Fußball | Fanproteste Verbales Abrüsten: DFB will mit den Fans reden

Schmähplakate, teils hysterische Reaktionen: Das Verhältnis zwischen dem DFB und der aktiven Fanszene ist schwer gestört, seit der Wiedereinführung von Kollektivstrafen. Jetzt kommt ein Friedensangebot aus der DFB-Zentrale.

Dortrmunder Fans halten einen Banner mit DFB Logo und Fadenkreuz hoch
Bildrechte: imago images/Sven Simon

Der Deutsche Fußballbund sucht nun doch wieder den Dialog mit den Fans. Nach den Protesten der letzten Wochen will der Verband auf die aktive Szene zugehen. "Noch vor dem kommenden Bundesliga-Wochenende wird es ein Treffen mit der AG Fankulturen geben, um den konstruktiven Dialog mit den Fanorganisationen auch in dieser emotionalen Thematik aufzunehmen", hieß es dazu in einer Verbandsmitteilung vom Dienstag. Dabei soll auch ein Diskurs darüber gestartet werden, "welche Formen - auch der überspitzten - Kritik gangbar sind und wo eine rote Linie verläuft".

Selbstkritik und eine rote Linie

Ein überraschender Schritt, wenn man auf die zahlreichen Debattenbeiträge auch von DFB-Funktionären der letzten Tage verfolgte. Mit Blick auf die vielen Spielunterbrechungen wegen diverser Banner in den Kurven übte der DFB auch Selbstkritik: "Wenn in Berlin Fangruppen ihren Unmut gegenüber Entscheidungen des DFB mit einer harten Wortwahl zum Ausdruck bringen, muss das der DFB selbstverständlich aushalten. Und auch gegen kreative Spruchbänder, wie sie von Fans des MSV Duisburg zu sehen waren, ist nichts einzuwenden."

Beim Spiel Duisburg gegen Meppen war das Spiel unterbrochen worden, nachdem in der MSV-Kurve ein Banner “Hat der Dietmar genug Kohle, wird zu seinem Schutz und Wohle, von Leuten, deren Wort nichts wert, mal wieder jemand ausgesperrt“ gezeigt wurde. Personifizierte Gewaltandrohungen und diskriminierendes Verhalten werde aber auch künftig nicht geduldet.

Plakate der Duisburg-Fans gegen Dietmar Hopp
Plakate der Duisburg-Fans gegen Dietmar Hopp Bildrechte: imago images/Werner Scholz

DFB-Präsident lädt zum Dialog

DFB-Präsident Fritz Keller lädt nun verschiedene Fanvertreter zum Dialog. "Sollte es uns nicht gelingen, einen respektvollen Umgang mit kritischen Themen des Fußballs, aber auch den Umgang miteinander zu gestalten, befürchte ich, dass wir alle gemeinsam verlieren: Fans, Verband, Vereine - eben jene, die den Fußball lieben", heißt es in einem Brief Kellers an die Fans.

Dynamofans im Gästeblock mit Spruchband: Auch wenn das Sportgericht wieder Kollektivstrafen ausspricht, ist Herr Hopp des Schlafs beraubt, denn Sterbehilfe ist jetzt erlaubt
Spruchband von Dynamo-Fans in Regensburg: "Auch wenn das Sportgericht wieder Kollektivstrafen ausspricht, ist Herr Hopp des Schlafs beraubt, denn Sterbehilfe ist jetzt erlaubt." Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner

Eskalation nach Wiedereinführung von Kollektivstrafen

Entzündet hatte sich der aktuelle Konflikt zwischen aktiver Fanszene und dem DFB an der Wiedereinführung der eigentlich seit 2017 abgeschafften Kollektivstrafen. Nachdem das DFB-Sportgericht für Fans von Borussia Dortmund eine allgemeine Sperre des Auswärtsblocks in Hoffenheim ausgesprochen hatte, eskalierte die Situation. Ultras verschiedener Vereine solidarisierten sich, zeigten ähnliche Banner, die u.a. Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp im Fadenkreuz zeigten, um so eine ähnliche Bestrafung zu provozieren. Mehrere Spiele wurden unterbrochen, in Berlin und Hoffenheim drohte sogar ein Spielabbruch.

Dortmunder Fans brennen Pyros ab und protestieren gegen den DFB.
Nach bundesweiten Protesten in den Stadien gegen den DFB waren 2017 Kollektivstrafen praktisch abgeschafft. Bildrechte: imago/MIS

Fanverbände kritisierten das scharf, auch das verbale Aufrüsten von Sportfunktionären. "Kollektivstrafen waren und sind ein völlig untaugliches Mittel, um nachhaltig auf das Verhalten von Fankurven Einfluss zu nehmen", heißt es in einer Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte.

dpa/sid

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