Fußball | Bundesliga RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff: "Irgendwann wird es eben existenzbedrohend"

In einer Medienrunde via Telefon sprach RB Leipzigs Geschäftsfüher Oliver Mintzlaff am Mittwoch ausführlich über Mittel und Wege, die Bundesliga-Saison zu Ende bringen zu können, die schwelende Solidaritätsdiskussion zwischen den Klubs und wie die Corona-Krise auch seinen Klub wirtschaftlich beeinträchtigt. Wir haben die wichtigsten Passagen notiert.

Oliver Mintzlaff
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Frage: Herr Mintzlaff, wie groß sind die Chancen, dass es in drei Wochen weitergehen kann?

Oliver Mintzlaff: "Ich gehe nicht davon aus, dass wir in drei Wochen zur Normalität zurückkehren und gut gelaunt in einem ausverkauften Stadion sitzen. In der DFL-Sitzung wurde auch nicht gesagt, dass wir in drei Wochen wieder spielen, sondern dann beraten, wie es weitergeht. Das hängt sicher auch davon ab, wie sich das Coronavirus ausgebreitet und welche Maßnahmen die Bundesregierung ergriffen hat."

RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff
RBL-Geschäftsführer stand am Mittwoch via Telefonkonferenz Rede und Antwort. Bildrechte: imago images/photoarena/Eisenhuth

Ab Freitag (20. März, Anm.) soll bei RB Leipzig wieder trainiert werden. Unter welchen Bedingungen? Wie wird das aussehen?

"Vor acht Tagen hatten wir noch ein Champions-League-Spiel. Wie sich alles seitdem entwickelt hat, ist sehr dramatisch. Für die Spieler war es eine Aktivpause, sie hatten ja einen Laufplan mit. Aber das wird sicherlich kein normales Training. Was das Trainerteam geplant hat, ob in Gruppen trainiert wird, steht noch nicht fest."

Ich gehe nicht davon aus, dass wir in drei Wochen zur Normalität zurückkehren und gut gelaunt in einem ausverkauften Stadion sitzen.

RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff

Wovon hängt es denn ab, ob trainiert wird? Sie können auf dem Privatgrund ja tun und lassen, was Sie wollen, oder?

"Was heißt 'tun und lassen' – wir haben ja den Spielern und deren Familien gegenüber eine Verantwortung. Wir nehmen auch unsere Rolle in der Gesellschaft als Fußballklub ernst. Wir gehen nicht leichtfertig mit der Situation um. Wir überlegen schon, wie wir Risiken minimieren können. Wir orientieren uns an den Maßnahmen und Vorgaben – auch wenn wir hinter verschlossenen Türen trainieren."

Die EM wird verschoben und der Europacup ausgesetzt. Erhöht das die Chance, dass die Liga zu Ende gespielt werden kann?

"Die Wahrscheinlichkeit ist etwas größer, weil wir mehr Zeit haben und flexibler Spieltage ansetzen können, um die Liga bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen. Wie wahrscheinlicher es ist, hängt aber auch davon ab, wie sich das Coronavirus noch weiter verbreitet und welche Maßnahmen die Bundesregierung trifft."

Oliver Mintzlaff Geschaeftsfuehrer und Vorstandsvorsitzender RB Leipzig re. und Julian Nagelsmann Trainer RB Leipzig li. im Gespräch vor dem Training von RB Leipzig 09.01.2020.
Oliver Mintzlaff im Gespräch mit Cheftrainer Julian Nagelsmann. Bildrechte: imago images/opokupix

Man hat den Eindruck, die Bundesliga ist in ihrer Existenz bedroht, einige Vereine können dem nicht lange standhalten.

