Ski Nordisch | Junioren-WM in Oberwiesenthal US-Sprinterin Kern - der Gummibärchen-Trick und die Oma aus dem Erzgebirge

Die Bronzemedaille für US-Langläuferin Julia Kern ist die erste richtige Feelgood-Story der Junioren-WM. Tragende Rollen in dem Stück: Der Fichtelberg und die Oma aus dem Erzgebirge.

Julia Kern (USA) bei Fans nach dem beim Langlauf-Sprint U23.
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Die US-Skilangläufer haben bei der Nachwuchs-WM in Oberwiesenthal ihre erste Medaille gewonnen - Julia Kern sprintete am Sonntag (01.03.2020) zu U23-Bronze. Und ein ganz wenig schimmert durch die Bronzemedaille auch das Erzgebirge durch. Denn genau genommen hat Julia Kern die Medaille auf ihrer Heimstrecke gewonnen.

Erste Rutscher beim Weihnachtsurlaub am Fichtelberg

Das Skifahren lernte die 22-Jährige aus der Nähe von Boston an der Ostküste der USA nicht in Massachusetts, sondern am Fichtelberg. Nur wenige Kilometer vom Oberwiesenthaler Skistadion entfernt machte sie ihre ersten noch tapsigen Rutscher auf Skiern. "Damals konnte ich kaum Laufen, meine Oma und mein Opa haben mir aber schon die Skier unter die Füße geschnallt", erzählt Kern. Weihnachten 2000 oder 2001 muss das gewesen sein, auf dem jährlichen Weihnachtsurlaub im Erzgebirge. Ein paar Jahre vor Kerns Geburt waren die Eltern in die USA ausgewandert. Mutter und Vater von Kern stammen aus Halle/Saale und waren als promovierte Biochemiker nach dem Ende der DDR arbeitslos geworden. Den Job fanden beide schließlich an der renommierten Universität von Kalifornien in Berkeley.

Skilangläuferin Julia Kern (USA) bei der U23-WM in Oberwiesenthal
Julia Kern (USA): Konnte kaum Laufen ..." Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Talent von der Oma entdeckt - und gefördert

"Ich habe gemerkt, dass sie ein Langlauf-Naturtalent ist, da war sie noch ganz klein", erzählt Oma Gertraude Hübner nach dem Sprintfinale von Oberwiesenthal strahlend und nicht ohne Stolz. "Bei den Anstiegen sagte sie immer: 'Oma, ich kann nicht mehr'. Da sagte ich: 'Du musst kleinere Schritte machen und Dich abdrücken.' Den Dreh hatte sie ziemlich schnell raus und dann kam ich nicht mehr hinterher", lacht Hübner. Kern lacht auch. "Es ist richtig cool, hier zu sein, wo ich Skifahren gelernt habe." An die ersten Langlaufeinheiten mit den Großeltern hat sie aber etwas abweichende Erinnerungen. Gummibärchen-Erinnerungen. "Wenn wir mit Oma und Opa auf Ski unterwegs waren, hatten sie immer Tee und Gummibärchen dabei. Und dann haben sie mich und meine Schwester gelockt: 'Wenn Du es bis hierher schaffst, bekommst Du ein Gummibärchen.' So sind wir vorangekommen."

Skilangläuferin Julia Kern (USA) bei der U23-WM in Oberwiesenthal
Julia Kern (re.) mit Oma (2.v.r.) und Opa (li.). Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Top-Talent mit vielen Rückschlägen

Heute zählt Kern zu den Top-Talenten im US-amerikanischen Langlauf-Team. Im Dezember feierte sie mit Rang drei beim Sprint in Ruka ihr erstes Weltcup-Podest. Bei der WM 2019 in Seefeld wurde sie Fünfte mit der Staffel, bei der Junioren-WM 2017 gewann sie bereits Staffel-Bronze, zudem ist sie aktuelle US-amerikanische Sprint-Meisterin. Und trotzdem ist es nicht ganz selbstverständlich, dass Kern bei der Junioren-WM auf den gefühlt-heimischen Gefilden am Fichtelberg überhaupt am Start ist. Immer wieder warfen sie Verletzungspausen zurück.

Optimismus als Wesenseigenschaft

Erst im Herbst musste sie sich einer Ellenbogen-Operation unterziehen, zu Saisonbeginn laborierte sie an einer Beinverletzung, dann musste sie beim ersten Saisonhöhepunkt, der Tour de Ski, infektbedingt aussteigen. "Ich habe noch nicht herausgefunden, warum ich so anfällig für Verletzungen bin", sagt Kern nachdenklich. Kurz mischt sich in die energiegeladene Stimme etwas Zweifel. Dann kehrt bei Kern der Optimismus zurück: "Ich trainiere einfach nicht so viel. Und wenn ich trainiere, dann mit ganz hoher Qualität. Und jedes Mal, wenn ich Rennen laufen darf, mache ich das mit Extra-Spaß." Die Oma unterstreicht diese optimistische Charaktereigenschaft: "Sie sieht immer das Positive. Als sie bei der Tour de Ski krank wurde und ausscheiden musste, rief sie mich an und sagte: 'Oma, das macht nichts. Da habe ich mehr Zeit für Euch.'"

