Handball | 1. Bundesliga Abbruch? Geisterspiele? Weiterspielen im Mai? Saison der Handball-Bundesliga bleibt unklar

Schafft es die Handball-Bundesliga, bis Ende Juni die derzeit unterbrochene Saison zu Ende zu spielen? Das ist noch nicht sicher. Die HBL hat einen Fahrplan, der aber in Leipzig und Magdeburg kritisch gesehen wird. Dabei werden auch Geisterspiele als Option kritisch betrachtet.

Philipp Weber DHfK 20 gegen Filip Kuzmanovski SCM 18 und Christoph Steinert SCM
Bildrechte: imago images/Eibner

Verlängerung der Spielpause und Rückkehr zum Spielbetrieb bis Mitte Mai – so sieht ein mögliches Szenario aus, um die Handball-Bundesliga noch im angepeilten Saison-Zeitrahmen zu Ende zu spielen.

Finale Entscheidung Anfang Mai

Laut HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann müssten die Partien "spätestens am 16. Mai anfangen, um den letzten Spieltag regulär am 24. Juni beenden zu können". Wie er in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe am Donnerstag (02.04.2020) weiter sagte, solle die bis 23. April geltende Spielpause verlängert werden. Dafür würden noch am Donnerstag Absprachen innerhalb der HBL und am Freitag mit den Bundesliga-Vereinschefs erfolgen. Ob Mitte Mai dann tatsächlich wieder gespielt werden könne, müsse dann "am Ende der ersten Maiwoche" beschlossen werden.

DHfK-Geschäftsführer Günther: Spielbetrieb im Mai unrealistisch

Liga-Betrieb ab Mitte Mai? Bei den mitteldeutschen Männer-Bundesligisten SC Magdeburg und DHfK Leipzig löst das angepeilte Szenario Verständnis und Zweifel aus. "Ich habe komplettes Verständnis dafür, dass die HBL die Tür einen Mini-Spalt offen lassen muss", sagte DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther dem MDR am Donnerstag (02.04.2020) - und fügte hinzu: "Ich halte es aber für unrealistisch, dass wir Mitte Mai wieder spielen."

Geschäftsführer Karsten Günther
Karsten Günther: "Komplettes Verständnis für die HBL ..." Bildrechte: imago images / Picture Point LE

SCM-Geschäftführer Schmedt: "Müssen auf Sicht fahren"

Die Fragezeichen sind auch bei SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt deutlich herauszuhören. "Ich glaube nicht, dass wir bald wieder Handball spielen", sagte er dem MDR. "Aber, was ich glaube, ist zweitrangig. Wir müssen jetzt auf Sicht fahren, nichts überstürzen und uns alle wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten offenhalten. Es passiert alles gerade so rasant schnell. Vielleicht haben wir in drei Wochen eine neue Erkenntnis."

Geschäftsführer Marc Henrik Schmedt (SC Magdeburg)
Schmedt: "Es darf keine Denkverbote geben." Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Schmedt: Option Juli, Option Geisterspiele

Oberste Priorität hat für Schmedt dabei, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Jetzt müsse die Zeit genutzt werden, die wirtschaftlich beste Variante herauszufinden. "Es darf keine Denkverbote geben. Ganz theoretisch und im Konjunktiv gesprochen könnte man durch die Olympia-Verschiebung bis in den Juli hinein spielen." Und auch gegen Spiele ohne Zuschauer gibt es von Schmedt kein kategorisches Veto. "Ich hätte mir das vor drei Wochen nicht vorstellen können. Heute muss ich sagen: Ich weiß es nicht. Vielleicht sollten wir Geisterspiele machen, wenn das wirtschaftlich sinnvoll ist."

Günther: "Keine Kostenstruktur für Geisterspiele"

DHfK-Geschäftsführer Günther hält Geisterspiele dagegen für nicht realisierbar. "Kurzfristig ist das unmöglich, in dieser Saison kriegen wir das nicht hin. Wir haben keine Kostenstruktur dafür. Unsere Erlöse sind zu gering." Im Handball werden nach wie vor etwa 25 Prozent über das Ticketing und weniger als zehn Prozent über die TV-Gelder erwirtschaftet. In Verbindung mit VIP-Tickets und Kleinsponsoren, die sich über das Sponsoring auch den Eintritt finanzieren, beziffert Schmedt die mit einem Heimspiel verbundenen Einnahmen der Zuschauer sogar auf etwa zwei Drittel der Gesamt-Einnahmen.

Finanzsorgen und Zuspruch für DHfK und SCM

Die Sorge um die Finanzen eint Günther und Schmedt in ihrem Blick auf die Zukunft - und lässt beide nicht gut schlafen. Vom SC DHfK berichtet Günther, die Leipziger hätten zwar viele emotionale Botschaften von Fans und Sponsoren erhalten. Zudem hätten Spieler und Mitarbeiter u.a. mit Gehaltsverzicht geholfen. "Aber ohne Unterstützung aus der öffentlichen Hand und der Politik wird es sehr schwer für uns. Für mich ist gerade überhaupt nicht absehbar, wie viele Wochen es dauert, bis ich wieder ruhig schlafen kann." Schmedt berichtet ebenfalls von großer Solidarität aus dem Umfeld. "Von unseren Fans und Partnern haben wir viel Zuspruch bekommen." Weil mit der Corona-Krise die Gesamt-Wirtschaft in eine Schieflage komme, "wird in Zukunft wohl aber eher die Frage sein, ob unsere Partner uns unterstützen können und nicht ob sie es wollen."

Finanzieller Schaden von etwa 25 Millionen Euro

Der finanzielle Schaden für die Liga beschäftigt auch die HBL, so Bohmann. Der Bundesliga-Geschäftsführer nannte hohe Einbußen für die 1. und 2. Liga durch die Zwangspause. "Der Schaden lässt sich bis zum Ende der Saison mit rund 25 Millionen Euro für die 1. und die 2. Liga beziffern. Das ist für Handball ein dickes Brett."

dpa/sid/dh

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 02. April 2020 | 17:45 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/dc883457-9cce-4973-956a-d438bda80d91 was not found on this server.