Ski Nordisch | Junioren-WM in Oberwiesenthal DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger - "Große Breite in der Spitze"

Die Junioren-WM in Oberwiesenthal ist Geschichte. Mit Karin Orgeldinger ziehen wir im großen Interview Bilanz - zu den sportlichen und organisatorischen Leistungen am Fichtelberg.

Junioren-WM A bis Z
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Frage: Mit der Nordischen Junioren-WM und der U23-Langlauf-WM hat Oberwiesenthal die vergangenen neun Tage die bedeutendste sportliche Großveranstaltung seiner Geschichte ausgerichtet. Wie gut hat Oberwiesenthal den Job gemacht?

Karin Orgeldinger: Gleichzeitig mit der Bewerbung für die Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf wollten wir von Beginn an Oberwiesenthal als Standort für die Junioren-WM. Für uns hat es einen Mehrwert, dass wir an einen kleineren, aber wichtigen Ort mit Stützpunkten die entsprechenden Sportstätten und Trainingsbedingungen verbessern können. Dazu brauchen wir solche Großereignisse. Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit der Junioren-WM. Mit 43 Mannschaften musste ein großes organisatorisches Volumen bewältigt werden. Oberwiesenthal hat die JWM mit viel Engagement und viel Liebe zum Detail zu einer ganz eigenen, besonderen Junioren-WM gemacht.

War das eine Bewerbung für größere Veranstaltungen? Oder, was fehlt noch, um das nächst höhere Level zu erreichen?

Karin Orgeldinger: Das war ein erster Schritt. Wir können uns gut vorstellen, auch andere Veranstaltungen hier durchzuführen. Für einen Weltcup ist es aktuell noch zu früh, weil wir zum Beispiel gewisse Transportkapazitäten gewährleisten müssen, was noch nicht gegeben ist. Aber das Organisationsteam hat die Junioren-WM auf einem hohen Niveau durchgeführt. Auch die enge Zusammenarbeit mit Klingenthal hat sich bewährt. Deshalb liegt es uns als Verband sehr am Herzen, dass dieses tolle Team so zusammenbleibt.

Der neu gebaute Tunnel an der Skischanze hat eine besondere Bedeutung ...

Karin Orgeldinger: Ja, der Tunnel war eine Grundvoraussetzung, dass wir eine Junioren-WM durchführen konnten. Mit dem Tunnel können wir jetzt Winterwettbewerbe veranstalten. Vorher war es nicht möglich, auf dem Straßenweg zur Schanze zu fahren, da dort eine Alpinpiste ist, die von Skifahrern genutzt wird.

Zur sportlichen Bilanz. Die Langläufer haben stark begonnen und gleich zum Auftakt Medaillen geholt. Gegen Ende ging dann - auch mit etwas Pech - die Luft aus. Wie würden Sie das Auftreten der Junioren und der U23 einschätzen?

Karin Orgeldinger: Wir wollten vorn mitmischen. Auch, weil wir durch die Strecken und Zuschauer einen Heimvorteil hatten. Die ersten drei, vier Tage waren hervorragend. Das hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir hatten uns aber auch eher inhaltliche Ziele gesetzt. Für jeden Athleten und jede Athletin gab es individuelle Vorgaben. Dass zum Ende der WM die ganz großen Erfolge gefehlt haben, ist wohl auch auf fehlende Erfahrung zurückzuführen. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber wir sind noch nicht angekommen. Mit Blick auf die Nordische Ski-WM im kommenden Jahr geht es jetzt im nächsten Schritt darum, den einen oder anderen Athleten weiter an die Weltspitze heranführen.

Aus dem deutschen Langlaufteam haben sich hier in Oberwiesenthal ein halbes Dutzend an Athleten mit Medaillen oder Top-6-Ergebnissen hervorgetan. Denken Sie an dieses Sextett mit Maxim Cervinka, Janosch Brugger, Antonia Fräbel, Friedrich Moch, Richard Leupold und Lisa Lohmann bei Oberstdorf 2021?

Karin Orgeldinger: Das sind sicher Athleten, die wir auf der Liste haben. Aber wenn es bei dem einen oder anderen dann doch nicht mit einer Nominierung für Oberstdorf 2021 klappen sollte, dann brauchen diese Athletinnen und Athleten wirklich nicht verzweifeln. Sie haben ja alle noch die Zukunft vor sich. Im Langlauf ist das Höchstleistungsalter ohnehin erst relativ spät. Aber unsere Philosophie ist schon, dass man junge Athleten auch mal zu einem Großereignis mitnimmt, auch wenn sie vielleicht nicht die komplette Qualifikation haben. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass wir die genannten Namen im kommenden Jahr auch in Oberstdorf sehen.

In der Nordischen Kombination hat Jenny Nowak die einzige Goldmedaillen für das deutsche Team gewonnen. Zudem gab es eine Medaille im erstmals ausgetragenen Mixed-Wettbewerb. Die Männer haben dagegen keine Einzel- und keine Staffel-Medaille gewonnen. Frauen top, Männer flop?

