02.01.2020 | 17:15 Uhr OB-Kandidaten für Leipzig kritisieren Connewitz-Krawalle

Bei den Krawallen in der Silvesternacht in Connewitz ist ein Polizist schwer verletzt worden. Das Landeskriminalamt ermittelt wegen des Verdachts auf versuchten Mord. Leipzigs Oberbürgermeister meldete sich bereits am Mittwoch zu Wort und verurteilte die Gewalttaten aufs Schärfste. Vertreter der Linken werfen der Polizei Eskalation und zu hartes Vorgehen vor. In wenigen Wochen stehen die Oberbürgermeisterwahlen in Leipzig an. Die Kandidaten der Parteien äußern sich zu den Ausschreitungen in Connewitz. Unter den Reaktionen: Kritik an Burkhard Jung, die Forderung mit aller Härte gegen Linksautonome vorzugehen und der Vorschlag für ein Bürgerfest am Connewitzer Kreuz.

Polizisten räumen eine Kreuzung im Stadtteil Connewitz, während im Vordergrund ein Einkaufswagen liegt.
Bildrechte: dpa

Oberbürgermeister Burkhard Jung fordert nach den Krawallen in Connewitz mehr Polizeipräsenz in dem Stadtteil. Das sagte er im Gespräch mit dem MDR.

Es kann nicht sein, dass es irgendwo einen rechtsfreien Raum gibt, wo die Polizei nicht mehr hineingeht. Das ist inakzeptabel und wir sind gut beraten, deutlich und sichtbar die Grenze aufzuzeigen. Das heißt, eine Präsenz rund um die Uhr sicherzustellen. Der Freistaat ist hier in der Pflicht Zähne zu zeigen.

Burkhard Jung Leipziger Oberbürgermeister

Jung sagte weiter, es sei unfassbar, dass ein Mensch in Uniform wie eine Sache behandelt werde. "Ich hoffe sehr, dass die Polizei Ermittlungserfolge haben wird und dass wir einen gesellschaftlichen Diskurs darüber führen, was sich gehört in einem Staat", so der Oberbürgermeister.

CDU-Kandidat Gemkow: Stadt muss sich mehr einbringen

Sebastian Gemkow
Sachsens Wissenschaftsminister und CDU-Kandidat für Leipzig: Sebastian Gemkow Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Sebastian Gemkow, der für die CDU als Oberbürgermeister kandidiert, sagte dem MDR: "Es ist kein Problem eines Stadtteils. Es ist ein Leipziger Problem, dass es eine Gruppe von Kriminellen gibt, die sich diese Stadt versucht Untertan zu machen". Gemkow beschreibt Versäumnisse in der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Polizei und fordert mehr Engagement von der Stadt: "Bei solchen Einsatzlagen muss jemand von der Stadt im Lagezentrum dabei sein."

AfD-Kandidat Neumann: Rechtsstaat polizeilich durchsetzen

Christoph Neumann Kandidat OB-Wahl Leipzig
Stadtrat Christoph Neumann kandidiert für die AfD zur Oberbürgermeisterwahl 2020. Bildrechte: AfD-Kreisverband Leipzig

Nach Ansicht des AfD-Kandidaten Christoph Neumann eskaliert die Situation immer mehr und er befürchtet, dass beim nächsten Mal jemand zu Tode kommen könnte. "Die Stadtverwaltung und der Stadtrat haben weggesehen und diesen schweren Landfriedensbruch jedes Mal nur als Randale bezeichnet. Für mich ist das Chefsache. Der Rechtsstaat muss durchgesetzt werden", sagte er dem MDR. Die Situation in Connewitz müsse abgestellt werden, auch mithilfe von polizeilichen Maßnahmen in dem Stadtteil, so Neumann weiter.

Linken-Kandidatin Riekewald: Beide Seiten tragen Verantwortung

Rufe nach mehr Polizeipräsenz teilte die OB-Kandidatin der Linken, Franziska Riekewald, nicht. Sie fordert, dass die Polizei deeskalierender auftritt. Um die Gewaltbereiten im Stadtteil zurückzudrängen, stellt sie sich einen Runden Tisch vor. Diesen Dialog müsse OBM Jung einfordern.

Franziska Riekewald
Stadträtin Franziska Riekewald Bildrechte: Die Linke, Landesverband Sachsen

Gewalt ist immer schlecht und die Polizei hat nicht sehr deeskalierend gewirkt. Beide Seiten tragen eine Verantwortung für das Geschehene. Wenn man mit Hundertschaften in einen bis zum Abend friedlichen Stadtteil eindringt, dann ist das keine Deeskalation, und beschwört die Gewalt vielleicht auch herauf.

Franziska Riekewald OBM-Kandidatin der Linkspartei

Grünen-Kandidatin Krefft: Böllerfreie Zone und Bürgerfest

Katharina Krefft
Stadträtin Katharina Krefft Bildrechte: Grüne Fraktion Leipzig

An Versäumnisse vonseiten der Stadt Leipzig glaubt Grünen-Politikerin Katharina Krefft nicht. Die Stadt habe sich intensiv mit Gewalt auseinandergesetzt. Sie findet jedoch, dass der Stadtteil Connewitz gestärkt werden müsse anstatt ausschließlich wegen Gewaltbereitschaft medial genannt zu werden, denn Connewitz sei kreativ und es leben dort viele Menschen, die keine Gewalttäter sind.

"Mein Wunsch wäre neben böllerfreien Zonen an Silvester ein Quartiersmanagement einzurichten. Gleichzeitig brauchen wir neue Ideen, wie ein Bürgerfest am Connewitzer Kreuz." Das habe in Berlin zum 1. Mai seit Jahren auch gut funktioniert und die Gewalt eingedämmt, sagte Krefft dem MDR.

Linksautonome Gewalt bleibt Thema für OB-Wahl

Anfang Februar wählt Leipzig einen neuen Oberbürgermeister. Burkhard Jung (SPD) tritt erneut an. Der linksalternativ geprägte Stadtteil Connewitz wird auch zukünftig ein Thema auf dem Tisch des Stadtoberhaupts sein. Es kommt dort häufiger zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz stehen sachsenweit etwa 425 Linksautonome unter Beobachtung. Mehr als Hälfte davon gehört der Leipziger Szene an. Nach Berlin und Hamburg ist die Stadt Leipzig damit ein weiterer Schwerpunkt der autonomen Szene in Deutschland.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 02.01.2019 | 19 Uhr

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