Fehlende Niederschläge Sachsen-Anhalt droht wegen Dürre Trockenstress

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

2018 und 2019 waren sehr warme und trockene Jahre. Hat sich die Lage nun entspannt – oder könnte 2020 erneut eine Dürrejahr werden? Ein Blick auf Niederschlagsmesswerte und eine Prognose für den kommenden Sommer.

Ausgetrockneter Boden
Die Böden in Sachsen-Anhalt sind bereits vor dem Sommer außergewöhnlich trocken. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mitte Mai 2020. Der deutsche Dürremonitor zeigt Sachsen-Anhalt bereits jetzt überwiegend in dunkelrot, gesprenkelt mit orange. Dunkelrot bedeutet "außergewöhnliche Dürre", orange heißt "schwere Dürre". Beide Angaben beziehen sich auf die Feuchtigkeit im Boden, bis zu einer Tiefe von 1,8 Metern. Beides klingt nicht gut.

Den Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) zufolge war der April 2020 der sonnigste April seit Aufzeichnungsbeginn – und der dritttrockenste. Im vergangenen Monat war es demnach im Bundesvergleich in Sachsen-Anhalt am sonnigsten und am trockensten.

2018 und auch 2019 waren sehr warme, trockene Jahre. Der Witterungsbericht für den Winter 2019/2020 des Landesamts für Umweltschutz (LAU) verdeutlicht mit Zahlen, wie trocken genau: Im Durchschnitt fallen in Sachsen-Anhalt jährlich etwa 550 mm Niederschlag. 2018 waren es allerdings nur knapp 350 mm, 2019 fielen nur 485 mm. Insgesamt fehlten in den zwei Jahren also etwa 255 mm Regen – ungefähr ein halber durchschnittlicher Jahresniederschlag. Im eher nassen Februar regnete es etwa 50 mm "zu viel". Den zuvor entstandenen Niederschlagsmangel konnte das aber nicht ausgleichen. 

Droht Sachsen-Anhalt also das dritte Dürrejahr in Folge?

DWD-Vorhersage: Sommer 2020 wird nicht extrem

Ob 2020 insgesamt wieder ein trockenes Jahr wird, lasse sich jetzt noch nicht sagen, sagt DWD-Meteorologe Andreas Friedrich. Der DWD gebe zwar einen Trend für die Sommermonate Juni, Juli, August heraus – aber weiter in die Zukunft gingen die Prognosen nicht.

Laut Jahreszeitenvorhersage des DWD soll es im Sommer 2020 im Vergleich zu den Niederschlagswerten ab 1990 durchschnittlich viel regnen – ein übermäßig trockener Sommer steht Deutschland also nicht bevor. Aber: "Bis etwa zehn Tage in die Zukunft kann man recht verlässliche Vorhersagen machen, darüber hinaus sind Wetterprognosen ziemlich unsicher", sagt Friedrich.

Für die Bodenfeuchte ist Winterregen entscheidend

Gehe es um die Feuchtigkeit der Böden, sei die Regenmenge im Sommer auch nicht so entscheidend. Die Wasserspeicher würden vor allem durch die Niederschläge in den kühleren Monaten aufgefüllt, erklärt Friedrich. Denn im Sommer verdunste aufgrund der höheren Temperaturen viel Regen, bevor er überhaupt in die Böden sickern könne. Hinzu komme, dass Niederschläge im Sommer oft als Starkregen aufträten. "Wenn sehr große Mengen Regen auf einmal fallen, kann der Boden das gar nicht aufnehmen. Das Wasser fließt dann einfach ab, landet in der Kanalisation und in den Flüssen." 

Hat es im vergangenen Winter denn ausreichend geregnet? Ja, sagt Friedrich. Die überdurchschnittlichen Niederschläge in den Wintermonaten hätten die Böden mit Wasser auffüllen können. Das habe die vorangegangene Trockenheit von 2018 und 2019 in den meisten Regionen Deutschlands ausgleichen können.

Erneut Trockenstress in Sachsen-Anhalt?

Sachsen-Anhalt ist im Bundesvergleich durchschnittlich das trockenste Bundesland. Und hier habe es auch im vergangenen Winter nicht ganz so viel geregnet wie in anderen Regionen Deutschlands, erklärt Meteorologe Friedrich. Was bedeutet das?

Wenn es jetzt im Mai nicht ausreichend regnet, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass im Sommer in Sachsen-Anhalt wieder Trockenstress ausbricht.

DWD-Meteorologe Andreas Friedrich

Trockenstress. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Belastung von Pflanzen durch Wassermangel. Trockenstress zeigt sich zum Beispiel bei Laubbäumen an eingerollten oder verfrüht verfärbten und abgeworfenen Blättern. Das war in den vergangenen zwei Jahren zu beobachten. Im schlimmsten Fall können Bäume austrocknen. Trockenheit erhöht auch die Gefahr von Waldbränden.

Für die Landwirtschaft wiederum kann Trockenstress geringere Ernteerträge bedeuten. Das war 2018 und 2019 auch der Fall. 2018 hatten die Landwirte daher Dürrehilfen vom Land erhalten.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT – in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

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