02.10.2019 | 10:55 Uhr Borkenkäfer-Befall: Wenn das Holz im Wald baden geht

Trockene Sommer, Stürme und Schädlinge setzen den Wäldern so extrem zu, dass sich das Landschaftsbild in der Oberlausitz in den nächsten Jahren wohl gravierend verändern wird. Aufgrund der riesigen Schadholzmengen sind die Holzpreise im wahrsten Sinne des Wortes baden gegangen. Wasser soll Abhilfe schaffen.

Nassholzlager
Bildrechte: MDR/Renate Heidner

Der Landkreis Görlitz ist der drittgrößte Landkreis im Freistaat Sachsen und mehr als ein Drittel der Fläche ist mit Wald bedeckt. Dieser Wald leidet. Trockene Sommer haben ihn geschwächt, Stürme und Schädlinge ihm zugesetzt. Riesige Schadholzmengen sind entstanden. Betroffen sind alle Waldgebiete, vom Zittauer Gebirge über die Königshainer Berge bis in die Muskauer Heide. "Wir haben mehr als 90.000 Festmeter Holz, die betroffen sind und absterben. Das wird man jetzt im Herbst deutlich sehen", sagt Heike Zettwitz vom Görlitzer Landratsamt. Bislang konnten im Landkreis gerade mal 20.000 Festmeter Schadholz geborgen werden. Die riesigen Mengen überfordern private und kommunale Wald- und Forstbesitzer. Deshalb müsse der Bund helfen, meint der Görlitzer Landrat Bernd Lange. Für den Landrat ist die Situation in den Oberlausitzer Wäldern mit der Hochwasserkatastrophe von 2010 vergleichbar.

ein Stück Baumrinde mit lebenden Borkenkäfern
Ein Stück Baumrinde voller Borkenkäfer: der Alptraum für jeden Förster oder Waldbesitzer. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Die Kapazitäten des Freistaates und auch unsere sind erschöpft. Da muss der Bund auch Arbeitskräfte zur Aufarbeitung des Schadholzes in die Regionen schicken. Das macht er bei Hochwasser und das muss er jetzt auch machen.

Bernd Lange Landrat

Der Feind des Waldes ist der Borkenkäfer und dem muss Einhalt geboten werden. Deshalb müsse das Schadholz so schnell wie möglich aus den Wäldern geschafft werden, betont Landrat Lange.

Borkenkäferholz liegt auf Halde

Jeder Spaziergänger kann in den Wäldern die aufgetürmten Holzstapel sehen. Waldbauern oder Waldbesitzer können ihr Holz derzeit schlecht verkaufen. Der Holzmarkt sei komplett zusammengebrochen, klagt der Verband der Sächsischen Waldbesitzer. Die Erlöse decken angesichts der niedrigen Preise kaum noch die Kosten, Fichtenholz kann bestenfalls noch als Bauholz verkauft werden. Den Schaden in den sächsischen Wäldern beziffert der Verband mit 158 Millionen Euro.

Also muss das Holz zwischengelagert werden, in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Das stellt die Waldbesitzer vor weitere Probleme: Das geschlagene Holz darf Schädlingen nicht zum Fraß vorgeworfen werden und es darf auch nicht verrotten. Die Lösung des Problems: Das Holz geht baden!

Wasser tut dem Holz gut

Unendlich lang scheint die Schotterpiste, die durch einen dichten Forst zu einem großen viereckigen Teich führt. Dort nehmen mehrere Hundert Fichtenstämme ein langes ausgiebiges Bad. Die Stämme werden von unzähligen grauen Eisenbahnschwellen aus Beton unter Wasser gedrückt. Forstbesitzer Phillip Graf von Schall-Riaucour und sein Forstwirt Andreas Eschweiler weisen auf die Wasserfläche.

Wir sind hier am Nasslager des Forstrevieres, das nach einem Sturmereignis errichtet worden ist. Wir lagern hier Stämme von Fichte und Kiefer, die derzeit nicht in den Markt zu bringen sind.

Phillip Graf von Schall-Riaucour Forstbesitzer

Um das Holz vor Schädlingen zu schützen und vor dem Verfall zu bewahren, haben die Forstmänner eine alte Methode wiederbelebt. Der Graf von Schall-Riaucour lacht: "Das ist eine Methode, die in Deutschland in Vergessenheit geraten ist. In den nördlichen Ländern wird das Holz auf diese Weise rund fünf Jahre lang gelagert."

Schwarze Stämme mit weißem Kern

Der Forstbesitzer hat zwei künstliche Nasslager angelegt, um seine Holz schädlingsfrei zwischenzulagern. Das war aber nicht ganz einfach. Denn die Badebecken für Bäume müssen für Langholz-Lkw befahrbar und vor allem drei Meter tief sein, damit alle Stämme unter der Wasseroberfläche Platz haben.

Hier liegen 4.000 Festmeter drin und wenn das Holz raus ist, ist das ein ganz normaler angestauter Teich mit Zufluss und Abfluss.

Andreas Eschweiler Revierförster

Forstbesitzer Phillip Graf von Schall- Riaucour und sein Revierförster Andreas vor einem Nasslager
Forstbesitzer Phillip Graf von Schall- Riaucour und sein Revierförster Andreas vor einem sogenannten Nasslager. Bildrechte: MDR/Renate Heidner

Etwa fünf Jahre lang können die Stämme gebadet werden, ohne an Qualität einzubüßen. In dieser Zeit nehmen die Stämme eine schwarze Farbe an. "Das ist kein Makel", erklärt Revierförster Dirk Eschweiler: "Wenn wir dann so eineinhalb Zentimeter abschneiden, haben wir wieder blütenweißes Holz für die Baubranche." Eigentlich könnten die beiden Forstwirte von Putzkau nunmehr ganz entspannt auf bessere Zeiten warten, doch auch sie haben Sorgenfalten auf der Stirn. Ihre Nasslager reichen aufgrund der großen Schadholzmenge nicht mehr aus.

Energiekonzern hilft aus der Patsche

Ein junger Baum wird ein eingepflanzt
Es wird immer teurer, den Wald aufzuforsten, denn die Preise für Setzlinge explodieren. Bildrechte: imago/blickwinkel

Hilfe kommt vom Energiekonzern Leag: Im Kraftwerk Boxberg wird derzeit ein sogenanntes Absetzbecken für den Betrieb der Anlage nicht benötigt. 2.000 Festmeter aus fünf Forstbetrieben, darunter auch aus dem Revier Putzkau sollen in diesem Jahr auf dem Gelände des Energiekonzerns Leag konserviert werden. Weiteres Holz soll im kommenden Jahr dazukommen. Damit sind die Probleme in der Wald- und Forstwirtschaft nicht gelöst. Heike Zettwitz vom Landratsamt Görlitz regt einen zeitnahen Umbau des Waldes an, um ihn widerstandsfähiger zu machen. Doch auch das ist wahrscheinlich nicht ohne staatliche Hilfen möglich, denn derzeit explodieren gerade die Preise für Setzlinge aufgrund der hohen Nachfrage.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.10.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/1e16a1a4-67bc-4dd0-836b-8cafccc9478d was not found on this server.

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen