Handball | 1. Bundesliga DHfK-Trainer Haber: "Für mich ist Europa eine Vision"

Saisonvorschau

Der SC DHfK Leipzig will in der nächsten Saison daran arbeiten, den nächsten Schritt zu gehen. Große Hoffnungen ruhen dabei auf den Neuzugängen und einem starken Team. Sport im Osten sprach mit Cheftrainer André Haber über Erwartungen an die Spielzeit, Demut und die "Vision Europa".

Cheftrainer André Haber gestikuliert mit beiden Händen.
Cheftrainer André Haber Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Sport im Osten: André Haber, beim Einzug ins Achtelfinale des DHB-Pokals waren Sie und Ihr Team schon wieder voll im Wettkampfmodus. Was steht bis zum Bundesligastart gegen die Füchse Berlin noch auf Ihrer To-do-Liste?

"Es gibt immer Sachen, die wir verbessern müssen. Ich war sehr zufrieden, wie wir gegen Nordhorn ins Spiel gestartet sind. Das brauchen wir auch in der Bundesliga. Ich glaube auch, dass wir gut beraten sind, am gesamten System zu feilen. Das steht auf stabilen Füßen. Kleinigkeiten gibt es immer zu tun. Jedes Spiel gibt da eine Erkenntnis. Was diese Woche im Vordergrund steht, ist die unmittelbare Vorbereitung auf die Füchse."

Welche Erwartungen haben Sie an die kommende Saison?

"Ich habe ein gutes Gefühl, weil wir gut gearbeitet haben. Für genaue Prognosen ist es allerdings noch zu früh, doch wir wollen deutlich besser starten als im letzten Jahr."

Mit welcher Art, Handball zu spielen, wollen Sie die Liga überraschen?

"Ich weiß nicht, ob wir andere groß überraschen. Wir wollen auf jeden Fall aus einer guten Abwehr schnellen Handball spielen. Dafür haben wir einen breiten Kader zusammengeholt. Wir haben athletische Grundlagen in der Vorbereitung gelegt und wir wollen den breiten Kader auch nutzen. Da gehört ein gutes Tempospiel dazu."

Im Juni haben Sie in einem SpiO-Online-Interview gesagt, dass der SC Magdeburg in puncto Tempohandball ein absolutes Vorbild ist. Inwieweit haben Sie sich in der Sommerpause von Ihrem Kollegen Bennet Wiegert ein paar Tipps geholt?

(lacht) "Das habe ich nicht. Magdeburg ist ein gutes Beispiel für Tempospiel in der Bundesliga und in Handball-Europa. Ich habe das damals demütig gesagt, weil ich das Tempospiel des SCM toll finde. Wir haben mit unserer Mannschaft ein eigenes Konzept erarbeitet."

Unter welchen Bedingungen gelingt die Vision des Vereins, perspektivisch im Europapokal zu spielen, schon in der nächsten Saison?

"Mit Sicherheit ist das ganz, ganz schwer. Da will ich auch Demut walten lassen. Für mich ist Europa eine Vision. Das bedeutet, dass es ein großes, übergeordnetes Ziel ist. Ich kann mich damit sehr gut identifizieren, weil es auch ein persönlicher Wunsch ist. Ich sage aber, dass wir in der nächsten Saison daran arbeiten müssen, den nächsten Schritt zu gehen. Ob das nun ein großer Schritt ist, oder mehrere kleine, kann ich jetzt noch nicht wissen. 2019 haben wir schon wieder sehr gute Leistungen gezeigt und die Saison mit einem positiven Schwung abgeschlossen. Das war ganz wichtig für unsere Vorbereitung. Inwiefern wir uns irgendwelchen Plätzen nähern können, ist Kartenleserei."

Jubel bei Trainer Andre Haber (DHfK Leipzig) und dem Team auf der Bank.
Am letzten Spieltag der Vorsaison gewann der SC DHfK mit 28:26 gegen die Rhein-Neckar Löwen. Bildrechte: imago images / Beautiful Sports

Nach welchen Kriterien haben Sie die Neuzugänge ausgewählt?

"Wir haben alle neuen Spieler gezielt ausgesucht. Ich bin aber kein Freund davon, nur auf die Stärken einzelner Spieler einzugehen. Das ist den anderen Spielern gegenüber ungerecht. Wir besprechen die individuellen Aspekte mit unseren Sportlern im Einzelgespräch. Was sich aber in den letzten sechs Wochen schon bewahrheitet hat: Was ihre Leistungsfähigkeit und ihren Charakter anbelangt, sind wir bei allen fünf Neuen bisher bestätigt worden."

Große Hoffnungen ruhen auf Neuzugang Marko Mamic. Inwiefern kann ein solcher Unterschiedsspieler den SC DHfK in der Entwicklung entscheidend voranbringen?

"Ich möchte das besonders betonen: Wir tun niemandem einen Gefallen, wenn wir von Königstransfer sprechen. Wir haben uns für Marko und vier andere Neuzugänge entschieden, weil wir von der sportlichen Qualität überzeugt sind. Eine Last auf die Schultern von einem zu packen, wird dem Sportler nicht gerecht. Ich hatte einen Vergleich gebracht mit der Copa America im Fußball: Danach wusste ich von der Berichterstattung mehr, was Lionel Messi zum Schiedsrichter gesagt hat, als vom Ergebnis des Finals. So etwas finde ich schade. Bei uns soll es so sein, dass die Last auf mehrere Schultern verteilt ist, damit wir zum Schluss als Team abgerechnet werden."

Welche Abgänge schmerzen und warum?

"Generell hat unsere Mannschaft mit den vier Abgängen etwas an Erfahrung verloren, weil alle vier verdiente Bundesligaspieler sind, die einen hohen Erfahrungsschatz eingebracht hatten. Aber wir haben uns von allen Spielern im Guten getrennt und mit Milos Putera als neuer Co- und Torwarttrainer ist sogar ein Spieler in unserer Mannschaft verblieben. Ich bin mir sicher, dass wir auch in dieser Saison wieder eine schlagkräftige Mannschaft haben."

Spielmacher Niclas Pieczkowski fehlt in der Hinrunde. Wie soll sein Ausfall aufgefangen werden?

"Das müssen wir als Team auffangen. Wir hatten von Beginn an drei Rückraum Mitte im Kader. Ich wünsche Niclas, dass der Heilungsverlauf reibungslos ist und er schnell wieder auf die Platte kann. Die Entscheidung zu operieren, war unumgänglich."

Wie sieht die Kaderplanung für 2020 aus - auch vor dem Hintergrund, dass Nationalspieler Franz Semper Leipzig Richtung Flensburg verlassen wird?

"Ich mache mir natürlich Gedanken, wie wir am besten aufgestellt sind. Mit der Aufgabe gehe ich vertrauensvoll um. Aber das ist noch ein Stück entfernt. Jetzt überlege ich, wie unsere Mannschaft am besten Handball spielen kann. Bei Franz Semper habe ich in der Vorbereitung gesehen, dass er sich zu 100 Prozent hinter die Mannschaft stellt, bzw. sich in der Mannschaft befindet. Das ist das Entscheidende."

Franz Semper ( 3, DHfK Leipzig) gegen Kevin Roch ( 6, Aue).
Nationalspieler Franz Semper verlässt Leipzig nach der Saison Richtung Flensburg. Bildrechte: imago images / Beautiful Sports

Wie könnte perspektivisch eine Kooperation mit dem anderen mitteldeutschen Team SCM aussehen?

"Das sind natürlich konkurrierende Bundesliga-Vereine. Ich glaube, dass es Synergie-Effekte im Nachwuchs geben kann. Beide Nachwuchsschmieden sind auf einem guten Weg. Da sehe ich aber auch andere Vereine wie Berlin vorn mit dran. Ich finde, dass es viel Austausch geben sollte. Das macht unsere Nachwuchsteams immer besser, wenn ich mir die B-Jugend-Spiele angucke. Die Vereine, die ich genannt habe, wollen natürlich immer gern ihre Nachwuchsspieler integrieren. Dafür müssen sie gut ausgebildet sein. Da helfen natürlich solche Kräftemessen untereinander."

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Felix Thiel.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 22. August 2019 | 19:30 Uhr