Handball | Nationalmannschaft Reaktionen auf Prokop-Aus: Günther sauer - Kretzschmar gespalten

Nach dem überraschenden Aus für Bundestrainer Christian Prokop kochen die Emotionen in der Handball-Szene hoch. Besonders gut kam die Entscheidung nicht an. Sein Ex-Verein SC DHfK Leipzig kritisiert den Verband heftig.

Bundestrainer Christian Prokop
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Leipzigs Manager Günther: "Verband gibt erbärmliches Bild ab"

Karsten Günther (Manager von Bundesligist SC DHfK Leipzig) in der "Leipziger Volkszeitung": "Ich bin geschockt und habe keine Veranlassung dafür gesehen. Es ist lächerlich, Prokop wegen der Leistungen bei der WM zu entlassen. Bei den den Voraussetzungen, die die Mannschaft hatte, hat sie ein gutes Turnier gespielt. Scheinbar dominierten beim DHB das ehrenamtliche Präsidium viel zu sehr, und die Hauptamtlichen haben nichts mehr zu sagen. Ich schäme mich für unseren Verband, er gibt gerade ein erbärmliches Bild ab. Ich wünsche Christian viel Kraft, das hat er nicht verdient. Als Freund und Gast ist er bei uns immer willkommen. Aber der Trainerposten ist bei uns mit André Haber hervorragend besetzt und das wird auch definitiv so bleiben."

Karsten Günther (Geschäftsführer SC DHfK Leipzig)
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Ex-Nationalspieler Kretzschmar: Ohne Gislasons Bereitschaft wäre es nicht zum Aus gekommen

Stefan Kretzschmar (Ex-Nationalspieler) beim MDR: "Wenn Alfred Gislason jetzt nicht auf dem Markt gewesen wäre, glaube ich nicht, dass diese Entscheidung getroffen worden wäre. Christian Prokop hat den Kampf gegen die Windmühlen verloren, es war immer eine latente Unzufriedenheit mit ihm zu spüren. Dem Verband würde ich da aber jetzt nicht den schwarzen Peter zuschieben wollen. Die standen hinter ihm. Die Störfeuer kamen immer von außen. Zur Zeit schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Auf der einen Seite bin ich natürlich wahnsinnig traurig und enttäuscht für Christian, weil ich mit ihm befreundet bin, und auch mit Alfred verbindet mich eine lange Freundschaft. Und für ihn freue ich mich, weil ich natürlich auch weiß, dass für ihn ein Traum in Erfüllung geht. Und dass er Nationaltrainer werden wollte und dass es jetzt der deutsche Nationaltrainer-Job ist, wird ihn motivieren, wird ihn freuen."

Stefan Kretzschmar 4 min
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SCM-Geschäftsführer Schmedt: "Richtige Entscheidung? Wird man sehen"

Marc-Henrik Schmedt (Geschäftsführer SC Magdeburg) im MDR: "Wir sind eine Stunde vorher informiert worden, das HBL-Präsidium. Ob es jetzt überraschend kommt, oder nicht. Wir können es nur von außen betrachten. Da wurde viel, viel geredet, intern, extern. Die Entscheidung ist jetzt so getroffen. Ich schätze beide. Christian Prokop hat in Magdeburg auch eine Vergangenheit. Jetzt kriegt man mit Alfred Gislason einen sehr, sehr guten Trainer. Und ich glaube, dass die jetzt anstehende Olympia-Qualifikation so bedeutend ist, dass die Herren vom DHB jetzt einfach gesagt haben, wir müssen den Wechsel machen. Ob es der richtige Schritt war, wird man sehen."

Geschäftsführer Marc Henrik Schmedt (SC Magdeburg)
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DHB-Präsident Michelmann: "Sportliche Gründe"

Andreas Michelmann (Präsident Deutscher Handballbund / Oberbürgermeister Aschersleben): "Die Trennung erfolgte allein aus sportlichen Gründen: Das war nicht geplant. Wir verstehen, dass der Wechsel von Christian als unfair wahrgenommen wird, und bedauern dies. Aber die Entscheidung soll den Erfolg des Handballs in den 20er-Jahren sicherstellen. Das angestrebte Ziel ist eine Olympia-Medaille in Tokio."

Andreas Michelmann
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Ex-Bundestrainer Brand: "Zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar"

Heiner Brand (ehemaliger Bundestrainer): "Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehbar, so eine Entscheidung hätte man wenn, dann früher treffen müssen. Christian hat sich in seiner Amtszeit sehr wohl weiterentwickelt, die Frage ist natürlich, muss nicht der Bundestrainer von Anfang an jemand sein, der sich schon weiterentwickelt hat. Für Alfred wird das eine interessante Herausforderung, er ist eine gestandene Persönlichkeit, anerkannt in allen Bereichen, aber wir wissen ja auch um die Defizite der Mannschaft."

Heiner Brand
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Kapitän Gensheimer: "Geschockt und sprachlos"

Uwe Gensheimer (DHB-Kapitän): "Ich war geschockt, als ich die Nachricht bekommen habe. Ich hatte überhaupt keine Ahnung davon und war sprachlos im ersten Moment, weil ich niemals damit gerechnet hätte und es aufgrund der Ergebnisse auch nicht für nötig gehalten habe. Ich hatte das Gefühl, dass mit Prokop alles auf dem richtigen Weg war. Wir haben es mehrfach angesprochen, dass wir ein gutes Verhältnis zu Christian haben und ihn sehr schätzen. Deswegen kann ich das nicht nachvollziehen - unabhängig von der Qualität seines Nachfolgers», sagte Gensheimer.

Uwe Gensheimer
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Weltmeister Schwarzer: "Nur ganz schwer nachzuvollziehen"

Christian Schwarzer (Weltmeister von 2007) zum SID: "Ich bin sprachlos, vor allem die Art und Weise, wie da mit Menschen umgegangen wird, kann ich nur ganz schwer nachvollziehen. Eigentlich sollte der gehen, dessen Projekt das war, der das damals initiiert hat, mit Ablösesumme und allen anderen Nebengeräuschen. Man muss sich ja auch mal fragen: Was hatten der Trainer und die Mannschaft bei der EM überhaupt für Zielsetzungen, hat das eigentlich gepasst mit den Zielsetzungen der Funktionäre?"

Christian Schwarzer
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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 06. Februar 2020 | 17:45 Uhr