Fußball | Bundesliga Einige Fragezeichen beim USV Jena - Quarantäne-Trainingslager in Hessen

In zehn Tagen muss der FF USV Jena nach langer Zwangspause wieder in der Liga ran. Doch vor dem Restart am 7. Juni ist noch einiges zu tun beim abstiegsbedrohten Bundesligisten - etwa ein Quarantäne-Trainingslager. Das kann aufgrund der Verfügunglage aber nicht in Thüringen stattfinden, weswegen der USV nach Hessen ausweichen will. Und da ist auch noch nicht klar, wer alles mit machen darf. Wir sprachen mit Geschäftsführer Christoph Schliewe über die aktuelle Situation.

1. FFC Frankfurt gegen FF USV Jena  Torjubel
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Frage: Der DFB-Bundestag hat am Montag endgültig entschieden, dass die Saison in der Frauen-Bundesliga fortgesetzt wird. Der USV hatte sich zuletzt auch dafür ausgesprochen. Sie müssten also zufrieden sein mit der Entscheidung?

Christoph Schliewe: "Wir hatten uns immer für eine sportliche Lösung ausgesprochen, haben aber auch von Anfang an ein großes 'Aber' dahinter gestellt. Wir haben stets gesagt, dass die Rahmenbedingungen passen müssen und die Umsetzung der Bedingungen machbar sein muss. Bei der Planung haben sich auch gleich Probleme ergeben, welche wir auch angesprochen haben. Wir waren also nie uneingeschränkt dafür, aber der zweite Halbsatz wurde leider bei der Berichterstattung oft vergessen."

Also sind Sie eher unzufrieden über die Fortsetzung?

Schliewe: "Das Wichtigste für uns ist die Gesundheit unsere Spielerinnen. Wir haben im Laufe der ganzen Planungen ein paar Probleme entdeckt, weil in Jena auch eine andere Verfügungslage vorliegt als in anderen Bundesländern. Daraus entsteht auch die Sondersituation, dass wir noch kein Mannschaftstraining absolvieren konnten. Ohne eine adäquate Vorbereitung sehen wir aber gerade in Bezug auf die sieben Spiele in knapp vier Wochen eine höhere Verletzungsgefahr auf unsere Spielerinnen zukommen. Wir wollen aber auch nicht das Team sein, das jetzt ständig weiter herummeckert, weil wir nicht unseren Willen bekommen haben. Die Probleme wurden oft angesprochen, aber es konnten nicht alle gelöst werden. Jetzt heißt es, den Blick nach vorne zu richten und Lösungen zu finden."

Christoph Schliewe, Geschäftsführer USV Jena
Christoph Schliewe, Geschäftsführer USV Jena Bildrechte: FF USV Jena/Jürgen Scheere

Einige Spielerinnen aus ihrem Team hatten sich am vergangenen Wochenende via Facebook und Instagram noch einmal an den DFB gewandt. Dort wurde unter anderem angeprangert, dass die Spielerinnen nicht befragt wurden. Gab es da im Nachgang noch einen Kontaktaufnahme durch den Verband?

Schliewe: "Zunächst einmal: Die Aktion kam nicht vom Verein, die haben sich die Spielerinnen intern ausgedacht. Ich finde es gut, dass sie ihre Meinung äußern. Wir nehmen das Thema entsprechend ernst und stehen hinter unseren Spielerinnen, weil sie die wichtigsten Akteure in unserem Geschäft sind. In Deutschland geht die Richtung ja auch wieder dahin, dass wir Fußballerinnen und Fußballer wollen, die eine klare Meinung haben, die vielleicht auch mal nicht ganz so konform sind. Deshalb finde ich es gut, dass sich unser Team geäußert hat.

In Deutschland geht die Richtung ja auch wieder dahin, dass wir Fußballerinnen und Fußballer wollen, die eine klare Meinung haben, die vielleicht auch mal nicht ganz so konform sind. Deshalb finde ich es gut, dass sich unser Team geäußert hat.

USV-Geschäftsführer Christoph Schliewe zur Kritik einiger Spielerinnen am DFB

Was auch sehr positiv ist, dass es eine Kontaktaufnahme und ein Gesprächsangebot seitens des DFB gab, welches wir angenommen haben und demnächst als Videokonferenz umsetzen werden. Von DFB-Seite werden dann auch Verantwortliche, die in den Planungen zur Wiederaufnahme involviert waren, dabei sein. Mal schauen, ob sich dort noch ein paar Probleme aus der Welt räumen lassen." 

Sie haben jetzt knapp zwei Wochen Zeit, sich nach der langen Pause wieder in Form zu bringen und Abläufe einzustudieren. Wie trainieren das Team aktuell? Was kann in dieser kurzen Zeit überhaupt gelingen?

Schliewe: "Seit Anfang letzter Woche ist bei uns Kleingruppentraining erlaubt. Es werden dabei mehrere Spielerinnen von einem Coach trainiert. Aber das gleicht eher einem Individualtraining, weil die Spielerinnen ja keinen Kontakt haben dürfen. Das hat nichts mit Mannschaftstraining oder überhaupt dem Kontaktsport Fußball zu tun. Vor dem ersten Spiel müssen wir das Quarantäne-Trainingslager außerhalb von Thüringen beziehen. Dann haben wir knapp eine Woche Zeit für Mannschaftstraining. Dabei wird die Verletzungsprophylaxe ganz klar im Vordergrund stehen."

