DDR-Oberliga - Die Wendesaison DDR-Länderspiel wird zur Peinlichkeit

11. April 1990 | Länderspiel

Die DDR-Fußballer haben ihr Testspiel gegen Ägypten völlig verdient mit 2:0 (2:0) gewonnen. Rahmen, Umstände und ein wenig auch das Geschehen auf dem Rasen waren allerdings unwürdig und geben zu denken.

11. April 1990, Länderspiel DDR gegen Ägypten: Matthias Sammer überwindet Ägyptens Torwart, aber das Tor wird nicht gegeben.
Matthias Sammer erzielte ein Tor - dieses hier wurde aber nicht anerkannt. Bildrechte: Frank Kruczynski

Heiko Peschke und Matthias Sammer trafen für das Team von DDR-Auswahltrainer Eduard Geyer. Ihre Tore waren allerdings die einzigen Pluspunkte in einem Testspiel, das irgendwie unter keinem guten Stern stand. Eigentlich hatte die Partie in Aue stattfinden sollen. Frühzeitige Bedenken, dass das Grotewohl-Stadion wegen der laufenden Bauarbeiten an der Haupttribüne eher ungeeignet ist, wurden jedoch in den Wind geschlagen. Erst das Veto des Fernsehens sorgte für eine sehr kurzfristige Spielverlegung nach Karl-Marx-Stadt.

Geisterspiel

Die Quittung kam prompt: Im rund 40 km entfernten Ernst-Thälmann-Stadion erwartete die DDR-Fußballer eine Geisterkulisse. Nur 1.000 Zuschauer „versammelten“ sich im Stadionrund. Hinzu kam eine weitere blamable Panne: Auf das übliche Abspielen der Nationalhymnen musste verzichtet werden, weil die neue Hymne der Gäste nicht vorhanden war.

Panne

Für die dritte Peinlichkeit des Abends sorgten dann die Fußballer. Denn was die Gäste auf dem Rasen ablieferten, war fast schon absurd. WM-Teilnehmer (!) Ägypten hat seine nationale Liga ja seit Februar ausgesetzt, die Auswahlspieler befinden sich seitdem fast durchweg in einer Art Trainingslager. Gegen die DDR-Auswahl agierten sie schließlich wie ein Drittligist gegen ein Topteam: mit Mauertaktik und Zerstörungswillen.

Einen einzigen gefährlichen Schuss brachten die Ägypter in den 90 Minuten zustande – der allerdings landete an der Latte (83.). Ansonsten musste Auswahl-Keeper Dirk Heyne nur bei gelegentlichen Rückpässen seiner Vorderleute aufpassen. Ägypten jedenfalls dürfte in dieser Form bei "Italia‘90" allenfalls Kanonenfutter sein. Die DDR-Fußballer spielten zumindest in der ersten Halbzeit noch akzeptabel. Peschke traf per Kopf, Sammer mit starkem Einsatz. Zahlreiche weitere Chancen wurden vergeben. Nach der Pause jedoch sank auch beim DDR-Team das Niveau mächtig - bei fast schon gespenstischer Trainingsabschlussspiel-Atmosphäre mit abendlichen Schneeschauern.

11. April 1990, Länderspiel DDR gegen Ägypten: Steffen Büttner (links) steigt zum Kopfball hoch.
Der Dresdner Steffen Büttner (links) machte sein zweites Länderspiel. Bildrechte: Frank Kruczynski

DDR - Ägypten 2:0 (2:0)

DDR: Heyne - Peschke, Böger, Herzog, Schuster (63. Büttner), Minkwitz, Sammer, Ernst, Wosz (68. Weidemann), Steinmann (84. Heidrich), Rösler

Ägypten: Shobeir - Eid, I. Hassan (46. Gamal), H. Ramzi, Yassin, A. Ramzi, El Kass, Abdel Ghani (46. Ragab), Youssef, Seuliman (46. Abdul Rahman), H. Hassan

Tore:
1:0 Peschke (32.)
2:0 Sammer (41.)

Rote Karte: H. Hassan (40./wdhl. Foul)

Zuschauer: 1.000

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 18. April 2020 | 16:30 Uhr

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