DDR-Oberliga - Die Wendesaison Wachablösung und vergurkte WM-Quali

Im August 1989 stand die DDR-Oberliga wieder in den Startlöchern. Eine aufregende Saison stand bevor, doch die Umstände waren schwierig. Dynamo Dresden sorgte zwar für etwas Euphorie im DDR-Fußball, doch die Nationalmannschaft, flüchtende Fußballer und die Politik drückten auf die Stimmung im Land.

Der DDR-Fußball war immer eine schwierige Sache. Eine sehr schwierige sogar für die Fußballfans. Diese unterstützten ihre Lieblingsklubs in der Oberliga bedingungslos, um den gleichen Spielern dann im Nationaltrikot häufig die kalte Schulter zu zeigen.

Trainer Eduard Geyer (Dresden) während der Meisterfeier mit der Siegertrophäe.
Trainer Eduard Geyer (Dresden) während der Meisterfeier mit der Siegertrophäe. Bildrechte: imago/Dehli-News

Die DDR öffentlich "Scheiße" zu finden, war eine gefährliche Angelegenheit, bei DDR-Länderspielen allerdings eine weitgehend akzeptierte Mode. Und diese Ambivalenz schien sich auch auf den Rasen zu übertragen: Während in der Oberliga und im Europacup oft sehr begeisternd gekickt wurde, lief in der Auswahl meist nur wenig zusammen.

Begeisternder Dynamo-Express

Die Saison 1988/89 - also das Jahr vor der Wendesaison - ist da ein Sinnbild. Da sorgte vor allem die SG Dynamo Dresden für viel Aufsehen: Sie arbeitete sich im UEFA-Pokal bis ins Halbfinale, schaltete dabei u.a. den AS Rom aus und musste sich erst dem VfB Stuttgart geschlagen geben.

Noch mehr begeisterte Dynamo aber in der DDR-Oberliga, wo das Team des damals 44-jährigen Eduard Geyer den allgemein verhassten Dauersieger BFC Dynamo entthronte. Nach zehn (10!) Jahren mal mehr, mal weniger von oben verordneter Berliner Dominanz schnappte sich Dresden souverän den Meistertitel und erntete dafür zwischen Ostsee und Erzgebirge großen Respekt. Die einzigen zwei Niederlagen kassierte Dynamo übrigens gegen den FC Karl-Marx-Stadt.

Jubel beim dreifachen Torschützen Halata; Damian Halata.
Jubel beim dreifachen Torschützen Damian Halata. Bildrechte: imago/Kruczynski

Dissonanzen in der DDR-Auswahl

Auf der Kehrseite der so glitzernden Medaille prangte im Sommer 1989 das DDR-Wappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Die Auswahl war trotz starker Einzelspieler keine schlagkräftige Mannschaft und hatte die durchaus machbare WM-Qualifikation zum Saison-Ende im Mai 1989 schon fast völlig verspielt. Zu den Gründen für die schwachen Auftritte bzw. schlechten Ergebnisse zählten auch Machtspielchen und Dissonanzen hinter den Kulissen.

"Die haben mit Wolfgang Spitzner einen NVA-General zum Generalsekretär gemacht. Damit zogen hier die eigentlich überwundenen 60er- und 70er-Jahre wieder ein", erinnert sich Nationaltorwart René Müller mit Grausen. Spitzner war jedenfalls kein Freund von Auswahltrainer Bernd Stange, welcher dann letztlich über eine 1:3-Niederlage in der Türkei stolperte. Dass er vorher einen Sieg angekündigt hatte, machte seine Entlassung wahrscheinlich besonders einfach.

Die DDR Mannschaft vor Spielbeginn des WM Qualifikationsspiel.
Die DDR Mannschaft vor Spielbeginn des WM Qualifikationsspiel. Bildrechte: imago/Camera 4

"Genosse Zapf"

Stanges Nachfolger Manfred Zapf allerdings war alles andere als eine gute Alternative. Eigentlich sollte der ehemalige Magdeburger an der Spitze des Trainerteams stehen, seinen beiden Assistenten Frank Engel und Heinz Werner aber nicht ins tägliche Handwerk pfuschen. Doch das hatte man ihm wohl nicht mitgeteilt, was zu einer der absurdesten Anekdoten im Leben von René Müller führte. 

