17.02.2020 | 16:22 Uhr Coronavirus: Ein Sachse gefangen auf dem Kreuzfahrtschiff

In den vergangenen Tagen haben wir immer wieder über Menschen berichtet, die wegen des Coronavirus auf Kreuzfahrtschiffen festsitzen. Einer davon ist Kay-Uwe aus dem Raum Dresden. Er ist auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Westerdam". Wir haben mit ihm telefoniert.

Ein Kreuzfahrtschiff
Kreuzfahrtschiff "MS Westerdam" liegt nach Irrfahrt vor der Küste Kambodschas Bildrechte: Reuters

Kay-Uwe, das Kreuzfahrtschiff, mit dem Sie und Ihre Eltern unterwegs sind, liegt nun vor Kambodscha fest. Wie lange ist das jetzt schon so?

Wir sitzen jetzt seit drei Tagen im Hafen von Kambodscha fest und warten, wie es weiter geht.

Und wie ist das jetzt auf dem Schiff, wenn sie nicht runter können? Was machen Sie den ganzen Tag?

Es ist anders, als die anderen Kreuzfahrttage. Die Crew gibt sich wahnsinnig viel Mühe. Wir werden rund um die Uhr mit Essen und Trinken versorgt. Man versucht, uns täglich ein großes Entertainment-Programm zu bieten, damit wir abgelenkt werden. Wir können uns auf dem Schiff frei bewegen, wir tragen keinen Mundschutz. Und die Ansage vom Kapitän heute (Montag) war, wir sind nicht unter Quarantäne und wir haben keinen Coronavirus an Bord.

Aber sie werden getestet? Wie soll das jetzt weiterlaufen?

Man hat vor zwei Tagen begonnen, Passagiere von Bord zu lassen. Etwa 20 Personen hatten sich nach unserem letzten Hafen in Taiwan mit grippeartigen Symptomen gemeldet und diese Personen wurden dann in Kambodscha getestet. Alle Tests waren negativ. Danach wurde für alle Personen angefangen, die Rückreise zu organisieren. Und so geht das nach und nach. Das Schiff hat sich in den letzten Tagen immer mehr geleert.

Jetzt sind nach Auskunft der Crew noch 250 Gäste an Bord. Von ehemals 1.500. Man kommt sich vor wie auf einem Geisterschiff. Es ist ganz, ganz ruhig, aber entspannt. Wir werden auch getestet, das haben die kambodschanischen Behörden angeordnet: Fieber messen, Rachen- und Nasenabstriche. Diese werden an ein Institut in die Hauptstadt geschickt. Sollte das alles negativ sein, können die restlichen 250 Passagiere von Bord gehen und ihre Ausreise beginnen. Die Tests werden übrigens gerade vorbereitet.

Wie denken Sie darüber? Halten Sie die ganzen Maßnahmen für übertrieben?

Nein, das was man hier an Bord macht, ist völlig in Ordnung. Wir haben das Glück, uns frei bewegen zu können. Man kümmert sich ganz ganz rührend um uns. Wir fühlen uns sehr gut aufgehoben. Nur dürfen wir nicht von Bord. Das ist eine Bitte der kambodschanischen Behörden.

Was hat sich denn jetzt für Sie an der Reiseroute geändert?

Wir waren auf einer großen Asienrundreise, die über vier Wochen ging. Bis Hongkong war alles problemlos, dann hat man angefangen zu streichen und zu ändern. Von Hongkong sollte es auf die Philippinen gehen. Auf dem Seetag erreichte uns die Nachricht, dass die Philippinen alle See- und Flughäfen für Passagiere vom chinesischen Festland und Hongkong geschlossen haben. Daraufhin ist das Schiff Richtung Taiwan gefahren. Dort durften wir 24 Stunden von Bord.

Dann kam die Nachricht, dass Taiwan alle Häfen für Kreuzfahrtschiffe geschlossen hat. Daraufhin mussten wir ablegen. Wir sollten nach Japan, das ging dann auch nicht mehr. Wir haben dann zwei Tage auf dem Meer gekreuzt und nach vielem Hin und Her sind wir Richtung Thailand gefahren. Und nachdem wir dort auch abgelehnt wurden, sind wir nun in Kambodscha gelandet.

Ich hoffe, Ihnen drohten da auch keine Versorgungsengpässe?

Überhaupt nicht. Wir sind des Lobes voll, wie die Crew das meistert. Wir haben freies Internet, freie Telefonate. Wir können nach Hause telefonieren, völlig ohne Probleme.

Sind Sie jetzt länger unterwegs oder ist alles noch im Rahmen ihrer Reise, so dass Sie pünktlich wieder anfangen können zu arbeiten?

Das ist das ganz große Problem. Wir sollten am Sonnabend unseren letzten Hafen erreicht haben und dann zurück nach Deutschland fliegen. Wir haben je nach Situation umgebucht, inzwischen haben wir die Flüge wieder stornieren müssen. Wir warten jetzt, was uns das Kreuzfahrtunternehmen anbietet. Sie organisieren jetzt alles. Das ganz große Problem ist, dass wir nicht wissen, wie lange es geht und wie lange wir auf Arbeit fehlen werden.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.02.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Dresden

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