Karin Orgeldinger: Das würde ich so nicht unterschreiben. Eine Junioren-WM ist immer eine Momentaufnahme. Wir sind sicher mit höheren Erwartungen angereist. David Mach hatte zum Beispiel im Team einen sehr guten Sprung. Wir hatten mit den Bedingungen hier zu kämpfen. Wir haben über die Jahre bewiesen, dass gerade im Juniorenbereich die Athleten schnell den Anschluss nach oben geschafft haben. Ich denke da an Julian Schmid, der letztes Jahr Junioren-Weltmeister war und jetzt oben mitmischt. Wir wissen aber auch, dass die Konkurrenz nicht schläft. Das Niveau ist insgesamt enorm hoch, das hat man auch bei der JWM gesehen. Bei den Frauen haben wir mit Jenny einen tollen Erfolg gefeiert. Im Frauenbereich wird in den kommenden Jahren die Post richtig abgehen.

Die jungen Kombinierer-Frauen standen erstmals neben der Jugend-Olympia so richtig im Licht der Öffentlichkeit. Wie haben die jungen Frauen die WM erlebt?

Karin Orgeldinger: Frauen und Trainer haben die JWM sehr gut aufgenommen. Unsere Philosophie ist hier ja, dass die Landesskiverbände viel in Eigenregie agieren können. Das haben sie sehr gut umgesetzt. Wir haben hier Athletinnen am Start, die sehr Potential mitbringen. Deutschland hat sich von Beginn an auch dafür eingesetzt, die Nordische Kombination der Frauen ins WM-Programm in Oberstdorf mit aufzunehmen.

Die Kombi-Männer haben eine Einzelmedaille und damit gewissermaßen auch die Eintrittskarte in den Weltcup verpasst. Haben die NoKo-Männer einen Schritt zurück gemacht?

Karin Orgeldinger: Unsere Kaderkriterien berücksichtigen nicht nur eine Medaille, sondern die gesamte Saison. Insofern bleiben die Athleten im Anschlussbereich. Wenn sie in ihrer persönlichen Entwicklung den nächsten Schritt gehen, haben sie auch Chancen auf den Weltcup.

Wir haben den Mixed-Wettkampf bei der Junioren-WM in allen Disziplinen gesehen, erstmals in der Nordischen Kombination und im U23-Langlauf – und immer ging es spannend zu. Hat sich das Mixed im Nordischen Skisport komplett durchgesetzt?

Karin Orgeldinger: Absolut. Wir alle finden dieses Format super. Man sieht das auch an den Zuschauern, die begeistert sind. Das hat auch für uns in den Trainerteams eine ganz spezielle Atmosphäre. Die Trainer nominieren gemeinsam. sie tauschen sich inhaltlich aus. Das ist eine Win-Win-Situation. Ich verstehe nur nicht, warum wir das bei den Langläufern im Junioren-Bereich noch nicht umgesetzt haben. Ich hoffe, dass die FIS hier nachzieht im kommenden Jahr die Entscheidung für das Mixed trifft.

Im Skispringen reist das deutsche Team mit zwei Team-Medaillen aber ebenfalls ohne Einzelmedaille ab. Wie fällt da das Fazit aus?

Karin Orgeldinger: Bei den Skispringern sind wir mit großen Erwartungen angereist, mit Luca Roth haben wir einen Athleten, der schon im Weltcup war. Insgesamt haben unsere Sportler gute Anschlussleistungen gebracht. Warum wir das nicht in eine Medaille umsetzen konnten, müssen jetzt die Trainer bewerten. Mit den Team-Medaillen haben wir aber gezeigt, dass wir eine große Breite in der Spitze haben.

Bei der Junioren-WM im vergangenen Jahr gab es neun Medaillen. An diesen neun Medaillen sollte sich auch in diesem Jahr orientiert werden. Letztlich sind es bei der Heim-WM acht Medaillen geworden. Wie fällt Ihr sportliches Gesamt-Fazit aus?

Karin Orgeldinger: Da muss ich etwas zurückblicken. Bei der JWM vor zwei Jahren hatten wir im Nachwuchs ein schlechtes Ergebnis (fünf Medaillen, davon eine Einzelmedaille, d.Red.). In Lahti und in diesem Jahr konnten wir zulegen. Von daher sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Eine Heim-WM ist immer eine besondere Situation für die Athleten. Unsere Bewertung bezieht sich auch nicht auf die Medaillen, sondern darauf, wie Ergebnisse zustande gekommen sind. Eine Junioren-WM soll ein Übergangsschritt für eine Entwicklung sein, die sich im langfristigen Leistungsaufbau zeigt. Insofern sollten wir die Medaillen nicht überbewerten. Wir haben in allen Sportarten noch einmal die Konzepte angepasst. Die Cheftrainer Nachwuchs werden in diesem Jahr die gesamte Zeit bei der Cheftrainerklausur dabei sein. Nachwuchs- und Spitzenbereich sollen noch besser zusammen arbeiten. Norwegen und Österreich sind international sehr stark unterwegs. Da wollen wir den Anschluss nicht verpassen.

Vielen Dank für das Gespräch

Mit Karin Orgeldinger sprach Dirk Hofmeister.

Über dieses Thema berichtet der MDR ab 29. Februar 2020 täglich bei MDR Aktuell und MDR Aktuell - Das Nachrichtenradio. MDR | täglich 29.02. bis 08.03.2020 |

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