so verlief der Winter für Langläufer Janosch Brugger bisher. Die verpasste 15-km-Medaille von Oberwiesenthal scheint sich da nahtlos einzureihen. Doch Brugger gibt der vierte Platz Hoffnung und Selbstvertrauen – in eine neue Stärke, an der auch der FC Bayern so seinen Anteil hatte.

Janosch Brugger
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Der Franzose Hugo Lapalus war gerade ins Ziel gekommen, als Vorletzter Starter im 15-Kilometer-Klassik-Rennen der U23-Langlauf-WM in Oberwiesenthal. Janosch Bruggers Enttäuschung war deutlich zu hören und zu sehen. Mehr als deutlich. Ein verzweifelter Blick in den Himmel, minutenlanges eher wenig erfolgreiches Verbergen des frustrierten Gesichtes hinter zwei dünnen Langlauflatten. Und schließlich am MDR-Mikrofon: "Der vierte Platz ist scheiße". Gerade noch hatte Brugger auf dem dritten Medaillenplatz gelegen, dann schnappte Lapalus ihm das Bronze um 4,5 Sekunden weg. Um winzige 4,5 Sekunden. Nach 15.000 Metern auf Ski fehlten rund 30 Meter zur Medaille.

Körperlich fit – aber Bremse im Kopf

Der Podestplatz hätte die Entschädigung für eine mehr als durchwachsene Saison sein können. Eine Saison, in der der Schwarzwälder zumeist auf Platzierungen zwischen Rang 40 und 60 landete - und damit weit entfernt von den eigenen Erwartungen. "Insgesamt waren die Wettkämpfe kacke", so die kurze und prägnante Einschätzung des Junioren-Sprint-Weltmeisters von 2017. In Saison eins nach seinem sensationellen ersten Weltcupsieg im Dezember 2018 in Lillehammer wollte sich Brugger in der erweiterten Weltspitze festsetzen. Die Vorbereitung im Sommer lief flüssig, die Trainings auch während der Saison waren gut, Brugger fühlte sich körperlich fit. "Doch in den Wettkämpfen konnte ich das nicht umsetzen. Und dann wollte ich es mit der Brechstange und blockierte komplett." Nach einem 55. Rang Mitte Januar in Nove Mesto zog er in Absprache mit seinen Trainern die Bremse - raus aus dem Weltcup. An alles andere denken, bloß nicht ans Langlaufen.

Enttäuschung bei Janosch Brugger
Erste Enttäuschung nach dem 4. Platz Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

"Mal ein Bier getrunken und Bundesliga geschaut"

Während seine Teamkollegen beim Heimweltcup in Oberstdorf um Weltcuppunkte liefen, legte Brugger die Füße zur verordneten Zwangspause hoch. "In Oberstdorf zu fehlen, das war nicht schön. Aber die Erfahrung war wichtig. Es ging darum, den Kopf freizukriegen und neue Energie zu tanken." Mit zwei Kumpels "habe ich zusammengehockt, mal ein Bier getrunken, Bundesliga geschaut, was komplett anderes gemacht. Zum Glück haben die Bayern in der Zeit auch noch gewonnen", lacht der bekennende FC-Bayern-Fußballfan. Die Taktik ging auf, parallel zur Rückkehr der Bayern zu alter Dominanz löste sich auch bei Brugger die Bremse im Kopf.

Andreas Schlütter: "Brugger, wie ich ihn sehen will"

Er gewann bei seinem Comebackrennen Anfang Februar die deutsche Junioren-Meisterschaft, kam frisch und selbstbewusst zur Junioren-WM. Eine Entwicklung, die auch Andreas Schlütter, der sportliche Leiter der Skilangläufer beobachtet hat. Und so lobt Schlütter trotz der verpassten Medaille: "Ich habe heute den Janosch Brugger gesehen, wie ich ihn kenne und sehen will. Das war der Janosch, der leistungsfähig ist und der einen Weltcupsieg geholt hat."

Zeit für ein Happy End?

Eine halbe Stunden nach Rennende war auch bei Brugger der erste Frust verflogen. "Ja, gratulieren, bitte, auf alle Fälle", so der Wunsch des knapp Geschlagenen. "Ich habe heute das beste Distanzrennen der Saison gemacht. Von daher ist alles gut." Gut, aber noch nicht vorbei, denn "ich bin schon zur JWM gefahren, um eine Medaille zu holen". Die beste Chance dazu hat er in der Mixed-Staffel am Samstag - für diesen Einsatz ist er gesetzt. Ebenfalls denkbar, dass er auch am Donnerstag im Massenstartrennen über 30 Kilometer an den Start geht. Nach Rang sieben im U23-WM-Sprint und Rang vier über 15 Kilometer liegt irgendwie ein Happy End in der Luft.

Die Bilder vom vierten Wettkampftag

Antonia Fräbel
Antonia Fräbel läuft als beste Deutsche auf Rang sechs. Schon vor dem Rennen machen die Bedingungen ihr Sorgen. "Ich konnte mich nicht entscheiden, welchen Ski ich nehme", sagt sie nach dem Wettkampf. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Antonia Fräbel
Antonia Fräbel läuft als beste Deutsche auf Rang sechs. Schon vor dem Rennen machen die Bedingungen ihr Sorgen. "Ich konnte mich nicht entscheiden, welchen Ski ich nehme", sagt sie nach dem Wettkampf. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Siegerinnen Ribom, Anderson und Johansen
Jubeln können am Ende wieder einmal die Skandinavierinnen: Schwedens Ebba Andersson wird Weltmeisterin vor Marte Maehlum Johansen aus Norwegen und Sprint-Siegerin Emma Ribom. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Ebba Andersson
Vergangenes Wochenende wurde Ebba Andersson beim Weltcup in Lahti Zweite über die zehn Kilometer. In Oberwiesenthal gelingt ihr nun der Sieg. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Enttäuschung bei Janosch Brugger
Der Schwarzwälder ist enttäuscht, die anderen waren einfach zu stark. "Man weiß, dass die Konkurrenz weltklasse ist", sagt er. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Emma Ribom
Die Schwedinnen laufen ein extrem starkes Rennen. Sprint-Siegerin Emma Ribom holt sich die nächste Medaille und wird im Klassik-Wettkampf Dritte. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Celine Mayer
Celine Mayer kämpft mit Materialproblemen. Sie wählt eine No-Wachs-Variante für ihre Ski. Bei Neuschnee auf der Strecke ist das die falsche Entscheidung, wie sie selbst sagt. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Julia Richter
Auch Julia Richter kommt mit den schwierigen Bedingungen nicht zurecht. "Es ging heute einfach beschissen", sagt sie später. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Enttäuschung bei Janosch Brugger.
Bei den Herren läuft es besser, aber auch nicht perfekt: Janosch Brugger bleibt am Ende der undankbare vierte Platz. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Josef Fässler
Für Josef Fässler steht am Ende Rang 14 zu Buche. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Richard Leupold
Richard Leupold wird in der Gesamtabrechnung 20. Das Rennen bewertet er aber als "nicht schlecht." Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Florian Knopf
Für Florian Knopf aus Bernau reicht es am Ende zu Rang 36. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Sergej Ardaschew
Neuer Juniorenweltmeister ist der Russe Sergej Ardaschew. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
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Über dieses Thema berichtet der MDR ab 29. Februar 2020 täglich bei MDR Aktuell und MDR Aktuell - Das Nachrichtenradio. MDR | täglich 29.02. bis 08.03.2020 |

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