DDR-Oberliga - Die Wendesaison Drama-Queen DDR-Oberliga: FCM, Dynamo und FCK gleichauf

18. Mai 1990 | 25. Spieltag

Wahnsinn! Und es ist ein absolutes Novum in der DDR-Oberliga: Noch nie kämpften drei punktgleiche Mannschaften am letzten Spieltag um den Meistertitel. Aber damit nicht genug: Die gleiche Konstellation gibt es im Abstiegskampf, denn auch die drei letzten Teams sind punktgleich.

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel 1. FC Magdeburg - HFC Chemie am 18. Mai 1990: Jubel nach dem 3:1 durch Uwe Rösler
FCM: Prestige-Sieg und Punkte-Rückstand aufgeholt Bildrechte: MDR/DRA

Dreikampf um den Titel

Grund für die außergewöhnliche Tabellensituation sind die Patzer von Dynamo Dresden und FC Karl-Marx-Stadt, die nicht über Unentschieden hinauskamen. Am ärgerlichsten dürfte das für die Chemnitzer sein, die in Brandenburg die mögliche Tabellenführung verspielt haben – trotz 2:0-Führung! Dynamos 0:0 in Cottbus ist da schon „normaler“. Hatte die BSG Energie doch vor einer Woche auch dem 1. FC Magdeburg einen Punkt abgerungen. Diesmal ist der FCM durch den Sieg im Prestigeduell mit dem HFC der lachende Dritte.

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel Energie Cottbus - Dynamo Dresden am 18. Mai 1990: Ulf Kirsten nach einer vergebenen Chance
Dynamo hat fürs Saisonfinale die besten Karten. Bildrechte: MDR/DRA

Dreikampf gegen den Abstieg

Die gleiche Dramatik herrscht am anderen Ende der Tabelle. Da gewann der FC Wismut Aue gegen Rostock mit 3:2 und springt dem Oberliga-Tod vielleicht doch noch von der Schippe. Der Abstand zu Eisenhüttenstadt auf Rang 12 beträgt praktisch nur zwei Tore. Tabellenletzter ist nun Bischofswerda – trotz einen Punktgewinns gegen den FC Berlin. Das Torverhältnis der Fortschritt-Elf ist am schlechtesten, aber da es im finalen Spiel gegen Konkurrent Eisenhüttenstadt geht, ist noch alles drin.

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel Wismut Aue – Hansa Rostock 3:2 (1:2): Aues Torhüter Jörg Weißflog pariert einen Schuss von Andreas Babendererde
Wismut Aue erhielt sich seine letzte Chance. Bildrechte: Frank Kruczynski

1. FC Magdeburg – HFC Chemie 3:1 (1:0)

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel 1. FC Magdeburg - HFC Chemie am 18. Mai 1990: Das zum Elfmeter führende Foul 2 min
Bildrechte: MDR/DRA

Vielleicht hat der FCM jetzt seinen Frieden mit den Schiedsrichtern geschlossen. Nach diversen Fehlentscheidungen zu seinen Ungunsten profitierte diesmal die Streich-Elf von einer klaren Fehlentscheidung: Das zum Elfmeter und 1:0 führende Foul hatte vor dem Strafraum stattgefunden. Glück hatte Magdeburg auch insofern, dass der eigentlich deutlich bessere HFC seine Großchancen nicht nutzte. Zwei Wermutstropfen gab es für den FCM trotzdem noch: Dirk Stahmann und Dirk Schuster sind nach Gelben Karten für das letzte Saisonspiel gesperrt, was den Titelkampf deutlich erschwert.

Energie Cottbus – Dynamo Dresden 0:0

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel Energie Cottbus - Dynamo Dresden am 18. Mai 1990 1 min
Bildrechte: MDR/DRA

Vergebene Chancen gab es auch in Cottbus einige. Die besten hatte noch Dynamo Dresden, aber Ulf Kirsten (26.), Hans-Uwe Pilz (35.) und Andreas Wagenhaus (82.) schlossen zu unkonzentriert ab. Dynamo war durch das Cottbusser 2:0 gegen Magdeburg vor einer Woche gewarnt, riskierte bei weitem nicht alles. Heraus sprang nur ein Punkt, mit dem die Sachsen die Tabellenführung behaupten konnten, die Titelverteidigung nun aber nicht mehr allein aus eigener Kraft schaffen können. Der Blick geht beim Finale zum Verfolgerduell FCK-FCM.

