13.02.2020 | 07:00 Uhr Dresden erinnert an Bombardierung vor 75 Jahren

Im Februar 1945 wurde die Innenstadt von Dresden durch alliierte Bombenangriffe fast völlig zerstört. In mehreren Angriffswellen wurden tausende Sprengsätze und Brandbomben auf die barocke Stadt geworfen, bis zu 25.000 Menschen starben. Bis heute sind die Wunden nicht geheilt. In diesem Jahr jähren sich die Angriffe zum 75. Mal. Mit Gedenkveranstaltungen und einer Menschenkette will die Stadt auch eine Brücke in die Gegenwart schlagen.

Blick auf das fast völlig zerstörte Stadtzentrum von Dresden.
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Dresden erinnert am Donnerstag mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen und einer Menschenkette an die alliierten Luftangriffe am 13. Februar 1945. Damals warfen Bomberverbände tausende Brandbomben und Sprengsätze auf die Stadt. 37 Stunden, bis zum 15. Februar, dauerte der Feuersturm in Dresden. Die Altstadt wurde fast vollständig zerstört, bis zu 25.000 Menschen starben.

Bundespräsident hält Gedenkrede und reiht sich in Menschenkette ein

Zum 75. Jahrestag der Angriffe wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Dresdner Kulturpalast eine Gedenkrede halten. Danach will er sich in die Menschenkette einreihen, die die Dresdner seit 2010 am 13. Februar um das Stadtzentrum bilden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert warb für eine rege Teilnahme und hat dabei auch die Gegenwart im Blick. Hand in Hand könne ein Zeichen gegen Hass und Gewalt gesetzt werden.

Nur so treten wir wachsendem Nationalismus und Rechtspopulismus entgegen.

Dirk Hilbert Oberbürgermeister der Stadt Dresden

Vielfältige Erinnerungskultur in Dresden

Zentraler Gedenkort am 13. Februar ist die wiederaufgebaute Frauenkirche, die nach den Luftangriffen 1945 unter der Last ihrer steinernen Kuppel in sich zusammengebrochen war. Dort können Besucher Kerzen entzünden. Auf dem Heidefriedhof werden erstmals die Namen von fast 4.000 Opfern gelesen, die dort begraben wurden. Dezentrale Gedenkfeiern finden zudem auf fünf weiteren Friedhöfen statt. Es gibt Kunstaktionen, Podien und Gesprächsrunden. Am Abend läuten zum Zeitpunkt des ersten Angriffs, 21:45 Uhr, die Kirchenglocken der Stadt.

Frauenkirchenpfarrer: "Fokus auf Opferrolle ablegen"

Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt begrüßte die vielfältigen Aktionen der Stadtgesellschaft. 75 Jahre nach der Bombardierung stelle Dresden sein Erinnern in einen europäischen und internationalen Kontext. Es sei gut, "aus der selbstgenügsamen Nabelschau herauszukommen und den Fokus auf eine Opferrolle abzulegen". An die Vorgeschichte der Bombenangriffe auf Dresden erinnert seit einigen Jahren der Mahngang "Täterspuren" des Bündnisse "Dresden Nazifrei", in diesem Jahr fand die Veranstaltung am vergangenen Sonntag statt:

Jahrestag politisch aufgeladen

Die rechtsextreme Szene instrumentalisiert die Bombenangriffe auf Dresden seit Jahren für Propagandazwecke, auch in diesem Jahr haben Neonazis für Samstag einen sogenannten Trauermarsch für 800 Teilnehmer angemeldet. Die Gegenseite hat bereits mobilisiert und ruft ebenfalls zu Demonstrationen auf. Linke und antirassistische Initiativen wie Hope, Dresden Nazifrei und Leipzig nimmt Platz schlossen sich zu einem Aktionsbündnis zusammen. Der Moderator der städtischen Arbeitsgemeinschaft 13. Februar, Joachim Klose, lobte das Engagement der Zivilgesellschaft für eine Gedenkkultur. Zugleich räumte Klose aber ein: "Ohne die Gegendemonstranten befänden wir uns im freien Fall". Er wünsche sich, dass noch mehr Menschen auf die Straße gingen, auch wenn Widerstand nicht nur dort, sondern auch in den Köpfen stattfinde.

Polizei mit starken Kräften vor Ort

Die Polizei ist rund um den 13. Februar wieder mit einem Großaufgebot im Einsatz. Am Donnerstag rechnet die Behörde aber nicht mit größeren Störungen, Hinweise auf einen rechten Aufzug gebe es nicht. Dennoch wurden mehrere Versammlungen in der Innenstadt angemeldet. Rund um den Gedenkstein am Altmarkt will die Dresdner Polizei durch Gitter eine neutrale Zone schaffen, sagte Polizeipräsident Jörg Kubiessa. In den abgesperrten Bereich gelange man nur über eingerichtete Durchgangsstellen.

Einsatzkräfte werden an den Stellen immer nur eine begrenzte Anzahl von Personen an die Gedenkstelle lassen und so jedem ermöglichen, seine persönliche Form des Gedenkens störungsfrei durchführen zu können.

Jörg Kubiessa Dresdner Polizeipräsident

Menschenkette und Versammlungen zum 13.Februar in Dresden
13. Februar:
- Zur Menschenkette werden wieder mehrere tausend Menschen in der Innenstadt erwartet, Auftakt der Veranstaltung ist 17 Uhr auf dem Neumarkt.
- Die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e.V. lädt ab 15 Uhr zum stillen Gedenken auf dem Neumarkt ein.
- Im Kulturpalast findet die zentrale Gedenkveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier statt.
- Rund um die Gedenkstelle auf dem Altmarkt sind verschiedene Versammlungen angekündigt, u.a. von der AfD
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Im Fokus der Dresdner Polizei stehen vor allem die Demonstrationen am Samstag, dann rechne man mit einer "konfrontativen Versammlungslage." Kubiessa mahnte zu friedlichen und gewaltfreie Versammlungen. "Unter diesen Vorraussetzungen werden wir als Polizei für Gegendemonstranten auch einen Protest in Sicht- und Hörweite gewährleisten", sagte Kubiessa.

Quelle: MDR/kb/epd/dpa/afp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.02.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 07:00 Uhr

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