DDR-Oberliga - Die Wendesaison Lok fällt, Kellerklubs punkten, Topteams patzen

17. März 1990 | 17. Spieltag

Das war kein guter Tag für die Favoriten: Das Top-Quartett Dynamo/ FCM/ Berlin/ FCK musste sich durchweg mit Unentschieden begnügen. Der FC Hansa nutzte das und rutschte mit einem Sieg gegen den HFC nach oben. Gedanken muss man sich derweil um den 1. FC Lok machen. Eisenhüttenstadt ist außerdem weiter auf Rekordjagd.

Szene aus dem Spiel 1. FC Lok Leipzig - Stahl Brandenburg der DDR-Oberliga am 17. März 1990
Dieser Querpass von Frank Jeske kostete Lok Leipzig einen Punkt. Bildrechte: MDR/DRA

1. FC Lok Leipzig – Stahl Brandenburg 0:1 (0:0)

Lok entwickelt sich immer mehr zum Sorgenkind der Oberliga. Zwei Pünktchen aus vier Spielen seit der Winterpause sind ein Desaster. Zumal es gegen die vier Tabellenletzten ging.

Szene aus dem Spiel 1. FC Lok Leipzig - Stahl Brandenburg der DDR-Oberliga am 17. März 1990 1 min
Bildrechte: MDR/DRA

Wieder eine Niederlage gegen einen Abstiegskandidaten. Lok-Trainer Uli Thomale gerät unter immer größeren Druck.

00:17 min

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Leipzig fehlt ein formstarker Strippenzieher im Mittelfeld – und vorn ein Vollstrecker. Denn was Olaf Marschall, Damian Halata und Bernd Hobsch an Großchancen vergaben, war hanebüchen. Das rächte sich gegen sehr agile Brandenburger, die kurz vor Schluss das Siegtor erzielten: Langer Schlag nach vorn links zu Frank Jeske, der quer passt, der völlig allein gelassene Jan Voß vollendete aus vier Metern.

Wismut Aue – Dynamo Dresden 1:1 (1:0)

Szene aus dem Spiel Aue gegen Dynamo Dresden am 17.3.1990: Matthias Sammer überspielt Ronald Färber
Matthias Sammer war wieder bester Mann auf dem Feld. Bildrechte: Frank Kruczynski

Krasse Statistik: Dynamo ist auswärts als einziges Oberliga-Team noch ungeschlagen, kam in den bisherigen acht Partien nur zu einem Sieg (1:0-Sieg in Bischofswerda zu Saisonbeginn). Das Remis zwischen dem Tabellenersten und dem Vorletzten geht in Ordnung. Dynamo war natürlich spielerisch stärker, machte sich das aber mit einfachen Fehlern selbst kaputt. Aue hatte in der ersten Halbzeit durchaus gute Ideen, nach der Pause jedoch wurde auf Kampf und Leidenschaft gesetzt, was sich auszahlte.  

Bischofswerda – Rot-Weiß Erfurt 2:1 (2:1)

Szene aus dem Spiel Fortschritt Bischofswerda - Rot-Weiß Erfurt der DDR-Oberliga am 17. März 1990 3 min
Bildrechte: MDR/DRA

Kampfstark präsentierte sich auch das Schlusslicht Fortschritt Bischofswerda. Die „Schiebocker“ hatten mit den Erfurtern auch noch ein Hühnchen zu rupfen: RWE hatte sie 1987 aus der Oberliga geschossen. Diesmal sah das jedenfalls anders aus. Bischofswerda gewann v.a. zu Beginn der ersten Hälfte fast jeden Zweikampf. Bestes Beispiel ist das erste Tor: Langer Pass, Querpass, Kopfball zum 1:0 waren alles Zweikämpfe, in denen die Gastgeber als Sieger hervorgingen. Erfurt kam erst spät ins Rollen und machte gegen Ende mächtig Druck. Gegen die Fortschritt-Elf und deren frenetische Fans lag das 2:2 aber nur in der Luft, fallen wollte es nicht.

FC Berlin – Energie Cottbus 1:1 (1:0)

Szene aus dem Spiel FC Berlin - Energie Cottbus der DDR-Oberliga am 17. März 1990 1 min
Bildrechte: MDR/DRA

Mit gerade einmal 16 Jahren hat René Rydlewicz in der Partie sein Oberliga-Debüt gegeben. Dank Berlins Personalproblemen und einer Ausnahmegenehmigung des DFV. Rydlewicz spielte frech und unbekümmert. Er könnte durchaus Karriere machen. Das 1:0 erzielte aber Eike Küttner nach einem Doppelpass mit Dirk Anders. Der Cottbuser Jörg Schwanke glich in Hälfte zwei aus 15 Metern aus. Auch sonst war die insgesamt mäßige Partie weitgehend ausgeglichen.

Eisenhüttenstadt – 1. FC Magdeburg 0:0

Bescheidenen Fußball und Personalprobleme gab es auch in Eisenhüttenstadt, wo die Stahl-Trainer Günther Reinke auf sechs Spieler verzichten musste und FCM-Coach Joachim Streich sogar den angeschlagenen Dirk Stahmann aufstellte. Bei den Gästen fehlte unter anderem „Maxe“ Steinbach, als Ruhepol. Immerhin war Torwart Dirk Heyne an Bord, der vor allem nach der Pause den einen Punkt rettete. Das Remis ist übrigens das 13. der Eisenhüttenstädter, die damit den Rekord von Turbine Erfurt (1963/64) eingestellt haben.

Hansa Rostock – HFC Chemie 2:1 (2:0)

So mancher der 10.200 Zuschauer im Ostseestadion hätte das sonnige Wetter vielleicht lieber zum Anbaden genutzt. Denn was die beiden Teams auf den Rasen zauberten, war sehr übersichtlich. Die meisten Fans konnten zumindest zwei Tore und einen Sieg der Rostocker bejubeln, der die „Kogge“ auf Rang vier beförderte. Der HFC zeigte gute Ansätze, am gegnerischen Strafraum gingen den Gästen aber zumeist die Ideen aus.

FC Carl Zeiss Jena – FC Karl-Marx-Stadt 1:1 (0:1)

Nach diesem verdienten Punktgewinn bleibt Jena in dieser Rückrunde ungeschlagen. Die erste Halbzeit allerdings gehörte den Karl-Marx-Städtern, die hinten stabil standen und gefährliche Konter setzten. Dem 1:0 von Steffen Heidrich ging aber ein schlechter Rückpass von Stefan Böger voraus. Nach dem Wechsel verstärkte Jena seine Bemühungen, setzte dabei vor allem auf Kampf und hart geführte Zweikämpfe. Jürgen Raab besorgte per Kopf das insgesamt gerechte 1:1.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 21. März 2020 | 16:30 Uhr

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