Basketball | DBBL Überraschende Wendung in der DBBL: Saison wird annulliert – GISA Lions bleiben erstklassig

Überraschende Wendung für die GISA Lions Halle. Nachdem der Spielbetrieb in der Damenbasketball-Bundesliga (DBBL) bereits am 12. März wegen der Corona-Krise mit sofortiger Wirkung abgebrochen wurde, galt es als beschlossene Sache, dass die Lions den Gang ins Unterhaus antreten müssen. Nun wird die Saison jedoch annulliert, wodurch es keine sportlichen Absteiger und auch keinen Meister in der DBBL geben wird.

Auszeit durch Jose Miguel Araujo und Francisco Rothes - Lions SV Halle vs. Rutronik Stars Keltern
Die Halle Lions bleiben nach einem Beschluss der DBBL erstklassig. (Archiv) Bildrechte: imago images/VIADATA

Verrückte Zeiten in der DBBL: Am 12. März gab der Verband bekannt, die Saison aufgrund der Corona-Krise vorzeitig abzubrechen und die Tabelle nach dem 21. Spieltag als finalen Stand anzusehen. Dadurch stand auch fest, dass die GISA Lions Halle sowie die Saarlouis Royals als Schlusslichter der Rangliste den Gang in die zweite Liga antreten müssen. Beide Teams stimmten dem Abstieg zu und akzeptierten die Entscheidung.

Im Nachgang des Saisonabbruchs ging es im Prinzip nur noch darum, die Spielzeit auch rein formal zu Ende zu bringen. Dafür wurde den 32 Vereinen der 1. und 2. DBBL am 15. März ein Gesellschafterbeschluss zugestellt, in dem sich die Klubs zur Entscheidung äußern sollten. Das Resultat: 30 von 32 Vereinen stimmten dem Beschluss zu und erklärten auf Rechtsmittel verzichten zu wollen. Darunter auch die Teams aus Halle und Saarlouis.

Herner TC und USC Freiburg stimmen nicht zu

Die Vereine Herner TC und Eisvögel USC Freiburg aus der 1. DBBL stimmten dem Gesellschafterbeschluss jedoch nicht zu, wodurch der Verband sich gezwungen sah, diesen zu widerrufen, wie die DBBL auf ihrer Homepage am Montag (30. März) mitteilte. Man wolle "keinen weiteren Rechtsstreit mit unvorhersehbaren Folgen in der Liga erleben", hieß es weiter. Nun wird die Saison also annulliert. Damit steht fest, dass es keine Abschlusstabelle in der 1. DBBL und der 2. DBBL Nord und Süd geben wird. Heißt im Klartext: Es gibt in dieser Spielzeit keinen Meister sowie keine sportlichen Auf- und Absteiger in der 1. und 2. DBBL.

Alexandra Belusova (Halle, 4), Krystal Vaughn (Keltern, 21), Barbora Kasparkova (Halle, 10)
Die Rutronik Stars Keltern (mi., Krystal Vaughn) standen nach 21 von 22 Spieltagen an der Spitze des Tableaus. (Archiv) Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Warum der Herner TC und der USC Freiburg gegen den Beschluss stimmten, darüber kann nur spekuliert werden. Als Tabellendritter (Herne) und Tabellenfünfter (Freiburg) mit jeweils 26 Zählern befanden sich beide Vereine zwar im oberen Ranking des Tableaus, hatten aber auch satte 14 Punkte Abstand auf den Tabellenführer Rutronik Stars Keltern (40).

Tabellenführer Keltern: "Das ist nur noch lächerlich"

Dementsprechend verwirrt äußerten sich die Kelterner zur Situation: "Kurios, dass nicht die beiden designierten Absteiger gegen den Vorschlag stimmten, sondern die völlig unbeteiligten Teams aus Freiburg und Herne", schrieben die Rutronik Stars auf ihrer Facebookseite und fügten an: "Große Anerkennung dabei für die Teams aus Saarlouis und Halle, welche die sportlichen Ergebnisse der 2019/2020 akzeptierten und einem Abstieg in die 2. DBBL zustimmten – Chapeau."

Gleichzeitig schob der Verein eine Erklärung für die Ereignisse nach – und die hat es in sich: Demnach wurde an den Klub "unter der Hand kommuniziert, dass die Entscheidung beider Vereine (Herner TC und USC Freiburg, Anm. d. Red.) einzig gegen die Rutronik Stars gerichtet war. ’Man wollte nicht, dass die Rutronik Stars zum ’Deutschen Meister 2020’ gekürt werden’ so die Aussage diverser Entscheidungsträger. Das ist wirklich nur noch lächerlich. Wegen einer eventuell persönlichen Abneigung, zwei Ligen und den DBB zu brüskieren ist ein unfassbarer Vorgang".

