Handball | 1. Bundesliga SC Magdeburg kann noch einen draufsetzen

Saisonvorschau

74 Tage nach Platz drei in der Bundesliga startet der SC Magdeburg mit sechs Neuzugängen in die Saison. In der Breite soll mehr gehen. Der SCM könnte sich erneut steigern und den ganz großen Klubs im deutschen Handball Paroli bieten.

Obere Reihe v.l. Tomas Svensson (Torwarttrainer), Filip Kuzmanovic, Zeljko Musa, Erik Schmidt, Piotr Chrapkowski, Christoph Steinert, 2. Reihe v.l.:Yves Grafenhorst (Co-Trainer), Marko Bezjak, Moritz Preuss, Michael Damgaard, Christian O Sullivan, Albin Lagergren, Felix Eckert (Betreuer). Vordere Reihe v.l. Bennet Wiegert (Trainer), Daniel Pettersson, Matthias Musche, Jannick Green Krejberg, Tobias Thulin, Tim Hornke, Lukas Mertens, Frank Hoehne (Physiotherapeut)
Bildrechte: imago images / Jan Huebner

2018/19: Bestes Ergebnis seit 14 Jahren

Der SC Magdeburg glänzte in der Bundesliga mit sehenswertem Tempohandball und sicherte sich mit Rang drei die beste Platzierung seit 14 Jahren. Die Sachsen-Anhalter qualifizierten sich für den EHF-Pokal und konnten teilweise die Großen ärgern: Nach einer knappen Niederlage im Hinspiel (25:26) siegte der SCM gegen Meister Flensburg (24:23). Gegen den Zweitplatzierten Kiel gingen die Magdeburger zweimal als Sieger vom Platz (zu Hause mit 35:30, auswärts mit 28:25). Allerdings hatte die Wiegert-Sieben jeweils zweimal gegen die Rhein-Neckar Löwen und die Füchse Berlin das Nachsehen.

Mann der Saison war Linksaußen Matthias Musche, der mit 256 Treffern Torschützenkönig der Liga wurde (Wurfquote 74,6 Prozent). Zudem traf Rückraumspieler Michael Damgaard nach einer Verletzung im Sommer dreistellig (136). Das verpasste Rechtsaußen Robert Weber, der den SCM im Sommer nach zehn Jahren verlassen musste, knapp (97). Magdeburg war aus allen Positionen gefährlich (siehe Grafik). Im DHB-Pokal-Finale unterlagen die "Grün-Roten" dem THW Kiel mit 24:28 (13:14). Im EHF-Cup beraubte sich das Team durch das frühe Ausscheiden einer Titelchance. Durch eine 27:34-Rückspielniederlage in Porto verpasste der SCM im November die Gruppenphase.

Erzielte Tore SC Magdeburg 2018/19
Erzielte Tore SC Magdeburg 2018/19 (Daten: Handballwoche) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kader: Kapitel Weber endet

Der Umbruch ist recht groß. Der Österreicher Weber, der beste Werfer der Vereinsgeschichte, konnte sich mit Wiegert nicht auf einen Verbleib in Magdeburg einigen. Nach langer Suche kam der 33-Jährige bei Aufsteiger Nordhorn-Lingen unter (Vertrag bis 2021). Torwart Dario Quenstedt, der bei den SCM-Youngsters ausgebildet worden war, schloss sich im Sommer dem THW Kiel an.

Laut Wiegert soll der Kader künftig auch in der Breite besser aufgestellt sein. Im sport-im-osten.de-Interview sagte er: "Es war definitiv das Ziel, dass man als Trainer keine schlaflosen Nächte mehr hat. Unser Kader war vor zwei, drei Jahren noch nicht so ausgelegt." Rechtsaußen Tim Hornke kehrte aus Lemgo zurück (Vertrag bis 2024). Für das Tor kam Tobias Thulin vom schwedischen Klub Redbergslids IK (Vertrag bis 2021).

