Bundesliga-Analyse der Leipziger Handelshochschule Drei Erstligisten sind existentiell bedroht

Die Handelshochschule Leipzig (HHL) hat eine aktuelle wirtschaftliche Analyse der 36 Vereine in der 1.  und 2. Bundesliga vorgelegt. Darin werden in Deutschlands Top-Liga drei Klubs als existenzbedroht eingestuft: Schalke 04, Union Berlin und der SC Paderborn. Schalke hat seine wirtschaftlichen Probleme ja bereits selbst öffentlich gemacht, die beiden Aufsteiger aus Berlin und Paderborn weisen die Einschätzung der Studie massiv zurück. Die Analyse beruht nur auf öffentlich verfügbaren Zahlen.

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Sport im Osten Di 12.05.2020 11:00Uhr 21:05 min

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Wie steht es derzeit finanziell um die Vereine in der 1. und 2. Bundesliga? Können sie die Krise finanziell überstehen? Das waren die Kernfragen der Studie, die Prof. Hennig Zülch von der Handelshochschule Leipzig heute veröffentlicht hat.

Union und Paderborn wehren sich gegen Vorwürfe

13 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga haben derzeit wirtschaftliche Probleme, sechs seien laut der Studie sogar existentiell bedroht. Die Ergebnisse decken sich mit den Zahlen, die die Deutsche Fußball Liga bereits im April kommuniziert hat. Die HHL-Studie nennt im Gegensatz zur DFL allerdings die Namen der Vereine.

Schalke 04 ist sicher keine Überraschung, der Traditionsverein hat bereits seit Wochen seine wirtschaftlichen Probleme öffentlich gemacht. Ebenfalls als existenzbedroht werden SC Paderborn und Union Berlin eingestuft. Beide Aufsteiger haben sich auf MDR-Nachfrage massiv gegen diese Einschätzung gewehrt, es gebe derzeit keine existentielle Bedrohung. Union erwägt sogar rechtliche gegen diese Einschätzung in der HHL-Studie vorzugehen.

Nur 25 von 330 Seiten veröffentlicht

Die Bundesliga-Analyse der HHL umfasst angeblich 330 Seiten, veröffentlicht wurde aber nur eine Präsentation mit 25 Folien. Eingeflossen in die Analyse sind die wirtschaftlichen Kennzahlen, aber auch der sportliche Erfolg, die Qualität des Managements und die Jugendarbeit. In dieser Form ist die Studie einmalig, weshalb die Ergebnisse auch nicht verglichen werden können.

Wer in der Analyse wirtschaftliche Zahlen aus den Vereinsbilanzen erwartet, wird enttäuscht. Deshalb kann auch nicht genau nachvollzogen werden, welche Gründe genau die Vereine in die wirtschaftliche Schieflage gebracht wird. Kritik am kaufmännischen Verhalten der Krisenklubs, formuliert die Studie nicht explizit.

"Die 50+1 Regel ist in dieser Form nicht überlebensfähig"

Prof. Dr. Henning Zülch (HHL Leipzig)
Prof. Henning Zülch Bildrechte: Handelshochschule Leipzig

Die Fehleranalyse ist sehr zurückhaltend und oft eher theoretisch: "Die finanzielle Situation ist bei vielen Klubs bedrohlich, da nur wenig Wert der Strategieformulierung und –operationalisierung beigemessen wird", sagt Prof. Henning Zülch, der die HHL-Studie verantwortet. Auch viele andere Kritikpunkte sind sehr zurückhaltend formuliert. Die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien müsse überprüft und der Zugang für strategische  Investoren ermöglicht werden. Im MDR-Interview ist Zülch konkreter geworden: "Die 50+1 Regel ist in dieser Form nicht überlebensfähig." Allerdings fordert er nicht die radikale Abschaffung, sondern eine Modifizierung.

Hohe Ablösesummen werden seltener

Bei den Handlungsempfehlungen, die die Studie liefert, wird die Bedeutung der Nachwuchsarbeit herausgehoben. Sie müsse künftig ein "Kernelement" der Klubs werden. Dann kann man auch unabhängiger von den Entwicklungen am internationalen Transfermarkt werden. Denn Einschnitte werden durch die Corona-Pandemie auch den Fußball erreichen. "Nur wenige Klubs werden noch in der Lage sein, hohe Ablösesummen zu zahlen", glaubt Zülch. Auch bei den Gehältern müsse es Veränderungen geben, allerdings würde das wohl "der Markt regeln".

Bundesliga muss sich neu ausrichten

Das Fazit der Studie lautet: Die Bundesliga muss sich neu ausrichten, dann sei die Perspektive gar nicht so schlecht. Denn im Vergleich mit den vier anderen europäischen Top-Ligen steht die Bundesliga laut der Studie am besten da. Die wirtschaftliche Situation sei solide, die Fernseheinnahmen machen  im Vergleich den niedrigsten Anteil am Gesamtumsatz aus, die Gehälter sind im Verhältnis zum Umsatz deutlich niedriger, als in England, Spanien, Italien oder Frankreich. Der Ausblick der Studie ist positiv: Die Bundesliga könnte sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Thomas Müller und Robert Lewandowski
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 12. Mai 2020 | 19:30 Uhr

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