Fußball | 3. Liga Vereine kontern DFB-Kritik mit Konzept und Besonnenheit

Wie bekommt man die festgefahrene "Drittliga-Karre" wieder aus dem Dreck? Derzeit eskaliert der Streit mehr denn je. Am Donnerstag reagierten der 1. FC Magdeburg, CZ Jena & der FSV Zwickau auf DFB-Aussagen vom Mittwoch.

Schiedsrichter pfeift vor dem Logo der 3. Liga.
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Nur destruktiv, aber nicht konstruktiv: Diese DFB-Vorwürfe wiesen am Donnerstag (15.05.2020) die drei mitteldeutschen Fußball-Drittligisten 1. FC Magdeburg, der FC Carl Zeiss Jena und der FSV Zwickau zum Teil scharf zurück.

In der aufgeheizten Diskussion um einen Abbruch oder die Fortsetzung der Saison in der 3. Liga fordert Magdeburg vom Deutschen Fußball-Bund Fairplay, Integrität, Respekt, Vielfalt und Solidarität. Das schreibt der FCM in einem Offenen Brief als Antwort auf ein DFB-Schreiben vom Mittwoch. Darin werden die Abbruchbefürworter eines unwürdigen Schauspiels bezichtigt, was unerträglich und nicht länger hinzunehmen sei. Damit überschreite der DFB "die Grenze eines demokratischen und gesellschaftlichen Miteinanders", schreiben die Magdeburger.

FCM: Unverständnis und Fassunglosigkeit

Der Klub verweist erneut darauf, dass in Sachsen-Anhalt bis zum 27. Mai kein Wettkampfbetrieb zugelassen ist. "Vereine, welche sich an geltende Gesetze und Verfügungen unseres Landes halten und diese im Sinne der Gesundheit ihrer zahlreichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vorschriftsmäßig umsetzen, als problemorientiert Denkende oder für Probleme sorgende Vereine darzustellen, sorgt für großes Unverständnis und lässt uns fassungslos zurück", schreibt der Verein. Was tragbare Zukunftskonzepte anbelangt, die die Abbruchbefürworter dem DFB vorlegen sollen, verweist der Klub auf die Verantwortung des Verbandes. Es sei am DFB, entsprechende Lösungen für einen potenziellen krisenbedingten Abbruch der Saison transparent aufzuzeigen. "Bis auf eine zwingende Aussetzung der Spiele, um Regressansprüche des Verbandes zu vermeiden, wurden bisher keine anderweitigen Lösungswege vom DFB-Präsidium selbst aufgezeigt und ernsthaft diskutiert", heißt es in dem Offenen Brief.

Geschäftsführer Mario Kallnik re. und Leiter Lizenzspielerabteilung Maik Franz 1. FC Magdeburg
FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik (re.) und der Leiter der Lizenzspieler-Abteilung Maik Franz Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Jena präsentiert Konzept

CZ Jena präsentierte einen eigenen Plan zur Zukunft der 3. Liga. Die Kernpunkte: Saison-Abbruch, Wiederbeginn im September, Aufstockung auf 24 Teams, dann Abschmelzen auf 22 Mannschaften, um allen fünf Regionalliga-Meister aufsteigen lassen zu können. Das Hygiene-Konzept soll bestmöglich umgesetzt werden.

Jena über Koch-Aussage: "Äußerst bedenklich"

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hatte am Mittwoch gefordert: "Alle Mannschaften, die vehement einen Saisonabbruch verfolgen, müssen endlich Antworten liefern, was ihre konkreten Alternativen sind". Außerdem hatte der Bayer erklärt: "Ein Teil der Vereine der 3. Liga spielt seit Wochen ein für den Fußball in Deutschland unwürdiges Schauspiel." Darauf ging der FCC konkret ein: "Uns 'ein unwürdiges Schauspiel' zu unterstellen, halten wir deshalb für äußerst bedenklich. Wir achten einzig die bestehende Gesetzeslage. Sollen wir diese brechen?" Die Stadt Jena sei zu Beginn der Corona-Krise ein "Hotspot" gewesen. Nur mit Maßnahmen, die über die verhängten Landesverordnungen hinaus gegangen seien, sei es gelungen, die rasante Ausbreitung des Virus zu toppen. In dieser Lage sei es verständlich, dass der Sportbetrieb erheblich eingeschränkt sei, bis heute darf der Klub kein Teamtraining durchführen.

Thüringer Sportminister: Derzeit kein Spielbetrieb möglich

Derweil hat Thüringens Sportminister Helmut Holter Hoffnungen zerstreut, dass in seinem Bundesland demnächst Mannschaftssport wettbewerbsmäßig möglich sein wird. In einem Telefonat mit dem Präsidenten des DFB, Fritz Keller, sagte Holter am Donnerstag: "Aufgrund der aktuellen Verordnungslage kann hier derzeit kein Mannschaftstraining und kein Mannschaftssport mit großem Kontaktpotenzial stattfinden. Wir wollen den Berufs- und Breitensport gleichberechtigt behandeln."