"Die Vereine sind am Ende des Tages alles mittelständische Unternehmen. Die sind genauso betroffen wie der Gastronom oder andere Unternehmen, die ihren Betrieb einstellen müssen. Die Frage ist immer, wie lang diese Phase ist. Irgendwann wird es eben existenzbedrohend. Deswegen müssen wir schauen, dass wir die Bundesliga-Saison zu Ende bringen. Das hätte sonst massive wirtschaftliche Einschnitte. Möglicherweise hat dann der eine oder andere Verein größere Probleme. Die betreffen dann nicht nur mögliche Transfers, sondern es geht dann darum, ob man den Spielbetrieb noch aufrechterhalten kann."

Die FIFA hat angedeutet, dass das Transferfenster angepasst wird. Ist das ein richtiger Schritt?

"Derzeit kann sich niemand ein Transferfenster vorstellen, wie wir es bis jetzt kennen. Auch da muss man schauen, wie sich die Situation entwickelt."

Sollten die großen den kleinen Klubs beistehen? Hans-Joachim Watzke hat für seine jüngsten Aussagen ja viel Kritik einstecken müssen.

"Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass Herr Watzke für die gesamte Bundesliga ausreichend Solidarität mitbringt. Da sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Wir müssen jetzt gemeinsam die besten Maßnahmen treffen und hoffen, dass wir die Bundesliga-Saison zu Ende bringen. Die Chance, dass das ohne Zuschauer stattfindet, ist relativ groß. Aber das haben die meisten sowieso schon abgeschrieben.

Wir müssen jetzt gemeinsam die besten Maßnahmen treffen und hoffen, dass wir die Bundesliga-Saison zu Ende bringen. Die Chance, dass das ohne Zuschauer stattfindet, ist relativ groß. Aber das haben die meisten sowieso schon abgeschrieben.

RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff

Im Übrigen verstehe ich nicht, warum sich Düsseldorf mal wieder hinter den eigenen Ultras versteckt und Geisterspiele noch vor der DFL-Versammlung hinterfragt. Da fordere ich mehr Solidarität ein. Niemand möchte Geisterspiele. Keiner findet das gut, ob Fan oder Funktionär, ob Spieler oder Greenkeeper – keiner will Fußballspiele ohne Fans. Die Frage ist aber, ob wir als Solidargemeinschaft die Bundesliga so weiter fortführen können, wie sie momentan besteht."

Bayerns Ministerpräsident Söder hat die Bundesliga-Profis zum Gehaltsverzicht aufgefordert.

"Das möchte ich nicht kommentieren. Aber wenn alle Vereine solidarisch miteinander umgehen, haben wir eine Chance. Beim nächsten DFL-Meeting Ende März werden weitere Themen besprochen. Dem will und kann ich nicht vorgreifen. Inwieweit Solidarfonds ein Thema werden, werden wir sehen. Keiner hat ein Interesse daran, dass sich Vereine vom Spielbetrieb abmelden müssen. Dass wir da eng zusammenstehen müssen und werden – dahinter sehe ich kein Fragezeichen."

Keiner hat ein Interesse daran, dass sich Vereine vom Spielbetrieb abmelden müssen. Dass wir da eng zusammenstehen müssen und werden – dahinter sehe ich kein Fragezeichen.

RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff

Wird es auch bei RB Leipzig Kurzarbeit geben?

"Wir übernehmen für unsere über 400 Mitarbeiter Verantwortung. Unser oberstes Ziel ist es, dass wir keine Einschnitte beim Personal vornehmen müssen. Niemand soll seinen Arbeitsplatz verlieren. Wir saßen bereits zusammen und haben ein Paket beschlossen, mit drastischen Einsparungen und Kürzungen, mit Streichungen von  Investitionen und Kampagnen. Das gibt uns etwas Luft, durch diese schwierige Phase zu gehen. Wer denkt, dass Red Bull bei uns jedes Loch stopfen kann, hat unseren Weg immer noch nicht verstanden. Wir hoffen, dass sich die allgemeine Situation bald ändert, weil auch wir nicht alles wirtschaftlich auffangen können."

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notiert von Sven Kups

Julian Nagelsmann 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fr 13.03.2020 12:15Uhr 01:05 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-390862.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 18. März 2020 | 19:30 Uhr

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