Fußball | 3. Liga FC Carl Zeiss Jena: Klingbeils Dilemma – Tochter oder Verein?

Wenn die 3. Liga die Saison tatsächlich zu Ende spielt, dann wird das wohl nur mit Geisterspielen gehen. Für Rene Klingbeil, Teamchef bei Carl Zeiss Jena hätte ein Weiterspielen noch ganz persönliche Konsequenzen: Er würde seine Familie zwei Monate nicht sehen.

"Das ist für mich eine sehr schwere Situation" - wenn Rene Klingbeil an eine mögliche Fortsetzung der bisher unterbrochenen 3. Liga denkt, bekommt der Teamchef von Carl Zeiss Jena Sorgenfalten. Der ligaweit ausgebrochene Streit über die Fortführung oder den Abbruch der Liga bekommt bei dem 39-Jährigen eine ganz persönliche Schicksalsnote. "Wenn Dein Kind vier Tage auf der Intensivstation ist und beatmet wird, ist das ein Bild, das Du nie wieder sehen möchtest."

Tochter Mia zählt zu Hoch-Risikogruppe

Klingbeils Tochter Mia zählt bei einer Corona-Infektion zur Hoch-Risikogruppe. Die heute Zehnjährige hatte 2017 zwei schwere Lungenentzündungen, 2018 bestand wegen einer Blutvergiftung sogar Lebensgefahr, sie kämpfte auf der Intensivstation mehrere Tage mit dem Tod. "Meine Tochter war sehr krank. Die Lunge wurde so stark geschädigt, dass sie jetzt zu einer Risikogruppe gehört", sagt Klingbeil. Ein bald wieder beginnender Drittliga-Alltag hätte für den einstigen Abwehrspieler einschneidende Konsequenzen.

Gefährdung der Tochter mit jedem Außenkontakt

Solange es keinen Impfstoff gibt, keine Behandlungsmöglichkeit und in Deutschland keine Herdenimmunität, gefährdet Klingbeil mit jedem Außenkontakt und einer möglichen Corona-Infektion seine Tochter. "Das ist für mich eine sehr schwere Situation." Was also tun, wenn Klingbeil raus muss, wenn die Liga weitergeht? "Ich habe mit unserem Mannschaftsarzt Dr. Pietsch darüber gesprochen. Er hat gesagt, es gibt nur zwei Varianten. 'Die erste ist, Du bleibst weg vom Team.' Das ist für mich nicht möglich." Und die zweite? "Isolation. Weg von der Familie." Im Klartext heißt das: Sollte der Fußball wieder rollen, müsste Klingbeil zwei Monate oder sogar länger von der Familie getrennt leben.

Rene Klingbeil (Jena) mit seiner Tochter
Rene Klingbeil mit Tochter Mia im Jahr 2016. Bildrechte: imago/Picture Point LE

Mannschaftsquarantäne bei Liga-Fortsetzung?

Und nicht nur Klingbeil. Möglich, dass bei der Wiederaufnahme des Ligabetriebes in der 1. bis 3. Liga alle, die zu einem Team gehören, also Spieler, Trainer, Funktionäre, in eine Art Mannschaftsquarantäne gesteckt werden. Möglich, dass es nur diejenigen betrifft mit besonders gefährdeten Menschen im engsten Umfeld. "Ich denke, viele Verantwortliche und Spieler werden mit Menschen zusammenleben, die zu einer Risikogruppe zählen. Mich trifft das sehr hart."

"Fußball ist ein Kontaktsport"

So mischen sich starke Zweifel in die Gedanken, wenn der frühere Bundesliga-Spieler über eine Rückkehr auf den Rasen spricht: "Aktuell kann ich mir nur schwer vorstellen, wie das alles ablaufen soll", sagt Klingbeil nachdenklich. Ein Kontaktverbot oder gar das "Social Distancing" ist nicht möglich. "Ich war früher selbst Verteidiger. Wenn mein Trainer gesagt hat, Du musst den Stürmer markieren, dann habe ich keinen Abstand von 1,50 Metern gelassen. Fußball ist ein Kontaktsport, Du musst Zweikämpfe führen. Wenn Du ein Tor schießt, wird zusammen gejubelt. Dann sitzt Du in der Kabine zusammen."

Teamchef Rene Klingbeil Jena, nachdenklich
Klingbeil: "Mich trifft das hart" Bildrechte: imago images/Christoph Worsch

"Entscheidung des DFB akzeptieren"

So schwer es dem 200-fachen Erst- und Zweitligaspieler fällt, sich die Wiederaufnahme des Spielbetriebes in diesem Sommer vorzustellen. So wenig hat auch der Carl-Zeiss-Teamchef eine Master-Lösung parat. Der FCC hatte sich wie ein halbes Dutzend anderer Drittligavereine in einer Videokonferenz vor Ostern für einen Saisonabbruch ausgesprochen und das u.a. mit einer drohenden Insolvenz bei Geisterspielen begründet. Aber, so relativiert Klingbeil: "Ich weiß, dass es sich der DFB nicht einfach macht. Ich möchte nicht in deren Haut stecken." Eins ist für den 39-Jährigen allerdings klar. "Man muss die Entscheidung akzeptieren, wenn sie gefällt ist." Auch wenn er dafür seine Familie zwei Monate nicht sehen darf.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 14. April 2020 | 17:45 Uhr

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