Winkler: DFB-Ton unangemessen

Sachsens Fußball-Präsident Hermann Winkler hat den scharfen Ton der Presseerklärung des Deutsche Fußball-Bundes nach der Konferenz der Präsidenten der Regional- und Landesverbände zu Abbruchszenarien der 3. Liga kritisiert. "Wir wollen in die Zukunft gucken, und es muss eine Zeit nach der Krise geben. Insofern finde ich den Ton unangemessen, der jetzt in der letzten Pressemitteilung vom DFB gefallen ist. Wir brauchen Lösungen und da muss jeder rhetorisch abrüsten. Wenn dann Vorwürfe im Raum sind, die die Vereine eher noch auf die Palme bringen, finden wir nicht zu einer Lösung," sagte Winkler am Donnerstag "Sport im Osten". Er habe der Erklärung nicht zugestimmt.

Sympathie hegt er für die Jenaer Ideen: "Der Vorschlag gefällt mir, ich kann dem einiges abgewinnen. Da gibt es Schnittmengen mit dem Vorschlag aus Magdeburg von Mario Kallnik." Er könne sich vorstellen, dass der sächsische Verband dies unterstütze.

Koch reagiert auf Vorschläge aus Jena

Koch reagierte bereits auf die Vorschläge aus Jena und sagte via Facebook: "Das ging aber schnell! Freut mich sehr, dass eine konkrete Diskussion zur Frage, wie es nach einem Abbruch weiter gehen soll, jetzt in Gang zu kommen scheint, denn genau das habe ich in den letzten Tagen eingefordert."

Auch Magdeburgs Geschäftsführer Mario Kallnik hatte am Samstag im ausführlichen Sport-im-Osten-Interview erneut für einen Saison-Abbruch plädiert und dabei vor allem finanzielle Gründe genannt. Dabei sollte es keine Absteiger geben. Alle fünf Regionalliga-Meister 2020 sollten aufsteigen. Die dann 25-er-Liga sollte künftig auf 22 heruntergefahren werden. Angesichts von fünf Absteigern könnten dann alle Regionalliga-Meister einen direkten Aufsteiger stellen.

Zwickau und Halle irritiert über DFB-Forderung

Indes reagierte Vorstandssprecher Tobias Leege vom FSV Zwickau am Donnerstag irritiert auf die Aufforderung des DFB: "Wir haben in unserem Positionspapier vom 17. April mit sieben anderen Clubs unseren Vorschlag bereits ausführlich beschrieben und zur Diskussion eingebracht", sagte Leege am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Unterzeichnern gehört auch der Hallesche FC. Leege ist weiterhin für zwei Aufsteiger in die 2. Liga, keine Absteiger und eine Aufstockung auf 25 Vereine. Dies könne dann sukzessive auf 22 reduziert werden.

Tobias Leege
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Entspannt sieht Leege die Drohung des DFB, bei einem freiwilligen Saisonabbruch womöglich entstehende Schadenersatzforderungen auf die Vereine umzulegen. "Von einem freiwilligen Abbruch war unsererseits nie die Rede. Wenn einige Bundesländer wie Sachsen-Anhalt und Thüringen aber keinen Wettbewerb zulassen und deshalb nicht weitergespielt werden kann, handelt es sich um eine unabdingbare Einstellung des Spielbetriebs", erklärte der Jurist. Zudem verwies Leege darauf, dass auch das Hygienekonzept des DFB umgesetzt und eingehalten werden müsse. "Daran arbeiten wir, aber im Moment sind einige Punkte einfach noch nicht realisierbar. Das hat nichts mit fehlendem Willen zu tun, sondern mit den Möglichkeiten, die für viele Drittligisten begrenzt sind", sagte Leege.

CFC für ganz neue 4. Liga

Ein ganz neuer Ansatz kommt aus Chemnitz: CFC-Sportdirektor Armin Causevic präsentierte die Idee einer gänzlich neuen 4. Liga mit je 18 Vereinen in den Staffeln Nord und Süd. Damit würde das Erfolgsprodukt 3. Liga nicht beschädigt werden, die ambitionierten Regionalliga-Vereine könnten in einer Klasse mit höherem Vermarktungspotenzial spielen. Die ersten beide würden aufsteigen. Zuletzt hatten rund 25 Vereine deutschlandweit eine zweigeteilte 3. Liga gefordert. Die 3. Liga würde weiterhin mit 20 Mannschaften spielen.

Auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag am 25. Mai soll über den weiteren Saisonverlauf in der 3. Liga, Auf- und Abstieg sowie die kommende Saison abgestimmt werden.

cke/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 14. Mai 2020 | 19:30 Uhr

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