Fußball | Bundesligen Leipziger Virologe Liebert kritisiert DFL-Konzept: "Rate dringend davon ab"

Um den Spielbetrieb in der 1. und 2. Bundesliga wieder aufnehmen zu können, hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ein umfangreiches Maßnahmen-Konzept auf den Tisch gelegt. Aus Sicht des Leipziger Virologen Professor Uwe Liebert gestaltet sich dieses jedoch bedenklich – eine Wiederaufnahme der Saison kommt zu früh.

Gerd Uwe Liebert, Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Leipzig
Gerd Uwe Liebert, Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Leipzig Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Satte 41 Seiten umfasst das Konzeptpapier der "Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetriebs im Profifußball" der DFL. Darin enthalten sind umfangreiche Tests sowie medizinisch-hygienische Maßnahmen, um einen Re-Start in den Bundesligen ermöglichen zu können.

"Möglich, auch in jungen Jahre zu erkranken"

Vor einer solchen Wiederaufnahme des Spielbetriebs hat der Leipziger Virologe Professor Uwe Liebert nun ausdrücklich gewarnt. "Wir wissen zum einen noch nichts über die Langzeitfolgen einer Erkrankung mit Covid-19", gab der Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Leipzig in der "Mitteldeutschen Zeitung" (27.04.2020) zu bedenken. Dabei verwies er auf einen 31-Jährigen Verstorbenen, der zu keiner Risikogruppe zählte und keine Vorerkrankungen hatte: "Es ist möglich, auch in jungen Jahren an dem Virus schwer zu erkranken oder zu sterben", urteilte Liebert.

Worte, die der DFL mit Sicherheit nicht gefallen werden. Schließlich sieht sich der Verband auf einem guten Weg, die Saison mit Geisterspielen doch noch zu Ende bringen zu können. So hatten bereits die Ministerpräsidenten Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) und Markus Söder (Bayern) positiv auf die Vorschläge der DFL reagiert. 

DFL-Pläne bergen hohes Risiko

Liebert hält das Konzept der DFL jedoch für bedenklich. "Eine Infektion kann man erst nach 48 Stunden Minimum nachweisen", so der Virologe. Die geplante Maßnahme nur gezielt Mitspieler oder Betreuer infizierter Spieler unter Quarantäne zu stellen, berge zudem ein hohes Risiko: "Aus meiner Sicht sind alle mit einem Fußballer in Kontakt stehenden Menschen Kontakte ersten Grades", so Liebert. Im Falle einer Infektion müssten daher "alle in Quarantäne, möglicherweise auch das gegnerische Team."

Entgegen der DFL-Pläne plädiert der 66-Jährige deshalb dafür, einen anvisierten Re-Start in der Bundesliga weiter auf Eis zu legen und abzuwarten, wie sich die Infektionsdynamik nach der Lockerung der Kontaktsperre-Maßnahmen entwickelt. "Vorher rate ich dringend davon ab, in irgendeine Offensive zu gehen", so Liebert.  

Entscheidung bereits am Donnerstag?

Die Bewertung des Konzepts durch den Leipziger Universitätsprofessor wird mit Sicherheit auch am kommenden Donnerstag in der Politik ein Thema sein. Denn dann beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs über die weitere Handhabung mit der aktuellen Situation.

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/44acacc5-0fe9-40ba-80bc-4605279cc72c was not found on this server.