DDR-Oberliga - Die Wendesaison Wuckel schießt FCM hoch – Erfurt überrascht gegen FCK

18. November 1989 | 11. Spieltag

Der 11. Oberliga-Spieltag ist ein Spieltag der Zahlen. Gerade mal 5.200 Zuschauer pro Spiel kamen in die Stadien. Das ist weniger als die Hälfte des bisherigen Saison-Durchschnitts. Die Kollegen der FUWO führen das auf das Desaster von Wien zurück, aber am zweiten Wochenende nach Öffnung der Mauer bevorzugten wohl viele Fans den Besuch des Westens. Dabei verpassten sie ordentliche 2,9 Tore pro Spiel, einen Vierer von Marcus Wuckel und René Müllers 190. Oberliga-Spiel in Folge.

Markus Wuckel bejubelt sein Tor
Markus Wuckel (Nr.9): Erst mit Eskapaden, dann mit Tore-Quartett Bildrechte: MDR/DRA

1. FC Magdeburg – Energie Cottbus 4:1 (2:1)

Marcus Wuckel schlägt gern über die Stränge. Außerhalb des Rasens (negativ), was ihn die Nominierung zur Nationalmannschaft kostete, aber eben auch auf dem Spielfeld (positiv), wie jetzt im Spitzenspiel gegen Tabellennachbar Cottbus.

Der 22-Jährige traf zwei Mal per Freistoß, staubte ab und nutzte eine Brust-Ablage von Steinbach für einen Volleytreffer. Vier Tore in einem Spiel sind ihm jedenfalls noch nie gelungen. Er setzte sich damit an die Spitze der Torschützenliste – vor den Cottbusser Petrik Sander, der diesmal nur den Pfosten traf (7.). Sein Energie-Team spielte auch sonst gut mit, aber gegen diesen „FC Wuckel“ war kein Kraut gewachsen. Die Partie hätte mehr als nur die 5.000 Zuschauer verdient gehabt.

1. FC Lok Leipzig – BFC Dynamo 1:2 (0:1)

Sogar nur 4.100 Fußballfans besuchten den Klassiker Lok gegen BFC. Die Berliner brauchten für den Sieg diesmal keine Hilfe vom Schiedsrichter – das erledigten die beiden Teams ganz allein. Die Leipziger, indem sie einfach ihre optische Überlegenheit und ihre Chancen (u.a. traf Bredow die Lattenunterkante/42.) nicht nutzten. Die Gäste, die mit blitzschnellen Kontern erfolgreich waren. Hätte der BFC schon vorher so abgebrüht gespielt, würde er noch im Europapokal vertreten sein.

Rot-Weiß Erfurt – FC Karl-Marx-Stadt 1:0 (1:0)

Der einzig verbliebene DDR-Vertreter im Europapokal kassierte derweil eine etwas überraschende Auswärtsniederlage. Eine unnötige dazu, denn der FCK hätte in der ersten halben Stunde bereits alles klar machen können. Doch alle Großchancen wurden vergeben. Und so rappelten sich die seit sechs Spielen sieglosen und anfangs sehr verunsichert wirkenden Erfurter auf, machten nach einem Freistoß ein Tor und verteidigten den Vorsprung am Ende heldenhaft kämpfend.

Eisenhüttenstadt – Dynamo Dresden 2:2 (0:0)

Heldenhaften Kampf gab es auch in Eisenhüttenstadt zu sehen, wo die Gastgeber das neunte Remis im elften Spiel (!) errackerten. Die Stahl-Elf holte zwei Mal einen Rückstand auf und knöpfte dem Meister völlig verdient einen Punkt ab. Trainer Günter Reinke formulierte es so: „Ich mache der Truppe ein Riesenkompliment. Sie kann zwar noch nicht schön spielen, aber dafür mit Herz, Hingabe und Leidenschaft.“

Wismut Aue – FC Carl Zeiss Jena 0:0

Kopfballduell zwischen Heiko Münch und Henry Lesser
Kopfballduell zwischen Heiko Münch (Aue;li.) und Henry Lesser Bildrechte: Frank Kruczynski

Es ist eine besondere Ironie: Die Partie im Auer Otto-Grotewohl-Stadion war mit 6.800 Zuschauern die am besten besuchte dieses Spieltages, zugleich aber auch die qualitativ schlechteste. Die ersten 45 Minuten waren ein reines Fehlpass-Festival. Nach der Pause steigerten sich die „Veilchen“, scheiterten aber an sich selbst oder an FCC-Schlussmann Bräutigam. Jena war von Anfang an nur auf einen Punkt aus und nahm diesen auch mit nach Thüringen.

Brandenburg – HFC Chemie 1:1 (0:1)

Schlimme erste 45 Minuten lieferten in Brandenburg nur die Gastgeber ab. Der HFC nutzte den chaotischen Auftritt der Gastgeber aber nur zu einem Tor. Das rächte sich nach dem Wechsel. Während bei den Hallensern plötzlich kaum noch etwas zusammenlief, drehte Brandenburg auf. Der Ausgleich durch Bletsch und der daraus folgende Zähler waren entsprechend verdient.

Bischofswerda – Hansa Rostock 1:4 (0:3)

Rostocks Trainer war nicht zu beneiden: Wegen verletzungsbedingter Ausfälle musste der Coach diesmal ohne einen einzigen Abwehrspieler antreten. Das auf dem Papier zusammengewürfelte Hansa-Team machte jedoch einen guten Job. Fuchs und Weichert spielten die völlig indisponierten und wie Absteiger auftretenden Gastgeber regelrecht schwindlig. Der Auswärtssieg hätte sogar noch viel höher ausfallen können.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. November 2019 | 16:30 Uhr

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Die Wende: Was in den letzten Tagen geschah

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In Bonn diskutiert der Bundestag über eine Wiedervereinigung. Kanzler Kohl sagt in seiner Regierungserklärung, "unsere Landsleute in der DDR müssen selbst entscheiden können, welchen Weg (...) sie gehen möchten."

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Die neue DDR-Regierung unter Ministerpräsident Hans Modrow nimmt ihre Arbeit auf. Sie wurde von 44 auf 28 Ministerposten reduziert. Neun Ministerämter werden von Mitgliedern der vorhergehenden Regierung besetzt.

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Ca. 50.000 Menschen kommen zur Demonstration des Neuen Forums in Leipzig. Es ist die erste von der DDR-Regierung genehmigte Veranstaltung der Opposition.