Brandenburg – FC Karl-Marx-Stadt 2:2 (1:2)

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel FCK - Stahl Brandenburg am 18. Mai 1990: Ulf Mehlhorn bejubelt sein Tor. 1 min
Bildrechte: MDR/DRA

Nicht wenige der 5.000 Zuschauer im Stahl-Stadion fragten sich nach Ablauf der 90 Minuten, ob der FC Karl-Marx-Stadt hier gerade den Meisterschaftstitel verspielt hat. Und das völlig unnötig. Vor allem in der ersten Halbzeit dominierten die Chemnitzer, führten bereits komfortabel mit 2:0 gegen völlig indisponierte Gastgeber. Die kamen erst mit Jens Phals Anschlusstreffer „aus dem Nichts“ ins Spiel und profitierten zudem vom Ausfall der FCK-Spieler Sven Köhler und Tino Müller nach 45 Minuten. Mit Kampf und Moral verdiente sich Stahl den Punkt und verdarb dem FCK die greifbare Tabellenführung.

Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena 4:1 (2:0)

Für Erfurt ist das 4:1 doppelt wertvoll. Zum einen ist ein Sieg im Thüringen-Derby immer Balsam auf die Seele von Spielern und natürlich auch Fans. Zum anderen entledigte sich RWE mit dem 4:1 aller Abstiegssorgen. Der klare Erfolg war verdient, auch wenn Jena munter, letztlich aber auch oft ideenlos angriff. Hinten war Carl Zeiss jedoch ungewohnt arglos, was Erfurt gut zu nutzen wusste.

Wismut Aue – Hansa Rostock 3:2 (1:2)

Fünf Tore fielen auch in Aue. Die drei der Gastgeber sorgten für etwas Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt. Hansa stellte anfangs das bessere Team, drehte nach frühem Rückstand das Spiel noch vor der Pause mit überfallartigen Kontern, die eigentlich zu noch mehr Toren bzw. der Vorentscheidung hätten führen müssen. Aber Aue kämpfte sich wieder rein in die Partie und wurde in der 78. Minute von Hansa-Keeper Jens Kunath beschenkt, der veritabel danebengriff.

Bischofswerda – FC Berlin 1:1 (0:1)

Geschenke gab es in Bischofswerda keine. Im Gegenteil, beide Mannschaften kämpften aufopferungsvoll um jeden Zentimeter und letztlich um einen Punkt. Berlin war spielerisch besser, geriet aber in der zweiten Halbzeit mächtig unter Druck. Außerdem schwächte sich der noch amtierende Pokalsieger auch noch selbst: Hendrik Herzog kassierte wegen Meckerns erst Gelb und dann wegen Nachtretens die Rote Karte. Die Chance zum FCB-Sieg vergab am Ende der von mehreren Bundesligisten gejagte 16-jährige René Rydlewicz. Somit kommt es in einer Woche zum Abstiegsduell der punktgleichen „Schiebocker“ in Eisenhüttenstadt.

1. FC Lok Leipzig – Eisenhüttenstadt 2:0 (2:0)

Die Stahl-Elf hat für das Finale gegen Bischofswerda allerdings ganz schlechte Karten, wenn sie da genauso brav und bieder antritt wie in Leipzig. Dem 1. FC Lok reichte jedenfalls eine durchschnittliche Leistung, um hier zwei Punkte einzufahren. Ernüchternd auf Leipziger Seite war einmal mehr der Zuspruch der Fans: 1.400 Besucher war wieder mal der schlechteste Wert aller Partien dieses vorletzten Spieltags.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. Mai 2020 | 16:30 Uhr

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