Sie haben es schon gesagt: In Jena sind die Corona-Regeln sehr streng. Die männlichen Kollegen des FC Carl Zeiss müssen sich ebenfalls in einem anderen Bundesland auf die Fortsetzung des Ligabetriebs vorbereiten. Ihr Vereinsvorsitzender Torsten Rödiger hatte dies aber abgelehnt wegen der weiteren Verpflichtungen der Spielerinnen wie Abiturprüfungen oder Studium. Wie soll die weitere Vorbereitung dann überhaupt ablaufen? Und wo?

Schliewe: "Wir planen das Trainingslager in der Sportschule im hessischen Grünberg. Das wird unsere einzige Möglichkeit sein, ein Mannschaftstraining zu absolvieren. Wir hatten zu Beginn der Wiederaufnahmepläne gesagt, dass wir einen Umzug in ein anderes Bundesland nicht über vier Wochen stemmen können, nur um diese Spiele zu Ende zu bringen. Das liegt eben an den Verpflichtungen unserer Spielerinnen, aber auch von Personen aus dem Betreuerteam, die nicht einfach für einen Monat pausieren können."

Gibt es dann für diese Woche Vereinbarungen mit Schulen, Universitäten und Arbeitgebern?

Schliewe: "Wir haben das jetzt versucht, so gut wie möglich zu lösen. Natürlich birgt das auch Schwierigkeiten. Die Spielerinnen, die etwa in den Abiturprüfungen stecken, werden teilweise freigestellt oder haben weniger Trainingsphasen. Mit den Arbeitgebern einiger Spielerinnen sind wir in Gesprächen, um Lösungen zu finden. Da muss man auch die Arbeitgeber verstehen. Aber viele Firmen sind Partner von uns, deswegen laufen die Gespräche völlig offen. Wir sind auf einem guten Weg, einen schlagkräftigen Kader zusammenzubekommen. Aber natürlich ist das nicht optimal und es gibt auch ein paar Härtefälle. Noch ist nicht bei allen zu 100 Prozent sicher, ob sie mit ins Trainingslager kommen können. Sollte eine Spielerin nicht am Trainingslager teilnehmen können, dann darf sie ja nur das erste Spiel nicht bestreiten. Danach kann sie nach zwei negativen Testungen wieder ins Mannschaftstraining und den Spielbetrieb einsteigen."

Christopher Heck spricht zu Mannschaft
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Was ist denn noch drin in dieser Spielzeit?

Schliewe: "Durch die Gesamtsituation haben sich die Voraussetzungen für uns nicht unbedingt verbessert. Natürlich war es auch vorher schon schwierig. Trotzdem bleibt es eine kleine Wundertüte. Wie bereits gesagt, liegt das Hauptaugenmerk auf einem verletzungsfreien Spielbetrieb. Viele unserer Spielerinnen sind noch sehr jung und haben noch eine hoffentlich lange Karriere vor sich. Die soll nicht durch diese besonderen Bedingungen gefährdet werden. Das heißt nicht, dass wir die Spiele schon im Vorhinein abschenken. Wir werden immer unser Bestmögliches geben. Aber ich will keine Prognose abgeben, zu wie viel Prozent wir nun in der Liga bleiben oder absteigen müssen. Man weiß ja auch nicht, wie die anderen Mannschaften so drauf sind."

Am vergangenen Dienstag wurde die Übertragung des Spielrechts an den FC Carl Zeiss Jena zum 1. Juli verkündet. Wie sieht die Zukunft des Vereins aus? In welcher Spielklasse sehen Sie das Frauen-Team?

Schliewe: "Grundsätzlich planen wir die kommende Saison für beide Ligen, weil einfach nicht abzusehen ist, wie die Spielzeit nun ausgeht. Aber unser grundlegendes Konzept ist jetzt nicht auf Bundesliga, Champions League oder so etwas ausgelegt. Wir sehen uns als Ausbildungsverein, dessen oberster Stellenwert es ist, jungen Talenten einen dualen Weg zu ermöglichen. Deshalb wird unser Konzept in den nächsten Jahren auch weiter dahin gehen, dass wir eine sehr starke Nachwuchsschmiede aufbauen. Das war auch der Grund für die Zusammenführung. Dann wollen wir uns langfristig in einer Liga wiederfinden, in der wir unsere Talente bestmöglich ausbilden können.

Unser grundlegendes Konzept ist jetzt nicht auf Bundesliga, Champions League oder so etwas ausgelegt. Wir sehen uns als Ausbildungsverein, dessen oberster Stellenwert es ist, jungen Talenten einen dualen Weg zu ermöglichen.

USV-Geschäftsführer Christoph Schliewe

Wenn dies mittelfristig die zweite Liga ist, wir aber unsere Spielerinnen so entwickeln können, dass sie zur Elite Deutschlands gehören, dann ist das in Ordnung. Natürlich hat die erste Liga Vorteile. Es ist natürlich auch Prestige, dass wir dort spielen und uns dort lange halten konnten. Aber wir mussten in den letzten Jahren auch häufig kämpfen, drin zu bleiben. Und natürlich wird sich der Frauenfußball in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln. Da müssen wir dann schon schauen, wie wir dort mithalten können. Aber ich glaube, dass die Übertragung des Spielrechts an Carl Zeiss ein guter Schritt ist. Das Wichtigste bleibt, dass wir unseren Nachwuchs bestmöglich fördern können, damit sie zu den besten Spielerinnen des Landes werden."

Mit Christoph Schliewe sprach Raphael Honndorf.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 07. Juni 2020 | 16:30 Uhr

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