Fußball | Profis Bei Corona-Abbruch: "Das überstehen nicht alle 36 Klubs!"

Noch hofft die Fußballszene bei der Corona-Krise glimpflich davon kommen zu können: Wirtschaftsexperte Henning Zülch von der Leipziger Handelshochschule äußerte im "SpiO-Livetalk" aber große Bedenken.

Prof. Dr. Henning Zülch (HHL Leipzig)
Bildrechte: Handelshochschule Leipzig

"Je weiter runter Sie gehen, desto größer ist die Bombe, die tickt", sagt Professor Dr. Henning Zülch (Handelshochschule Leipzig) im "SpiO-Livetalk" am Dienstag (31.03.2020). Der Fußballfan und Wirtschaftsexperte befürchtet wegen der Corona-Pandemie "massive Auswirkungen" auf das Geschäft mit dem runden Ball.

Vier Bundesliga-Klubs krisengefährdet

Er arbeitet mit seinem Team gerade an einer Analyse der 18 Erstliga-Klubs in Zeiten von Corona. Ende April will er damit, dann mit allen 36 Klubs der ersten beiden Ligen, an die Öffentlichkeit gehen. Eine der Fragen: Wie gefährdet sind die Bundesliga-Vereine durch die Krise? Das Problem: Es gibt unterschiedliche Rechtsformen und höchst unterschiedliche Transparenz bei den Finanzzahlen. Vier Vereine hält er derzeit für krisengefährdet: einer aus dem Ruhrpott, zwei weitere aus NRW und einen aus dem Osten. RB Leipzig ist das nicht: "Bei denen sind die Infos zwar rar gesät, aber die haben jetzt Champions-League-Beiträge gespendet, denen geht es nicht so schlecht." Wichtig für ihn, um eine solche Krise zu überstehen, ist eine Eigenkapitalquote, die höher als 50 Prozent sein sollte. Damit habe man einen Puffer, um sechs bis neun Monate zu überstehen.

Leipziger Jubel nach Spielschluss
Viertelfinalist RB Leipzig profitiert von den Einnahmen in der Königsklasse. Bildrechte: PICTURE POINT/Roger Petzsche

Er hofft, dass Geisterspiele zumindest die TV-Erträge sichern können. Müsse die Saison sogar abgebrochen werden, kann er sich nicht vorstellen, dass alle 36 Erst- und Zweitliga-Vereine die Krise überstehen werden.

Die 36 Klubs wird es in dem Maße nicht mehr geben.

Henning Zülch zur Situation der Teams in den Bundesligen bei einem Saisonabbruch

Lösung Geisterspiele? Vereine hängen vom Ticketing ab

Je weiter runter man in den Ligen gehe, umso mehr sind die Klubs in der Bredouille – und das auch bei Geisterspielen. Nehmen wir die 3. Liga:  "Die finanziellen Probleme dort werden sich massiv verschärfen. Die Vereine hängen sehr vom Ticketing ab. Dazu gibt es regionale Sponsoren, die ja auch Probleme haben, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten". Ein noch düsteres Bild zeichnet er für die Regionalligen: "Sie wird es in dieser Gestalt nicht mehr geben. Schon jetzt gibt es ja viele Klubs, die nur über einzelne Sponsoren über Wasser gehalten werden." Zülch sieht einen Flächenbrand – mit einer harten Empfehlung: "Macht es wie mittelständige Unternehmen: Geht insolvent und startet ganz neu!" Denn es könne sein, dass man das alles einfach nicht stemmen könne.

Magdeburger Fans machen Stimmung.
Geisterspiele sind für die Vereine in der 3. Liga noch schlechter als für die Klubs in der 1. und 2. Liga. Hier der Fanblock des 1. FC Magdeburg. Bildrechte: dpa

Insgesamt hofft er auf ein "Reset" im Fußballgeschäft, mit mehr Marktregulation. Das wäre eine Aufgabe für den Weltfußballverband FIFA und den europäischen Fußballverband UEFA.

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cke

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 31. März 2020 | 14:40 Uhr

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