Handball | Bundesliga SC-Magdeburg-Trainer Bennet Wiegert gegen Saisonabbruch

Die Handball-Bundesligisten müssen sich weiterhin in Geduld üben. Denn ob die Saison fortgesetzt werden kann, steht derzeit in den Sternen. Während sich Bennet Wiegert, Coach des SC Magdeburg, für eine Fortsetzung des Spielbetriebs ausspricht, stellt HBL-Präsident Uwe Schwenker eine Aufstockung der Liga bei einem Saisonabbruch in den Raum.

Trainer Bennet Wiegert gibt Anweisungen, gestikuliert mit den Armen.
Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Wie alle Vereine der Handball-Bundesliga (HBL) sitzt auch der SC Magdeburg in diesen Tagen auf heißen Kohlen. Denn ob die Spielzeit in der höchsten deutschen Spielklasse im Zuge der Corona-Pandemie wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit mehr als fraglich.

Die ungeklärte Situation macht auch dem Magdeburger Trainer Bennet Wiegert zu schaffen. "Diese Ungewissheit zerrt schon sehr an den Nerven", sagte der 38-Jährige am Mittwoch (15.04.2020) der "Magdeburger Volksstimme": "Deshalb wäre es schön, endlich ein Datum und einen festen Fakt zu haben, wie es weitergeht."

Während beispielsweise Karsten Günther, Manager vom Ligakonkurrenten SC DHfK Leipzig, mit einem Saisonabbruch rechnet, spricht sich Wiegert trotz der angespannten Situation für eine Fortsetzung des Spielbetriebs aus. "Anhand der aktuellen Tabelle dann Entscheidungen über Teilnahmen an den europäischen Wettbewerben sowie den Auf- und Abstieg zu treffen, halte ich nicht für fair", argumentierte der SCM-Coach. Gleichzeitig schob er nach: "Aber in der aktuellen Lage geht es vielleicht auch nicht um fair oder unfair“.

"Drei Wochen, um die Jungs wieder spielfähig zu bekommen"

Zuletzt hatte die HBL angekündigt, den Spielbetriebs frühestens am 16. Mai wieder aufnehmen zu können. Doch selbst dann stehen die Vereine vor einer großen Herausforderung. Schließlich gilt es nicht nur, die Spieler bis zu einer möglichen Fortsetzung wieder fit zu kriegen, sondern auch nach wochenlanger Pause wieder in den Spielrhythmus zu finden. "Rund drei Wochen braucht man schon, um die Jungs wieder spielfähig zu bekommen. Alles andere wäre ein zu hohes Verletzungsrisiko", mahnt Wiegert.

Ein geregelter Trainingsbetrieb mit gleichen Ausgangsbedingungen für alle Mannschaften kann aufgrund der unterschiedlichen Regelungen zur Kontaktbeschränkung der Länder derzeit aber kaum gewährleistet werden. Am 20. April will die Liga über die Fortsetzung oder den Saisonabbruch entscheiden. Letzterer könnte im Sinne der Fairness das probateste Mittel sein, um nicht noch größere Schäden infolge einer Wettbewerbsverzerrung anzurichten.

Konkrete Pläne im Falle eines Saisonabbruchs

Sollte die Spielzeit tatsächlich vorzeitig abgebrochen werden, gibt es bereits konkrete Pläne, wie man verfahren will. "Fest steht, dass es im Fall eines Abbruchs der aktuellen Saison keine sportlichen Absteiger geben wird", gab HBL-Präsident Uwe Schwenker gegenüber der Fachzeitschrift "Handballwoche" zu Protokoll. Das wäre gleichbedeutend mit einer Aufstockung der Liga durch die beiden Aufsteiger Coburg und Essen auf 20 Mannschaften.

Dies hätte gleichermaßen Konsequenzen für die Situation in der 2. HBL: "Die zweite Bundesliga würde statt mit 18 eventuell mit 19 oder 20 Teams agieren, da aus vier dritten Ligen jeweils der Tabellenerste aufsteigen könnte und der derzeitige Zweitligist HSG Krefeld die Lizenz in unserem vorgezogenen Vergabeverfahren nicht erhalten hat", so Schwenker. 

HBL vor schwieriger Entscheidung

Wie auch immer die Liga am 20. April entscheiden wird. Eine für alle Verantwortlichen zufriedenstellende Lösung wird es wohl kaum geben. Fest steht, dass ein fairer Wettbewerb, wie ihn Wiegert fordert, im Falle einer Fortsetzung der Saison wohl kaum gewährleistet werden kann. Ebenso die Tatsache, dass sich die HBL-Landschaft im Falle eines Saisonabbruchs verändern würde.

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jsc

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 15. April 2020 | 12:40 Uhr