SC Magdeburg - Bennet Wiegert mit den Neuzugängen hinten v.l.n.r. Moritz Preuss, Erik Schmidt und Christoph Steinert sowie vorn v.l.n.r. Flip Kuzmanovic, Tobias Thulin und Tim Hornke
SC Magdeburg - Bennet Wiegert mit den Neuzugängen hinten v.l.n.r. Moritz Preuss, Erik Schmidt und Christoph Steinert sowie vorn v.l.n.r. Flip Kuzmanovic, Tobias Thulin und Tim Hornke Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Linkshänder Christoph Steinert, der schon bis 2010 für den SCM spielte, wurde vom HC Erlangen zurück an die Elbe gelotst und ersetzt Mads Christiansen. Der mazedonische Nationalspieler Filip Kuzmanovski unterzeichnete schon im März 2017 einen Dreijahresvertrag von 2019 bis 2022 (zuletzt RK Eurofarm Rabotnik). Für den Kreis steht Erik Schmidt zur Verfügung, der seinen Vertrag bei den Füchsen Berlin vorzeitig auflösen ließ. Kreisläufer Moritz Preuss, der im Juni mit seinem bisherigen Verein VfL Gummersbach den ersten Abstieg aus der Handball-Bundesliga erlebt hatte, fehlt zunächst wegen eines Kreuzbandrisses, den er Anfang August im Training erlitt.

Trainer: Wiegert geht in seine fünfte Saison

Coach Bennet Wiegert, der zugleich Geschäftsführer Sport ist, ist jemand, der durchgreift. Nachdem er Publikumsliebling Weber nur einen Einjahresvertrag angeboten hatte und dieser sich in den Medien beschwerte, sanktionierte er den Rechtsaußen. Wiegert, der als SCM-Spieler Deutscher Meister (2001) und Champions-League-Sieger wurde (2002), hat auch als Trainer Großes vor. Der inzwischen 37-Jährige geht in seine fünfte Saison als Trainer. Er arbeitet akribisch vor, überlässt nichts dem Zufall. Nachdem beim DHB-Pokal-Turnier am Wochenende überraschend Eintracht Hagen den HSV Hamburg geschlagen hatte, legte er von Samstag auf Sonntag eine kleine Nachtschicht fürs Videostudium ein.

Im sport-im-osten.de-Interview machte er auf die fortwährenden Unterschiede zwischen der Handball-Bundesliga und Deutschlands Sportart Nummer eins aufmerksam: "Ich möchte sehr gern ein MRT-Gerät in der Halle haben und einen hauptamtlichen Athletik-Trainer. Das sind aber Wunschgedanken, denn wir sind nicht König Fußball."

 Bennet Wiegert (Magdeburg, Trainer) schaut skeptisch
Bennet Wiegert, Sohn der Handball-Legende Ingolf Wiegert, geht in seine fünfte Saison als Trainer. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Erwartungen: Etwas für die Vitrine

Kapitän Christian O'Sullivan definierte die Ziele für die neue Saison eine Woche vor dem Ligastart deutlich: "Wir möchten in zwei Final Fours stehen und einen Titel holen. Ob im Pokal, im EHF-Cup oder in der Meisterschaft ist eigentlich egal." Im Saisoneröffnungsspiel gewann der SCM mit 36:34 gegen Sloweniens Meister RK Celje (zwei Wochen Trainingsrückstand, da die Liga später startet). Beim Klaus-Miesner-Gedenkturniers triumphierte Magdeburg mit 32:21 gegen selbigen Gegner. Wiegert kann somit selbstbewusst sagen: "Wir wollen einfach die Wahrscheinlichkeit steigern, erfolgreich zu sein. Je länger man auf drei Hochzeiten tanzt, desto größer wird diese."

In den vergangenen Wochen traf der SCM aus dem Umschaltspiel sowie sehenswert aus dem Positionsangriff. Der Einzug ins Achtelfinale des DHB-Pokals war am Wochenende mit Siegen gegen die Drittligisten Northeimer HC (41:26) und Eintracht Hagen (46:17) fast schon ein Spaziergang. Besonders häufig trafen die Linksaußen Musche und Lukas Mertens, Kreisläufer Zeljko Musa sowie Rechtsaußen Daniel Pettersson.

mkö

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 22. August 2019 | 21:45 Uhr

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1 Kommentar

22.08.2019 09:21 jackblack 1

Na dann los, wird schon klappen, ich drück die Daumen, danke an Pascal Hens für die Sch...auslosung im Pokal.

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