Die Kelterner positionierten sich auch zur ursprünglichen Entscheidung der DBBL. Denn man hätte auf den Meistertitel so oder so verzichtet: "Was bedeutet schon ein nicht erspielter Titel? Jeder in Deutschland und Europa weiß, dass die Sterne eine tolle Saison gespielt haben, das reicht völlig", stellte der Verein klar.

Auch DBBL-Präsident überrascht

Auch DBBL-Präsident Andreas Wagner zeigte sich verwundert über den Ausgang des Gesellschafterbeschlusses: "Wir hatten eigentlich einen normalen Abschluss der Saison mit Meistern und Absteigern geplant. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so weit kommt", sagte Wagner dem MDR.

Für einen geregelten Saisonabschluss hätte man allerdings eine einstimmige Entscheidung der Vereine benötigt, so der DBBL-Präsident. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen plädiere er daher dafür, "solche Eigenheiten zukünftig wegzulassen und im Sinne der Gemeinschaft zu entscheiden". Dies wäre auch im Falle des Gesellschafterbeschlusses "eine gute Sache gewesen".

Andreas Wagner (Präsident DBBL)
Andreas Wagner (Präsident DBBL) Bildrechte: imago/foto2press

GISA Lions plötzlich wieder erstklassig

Für den ehemals sportlichen Absteiger GISA Lions Halle hat die überraschende Annullierung der Saison positive Folgen. Aufgrund der neuen Entwicklungen würden die Saalestädter auch in der nächsten Spielzeit dem Basketball-Oberhaus erhalten bleiben. Ob der Verein das etwas unverhoffte Startrecht wahrnehmen wird, ist aktuell noch unklar. "Wir werden in der kommenden Woche ein Abstimmung mit den Gesellschaftern machen und entscheiden, ob wir das Startrecht wahrnehmen werden", sagte Lysann Kairies, Geschäftsführerin der Lions, auf MDR-Nachfrage.

Grundsätzlich stimme man einer Saisonannullierung zu, denn dadurch entsteht eine "einheitliche Linie", so Kairies weiter: "Auf der anderen Seite schwingt auch ein negativer Beigeschmack mit, da mit Herne und Freiburg zwei Vereine gegen den Beschluss stimmten, die von der Situation nicht persönlich betroffen waren".

Lysann Kairies - Lions-Geschäftsführerin
Lysann Kairies Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir werden in der kommenden Woche ein Abstimmung mit den Gesellschaftern machen und entscheiden, ob wir das Startrecht wahrnehmen werden.

Lysann Kairies Geschäftsführerin der Lions

Kairies: "Beide Optionen offen halten"

Die Reaktion des TC Herne und des USC Freiburg fühle sich dementsprechend an, wie eine gezielte Entscheidung gegen den Tabellenführer aus Keltern, gab Kairies zu bedenken: "Es gibt keinen anderen Grund. Keltern hat es sportlich verdient, Meister zur werden". Schließlich hätte man sich auch in Halle damit abgefunden, den Gang ins Unterhaus anzutreten.

Ob die Lions in der nächsten Saison weiter erstklassig spielen, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Man wolle sich aber weiterhin "beide Optionen offen halten", sagte Kairies. Schließlich kann aufgrund der Corona-Krise aktuell niemand wirklich planen, wie und wann es zukünftig in den Ligen weitergehen wird.

Chemcats Chemnitz: "Werden definitiv das Startrecht in Anspruch nehmen"

Positive Folgen hat die Annullierung der Saison auch für die Chemcats Chemnitz. Wie die GISA Lions stand auch der Zweitligist zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs auf einem Abstiegsrang und wird nun auf jeden Fall der Liga erhalten bleiben. "Wir werden definitiv das Startrecht für die nächste Saison in Anspruch nehmen", so Chemcats-Trainer Thomas Seltner.

Die aktuelle Situation in der DBBL stimmt aber auch ihn nachdenklich: "Das Ganze wirft kein sonderlich gutes Bild auf die Liga und die Vereine. Ich hätte eher damit gerechnet, dass Halle und Saarlouis gegen den Beschluss stimmen". 

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 31. März 2020 | 21:45 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/e93699a8-a0ad-441f-8fc8-85d099afab71 was not found on this server.