Fortsetzung folgt …?

Die Bronzemedaille für Kern ist die erste richtige Feelgood-Story der Junioren-WM. Und es könnte Fortsetzungen geben. Kern will bei den noch ausstehenden zwei U23-Rennen am Start stehen und hofft zudem auf einen Einsatz in der Staffel. Denn am schönsten ist das Langlaufen doch immer noch auf der Heimstrecke.

Die besten Bilder vom zweiten Wettkampftag der Junioren-WM

Viertelfinalimpression beim Langlauf-Sprint U23
Zweiter Tag der Nachwuchs-WM in Oberwiesenthal - am Sonntag standen die U23-Sprint-Rennen auf dem Programm. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Viertelfinalimpression beim Langlauf-Sprint U23
Zweiter Tag der Nachwuchs-WM in Oberwiesenthal - am Sonntag standen die U23-Sprint-Rennen auf dem Programm. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Schneetreiben beim Langlauf-Sprint U23
Nach dem Nebel von Samstag hatte der Fichtelberg diesmal dichten Schneefall - und später auch Sonne im Angebot. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Coletta Rydzek (Deutschland / Oberstdorf) im Viertelfinale beim Langlauf-Sprint U23
... Coletta Rydzek aus Oberstdorf ... Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Richard Leupold (Deutschland / Dresden) (li.) beim Fotofinish im Halbfinale beim Langlauf-Sprint U23
... die Lucky-Loser-Wertung im Halbfinale sogar bis ins Finale. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Janosch Brugger (Deutschland / Schluchsee) enttäuscht beim Langlauf-Sprint U23
Im Halbfinale schied er dann aber enttäuscht als knapper Dritter seines Laufes aus. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Top 3 Frauen - Ribom, Hagström, Kern
So durften die beiden Schwedinnen Ribom und Hagström sowie Kern den berühmten Siegerinnensprung springen. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Jubel von Emma Ribom (Schweden) (Mitte) im Finale vor Johanna Hagstroem (Schweden) beim Langlauf-Sprint U23
Und wie bei den U20-Rennen am Samstag kam die Siegerin aus Schweden - Emma Ribom (links) jubelt vor Landsfrau Johanna Hagström und Julia Kern aus den USA. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Vebjörn Hegdal (Norwegen) (li.) siegt vor Harald Østberg Amundsen (Norwegen) und Mattia Armellini (Italien) beim Langlauf-Sprint U23.
Und bei den Männern kam der Sieger erneut aus Norwegen. Am Sonntag fuhr Vebjoern Hegdal als Erster über die Ziellinie. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Julia Richter (Deutschland/Sayda) (li.) im Viertelfinale u.a. mit Emma Ribom (Schweden) (re.) beim Langlauf-Sprint U23
Die deutschen Athleten und Athleten erwischten einen guten Tag - der aber ohne Sahnehäubchen blieb. Alle sieben Starter schafften es in die Viertelfinals. Dort schied aber Julia Richter aus Sayda (li.) ebenso aus ... Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Alexandra Danner (Deutschland/Lenggries) beim Langlauf-Sprint U23
... wie Alexandra Danner aus Lenggries, in der Qualifikation als 14. noch beste Deutsche, ... Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Josef Fässler (Deutschland / Scheidegg) beim Langlauf-Sprint U23
... oder Josef Fäßler aus Scheidegg. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Richard Leupold (Deutschland / Dresden) (li.) und Jules Chappaz (Frankreich) beim Langlauf-Sprint U23
Richard Leupold (li.) musste in seinem Viertelfinale Nerven behalten. Zweimal löste der Quali-Sieger Jules Chappaz aus Frankreich (re.) einen Fehlstart aus. Chappaz wurde disqualifiziert ... Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Richard Leupold (Deutschland / Dresden) beim Langlauf-Sprint U23
... und Leupold schaffte es über das Viertelfinale und ... Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Janosch Brugger (Deutschland / Schluchsee) (2.v.l.) im Viertelfinale beim Langlauf-Sprint U23
Gut unterwegs bis ins Halbfinale war auch Janosch Brugger (li.), der seine Rennen taktisch klug lief. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Antonia Fräbel (Deutschland/Asbach) beim Langlauf-Sprint U23
Dem Schneefall und den wechselnden Bedingungen trotzte dagegen Antonia Fräbel. Bis ins Finale führte der Weg der Läuferin vom WSV Asbach. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Umarmung von Julia Kern (USA) (re.) und Antonia Fräbel (Deutschland / Asbach) (li.)
Im Finale blieb der Thüringerin aber nur, den anderen zu gratulieren, hier der US-Läuferin Julia Kern (re.). Fräbel wurde Final-Sechste. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
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Über dieses Thema berichtet der MDR ab 29. Februar 2020 täglich bei MDR Aktuell und MDR Aktuell - Das Nachrichtenradio. MDR | täglich 29.02. bis 08.03.2020 |

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 01. März 2020 | 16:30 Uhr

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