Handball | 1. Bundesliga Bennet Wiegerts Ziel: Keine schlaflosen Nächte mehr beim SC Magdeburg

Saisonvorschau

Der SC Magdeburg hat in der vergangen Saison mit Tempohandball begeistert. Nach einem umfangreichen Umbruch kann Trainer Bennet Wiegert auf einen in der Breite noch stärkeren Kader hoffen. Im Interview spricht er über das Saisonziel und andere offene Wünsche.

Bennet Wiegert (Magdeburg, Trainer) gibt Anweisungen
Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Bennet Wiegert, wie groß ist die Vorfreude auf den Bundesliga-Start?

Bennet Wiegert: "Groß, weil die Vorbereitung sehr anstrengend ist, mit vielen Terminen. Ich bin froh, dass wir wieder in den Wettkampfalltag kommen. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich ein Wettkampftyp bin. Ich freue mich, wenn ich diese Vorfreude auch auf die Mannschaft transportieren kann."

Werden die Zuschauer weiterhin den Tempohandball sehen, für den der SCM inzwischen bekannt ist?

"Na ja, das ist kein Geheimnis, dass das meine Philosophie ist, um erfolgreich zu sein. Das hat sicherlich irgendwann seine Grenzen, aber unser Grundspiel bleibt. Wir wollen natürlich attraktiv und modern spielen. Wir können das Rad zwar nicht neu erfinden, aber wir wollen uns schon als Marke etablieren. Das hat in der Bundesliga für Begeisterung gesorgt. Wir werden auf jeden Fall an unseren Stärken arbeiten."

Wird es schwieriger für Sie und Ihre Mannschaft, weil die Gegner das Spiel des SCM inzwischen kennen?

"Das ist immer so, dazu mache ich mir keine großen Gedanken. Ich bin Fan davon, dass wir auf uns schauen. Ich gucke da nicht, was der Gegner macht."

Wie sieht die Kaderplanung für 2020 aus?

"Wir sind da schon relativ weit. Es ist ja bekannt, dass sich Albin Lagergren den Rhein-Neckar Löwen anschließen wird (Dreijahresvertrag bis 2023, Anm. d. Red.). Für ihn kommt Omar Ingi Magnusson (der isländischen Nationalspieler unterschrieb einen Vierjahresvertrag bis 2024, Anm. d. Red.), der aktuell in Aalborg aktiv ist. Er wird uns ab 2020 unterstützen. Vakant ist noch der dritte Kreisläufer, denn Erik Schmidt hat nur einen Vertrag für ein Jahr. Auch Daniel Petterssons Vertrag endet 2020. Mit beiden sind wir gewillt, Gespräche zu führen. Wir sind jetzt auch schon bei den Planungen für 2021 und 2022."

DHB Pokal Finale - SC Magdeburg gegen THW Kiel Albin Lagergren
Albin Lagergren Bildrechte: imago images / wolf-sportfoto

Ihr Auftaktprogramm lautet Balingen (H), Lemgo (A), Nordhorn-Lingen (H) und Kiel (H), wobei der SCM in der vergangenen Saison beide Punktspiele gegen den THW gewann. Ein guter Start in die neue Saison?

"Das ist dann ganz gut, wenn man nach den vier Spielen 8:0 Punkte hat. Die Bundesliga ist so eng, dass man federn lässt, wo man es nicht geplant hat. Wir werden weiterhin von Spiel zu Spiel denken. Wir gucken nach und nach, wie wir reinkommen."

Die Zuschauer-Auslastung betrug dem Verein zufolge bei Heimspielen 97,24 Prozent. Der Vorverkauf läuft wieder gut. Ist die Halle zu klein?

"Das sehe ich anders. Die Halle ist so, wie sie ist, völlig okay für uns. Alles andere wäre zu groß. Das würde man wohl nur drei- oder viermal vollbekommen."

Matthias Musche (SC Magdeburg) kommt zur Ehrung zum Torschützenkönig
Matthias Musche in der GETEC-Arena, die 6.600 Zuschauern Platz bietet. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Hat Magdeburg nun mit den sechs Neuzugängen die Breite, um den Ausfall von ein, zwei Leistungsträgern auch gegen Topteams zu kompensieren?

"Das wird man sehen. Das wird die nächste Zeit zeigen. Es war definitiv das Ziel, dass man als Trainer keine schlaflosen Nächte mehr hat. Unser Kader war vor zwei, drei Jahren noch nicht so ausgelegt. Wir wollen nun langsam Schritt für Schritt weiterkommen. Manchmal ist das schon eine Gratwanderung. Wir versuchen, da optimal zu planen. Ob das diese Saison oder nächste wird, wird man feststellen."

Unter welchen Bedingungen gelingt das vom SCM formulierte Saisonziel, 2020 einen Titel zu gewinnen?

"Wir wollen einfach die Wahrscheinlichkeit steigern, erfolgreich zu sein. Je länger man auf drei Hochzeiten tanzt, desto größer wird diese. Da das Ziel immer kein Kleines ist, finde ich das gut formuliert. Es ist gut, dass man sich Ziele setzt, die vielleicht auch einmal nicht zu schaffen sind. Dafür braucht man auf jeden Fall einen gesunden Kader. Wenn wir alle an Bord haben, können wir erfolgreich sein."

In der vergangenen Spielzeit hat sich Flensburg, das Team mit der besten Defensive, gegen Kiel, die Mannschaft mit den meisten erzielten Toren, durchgesetzt - mit einem Sieg mehr. Wer ist für Sie der Favorit auf den Meisterschaftstitel?

Ich gehe davon aus, dass der THW Kiel (mit 20 Titeln deutscher Rekordmeister, zuletzt 2015 Meister, Anm. d. Red.) eine starke Rolle spielen wird, weil er die wenigsten Wechsel im Kader hat (Abgänge: Andreas Wolff, Marko Vujin, Sebastian Firnhaber, Tom Landgraf und Christian Dissinger, Anm. d. Red.).

Wenn Sie Fan des SCM wären…

"Das bin ich ja."

Toll. Wenn Sie Fan des SCM sind, wessen Trikot würden Sie auf der Tribüne tragen?

"Eins von allen, das wären dann die Zahlen eins bis 95 (Moritz Preuss hat diese hohe Rückennummer, Anm. d. Red.). Dann steht da SC Magdeburg hinten drauf. Es ist klar, dass ich von meinem Kader überzeugt bin. ich bin ein Fan von jedem einzelnen Spieler. Ich mag das Team, das wir ins Rennen schicken - sehr sogar."

Sportwissenschaftlich kann man beim Handball bestimmt noch viel herausholen. Was würden Sie sich wünschen, wenn das Geld da wäre?

"Ich möchte sehr gern ein MRT-Gerät in der Halle haben und einen hauptamtlichen Athletik-Trainer. Das sind aber Wunschgedanken, denn wir sind nicht König Fußball. Eine solche Entwicklung wird in den nächsten fünf Jahren nicht passieren. Ich kenne das Thema Monitoring und habe auch Reportagen über RB Leipzig gesehen. Das wäre so, als würde man einen Bettler mit einem Millionär vergleichen. Ich würde das super gern professioneller machen. Aber der Handball ist da sowas von entfernt vom Fußball, da sind wir Anfänger. Das geht aber allen Klubs so."

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Maria Köhler.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 22. August 2019 | 21:45 Uhr

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