"Das Trainingslager zu dem Zeitpunkt war schon Quatsch. Und dann stellte er sich vor die Spieler hin, wollte als 'Genosse Zapf' angesprochen werden und las aus einem Buch vor", beschreibt René Müller 30 Jahre später die groteske Szene. Viele Spieler hätten Zapf schon bald nicht mehr zugehört und lieber ihre Späßchen gemacht. "Ihn hat keiner mehr ernstgenommen." Der DFV zog schnell die Reißleine: Nach gerade mal sechs Länderspielen kam für den ehemaligen Magdeburger das Aus, und Dynamo-Coach Ede Geyer übernahm in einer Doppelfunktion. Aber "Italia 1990" war da schon in weiter Ferne.

Nationaltrainer Eduard Geyer und sein Co Trainer Eberhard Vogel während des letzten Länderspiels der DDR in Wien gegen Österreich, auf der Trainerbank.
Zapf-Nachfolger Eduard Geyer auf der DDR-Trainerbank. Bildrechte: IMAGO

Flüchtende Fußballer

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Unzufriedenheit herrschte zu dieser Zeit aber längst nicht nur in und mit der Nationalmannschaft, sondern im ganzen Land. Als die Kommunalwahlen im Mai 1989 massiv und nachweislich gefälscht wurden, kippte die Stimmung in der Republik endgültig. Immer mehr Menschen wollten die DDR verlassen, setzten sich über Ungarn ab - oder nutzten Fußballspiele im NSW (Nicht-sozialistisches Wirtschaftsgebiet) zur Flucht. Darunter auch einige Fußballer.

Ein prominentes Beispiel ist Axel Kruse von Hansa Rostock. Der damals 21-Jährige ergriff am 8. Juli 1989 die Chance sich abzusetzen, als der FC Hansa im Intertoto-Cup in Kopenhagen antreten musste. Vier Tage später kehrten gleich drei Spieler von Wismut Aue der DDR den Rücken: André Köhler, Jens König und Thomas Weiß nutzten ebenfalls ein Auswärtsspiel im Intertoto-Cup.

Eine Gefahr für die DDR-Oberliga-Saison 1989/90 war das noch nicht. Die Oberliga konnte wie geplant beginnen, doch die Wende in der DDR war nun nicht mehr aufzuhalten und sollte diese Spielzeit massiv prägen. Am 12. August jedenfalls stand der erste Spieltag auf dem Programm ...

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 11. August 2019 | 13:31 Uhr

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5 Kommentare

12.08.2019 15:39 oldschool 5

Der Link zu Spieltagen und Tabelle ist ja ok, aber die Ergebnisse hätten mich auch ein wenig interessiert.

12.08.2019 09:49 Jörg Lohmann 4

Warum werden die Videos nicht auf Facebook gezeigt???

11.08.2019 10:41 uralt 3

Glück Auf,

auch wenn's lange her ist, die drei aus Aue hießen Weiss, Köhler und König.

09.08.2019 15:27 Sport im Osten 2

@Zeissfan: Danke für den Hinweis. Wir haben das geändert, auch wenn Kollege Wolfgang Engel ("Sachsen-Anhalt Heute", "MDR um 11") das bedauern wird ... ;-)

09.08.2019 13:29 Zeissfan 1

Der Co vom Genossen Zapf war Frank Engel

Oberliga 1989/90

Verschiedene Mannschaftsfotos der DDR Oberliga
Bildrechte: MDR/Ullsteinbild,Aue,Lok,FCM,dpa

Sport

Der Stand in der WM-Qualifikation (Juli 1989)

Der Stand in der WM-Qualifikation (Juli 1989)

DDR - Island 2:0
Türkei - DDR 3:1
DDR - Türkei 0:2
UdSSR - DDR 3:0
DDR - Österreich 1:1

1. UdSSR - 8:2 - 8:2
2. Österreich - 6:6 - 6:4
3. Türkei - 8:6 - 5:5
4. Island - 4:7 - 4:8
5. DDR - 4:9 - 3:7