23.03.2020 | 20:09 Uhr In Sachsens Nähstuben entstehen Mundschutzmasken im Akkord

Eine Nähmaschine, daneben Gummiband und farbige Mundschütze.
Private Wohnzimmer werden vermehrt zu Nähstuben umfunktioniert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu einem sprunghaftem Anstieg der Nachfrage nach Schutzausrüstung geführt. Weil die Firmen nicht so schnell liefern können, hat Sachsens Sozialministerin Petra Köpping dazu aufgerufen, sich selbst zu helfen und den Mundschutz zu Hause zu nähen. Auch wenn sie keinen Schutz im medizinischen Bereich bieten würden, könnten sie aber bei Privatleuten die Ausbreitung des Virus verhindern helfen. Überall in Sachsen wird jetzt genäht, im privaten Wohnzimmer, aber auch bei Textilfirmen. Im Internet gibt es dafür bereits eine Anleitung zum Download.

Bei Fräulein Wundervoll werden wundervolle Masken gesammelt

Die Zwickauerin Stephanie Thieme hatte die Idee, Mundschutzmasken für Stadt und Region herzustellen. Ihrem Aufruf bei Facebook sind spontan 13 Frauen und zwei Männer gefolgt. Sie nähen jetzt Schutzmasken in allen Farben und Mustern. Die ersten 100 wurden schon an ein Pflegeheim und einige Privatpersonen abgegeben. Stoff- und Garnspenden sind auch schon bei Stephanie Thieme eingegangen und auch weiter willkommen. Gesammelt werden die Masken beim Theater in Zwickau und im Stoffgeschäft "Fräulein Wundervoll".

Eine Frau mit Mundschutz sitzt an einer Nähmaschine und fertigt einen weiteren Mundschutz.
In Zwickau werden über eine Facebook-Gruppe Stoffspenden gesammelt, aus denen Mundschutzmasken genäht werden. Bildrechte: MDR/Ralph Köhler

Raumausstatter stellt Mundschutz her

Auch in Steinpleis bei Zwickau wird neuerdings bei Farben Hölzel ein waschbarer Mundschutz produziert. Die Firma, bei der als Raumausstatter sonst Gardinen über die Nähmaschine laufen, hat die Produktion seit einer knappen Woche umgestellt. Vorerst schafft eine Näherin etwa 60 Masken am Tag, die über den Onlineshop vertrieben werden. Anfragen von Zahnarztpraxen, Physiotherapeuten und Altenheimen sind in dem Unternehmen bereits eingegangen.

Mundschutz statt Bettwäsche in Großserie

Auch im großen Stil werden in Sachsen jetzt Mundschutzmasken genäht. Die Näherei des Textilbetriebs "Damino" aus dem ostsächsischen Großschönau hat ihre Produktion auf die Schutzmasken umgestellt. Wo sonst von 140 Näherinnen im großen Stil Bett- und Tischwäsche für Hotels, Airlines und Reedereien genäht wird, laufen seit drei Wochen waschbare Mundschutze vom Band.

In einer Näherei nähen zwei Frauen mit Mundschutz.
Im Textilbetrieb "Damino" aus Großschönau wird mit Mundschutz am Mundschutz gearbeitet. Bildrechte: xcitepress/Christian Essler

Theater schneidern Mundschutz und Schutzkleidung statt Kostüme

Auch die Theater Chemnitz werden am Dienstag in ihrer Kostümschneiderei die Produktion von Mundschutzmasken starten. Da der Spielbetrieb derzeit ruht, gibt es entsprechende Kapazitäten. Um den nötigen Abstand zwischen den Mitarbeiterinnen zu gewährleisten, sollen nur die Hälfte der Arbeitsplätze belegt werden.
Die Opernwerkstätten in Leipzig produzieren seit Montag Schutzkleidung. Der Leipziger Stadtsprecher Matthias Hasberg sagte, dass bestellte Lieferungen bislang nicht eingetroffen seien und man deshalb an der Eigenproduktion festhalte.
Auch in den Kostümwerkstätten der Dresdner Staatsoperette und des Theaters Junge Generation werden seit Montag im Auftrag der Stadt Mundschutzmasken genäht.  

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.03.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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