Altmark Eichenprozessionsspinner: Wälder werden per Hubschrauber mit Gift besprüht

Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Im Landkreis Stendal und dem Altmarkkreis Salzwedel hat die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners begonnen. Landesweit sind beide Kreise in diesem Jahr die einzigen, in denen der giftige Schädling auch aus der Luft bekämpft wird. Dabei kommt ein Helikopter zum Einsatz, der ein Biozid auf Tausende Hektar Waldflächen versprüht.

Helikopter hebt von Wiese ab
Los geht's: Lediglich im Norden Sachsen-Anhalts wird der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr aus der Luft bekämpft. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Es ist ein ewiger Kampf – der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner. Die Haare der Raupen sind für den Menschen giftig, können allergische Reaktionen wie starken Ausschlag hervorrufen. Deswegen wird dem Spinner, genauer gesagt seinen Raupen, jedes Jahr aufs neue mit einem Biozid zu Leibe gerückt, das in die befallenen Bäume gesprüht wird.

Das Fraßgift ist am wirksamsten, wenn sich der Spinner im zweiten Larvenstadium befindet, erklärt Jörg Borchardt vom Kompetenzzentrum Wald des Landes Sachsen-Anhalt: "Ab dem dritten Stadium bilden die Spinner schon die ersten Kontakthaare aus. Dann ist eine Bekämpfung nicht mehr effektiv."

Nester werden vom Boden und aus der Luft besprüht

Das Biozid wird sowohl vom Boden als auch aus der Luft in die Bäume gesprüht, in denen sich die Nester des Spinners befinden. Beide Methoden haben ihre Vorteile, so Stendals Kreisdezernent Sebastian Stoll: "Vom Boden aus kann man sehr gezielt jeden einzelnen Baum besprühen. Die Bekämpfung aus der Luft ist bei Bäumen, die über 30 Meter hoch sind eine vernünftige Alternative." Außerdem kann aus der Luft eine größere Fläche abgedeckt werden. So wurden an einem Tag 1.200 Hektar Waldfläche von oben besprüht, während vom Boden aus das Biozid noch einmal an 5.000 Einzelbäumen verteilt wurde.

Helikopter hebt ab – im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

Helikopter hebt von Wiese ab
In der Altmark hat wieder die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners begonnen. Dabei geht es den Raupen und ihren Nestern sowohl vom Boden als auch aus der Luft an den Kragen. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Helikopter hebt von Wiese ab
In der Altmark hat wieder die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners begonnen. Dabei geht es den Raupen und ihren Nestern sowohl vom Boden als auch aus der Luft an den Kragen. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Zwei Leute arbeiten an Sprühvorrichtung von Helikopter, der auf einer Wiese steht, ein Mann kommt mit Schlauch dazu
Am ersten Tag des Einsatzes hob der Hubschrauber 36 Mal ab – genauso oft wurde er mit einem Gift betankt, das aus der Luft auf die befallenen Waldflächen verteilt wurde. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Zwei Leute arbeiten an Sprühvorrichtung von Helikopter, der auf einer Wiese steht
Am Helikopter ist eine Sprühvorrichtung angebaut, mit der das Biozid verteilt wird. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Mann in Schutzkleidung montiert Schlauch an Tank auf Lkw
Das Biozid lagert in einem Tank. Bei fachgerechter Anwendung ist es für Mensch und Tier ungefährlich. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Mann steht auf Wiese und wird interviewt, im Hintergrund Männer auf einem Lkw
Sebastian Stoll vom Landkreis Stendal weiß, dass jährlich 400.000 Euro in die Bekämpfung des giftigen Schädlings fließen. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Mann steht vor Auto und wird interviewt
Jörg Borchardt vom Kompetenzzentrum Wald erklärt jedoch: Trotz regelmäßiger Bekämpfung ist die Population der giftigen Raupe in den vergangenen Jahren nicht wirklich eingebrochen. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Helikopter fliegt bei blauem Himmel über Bäume
Hubschrauber im Einsatz: Hier wird das Biozid als feiner Staub über den Bäumen mit den Nestern des Eichenprozessionsspinners versprüht.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Mai 2020 | 06:30 Uhr

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Der Landkreis Stendal und der Altmarkkreis Salzwedel sind dabei die einzigen Kreise im Land Sachsen-Anhalt, in denen der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr aus der Luft bekämpft wird. "Das wird nach der Eispiegelzahl festgelegt, und das machen wir auch nicht alleine. Das wird mit der nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen koordiniert. Die sagen uns, welche Flächen beflogen werden müssen", sagt Borchardt, der beim Kompetenzzentrum Wald für den Waldschutz zuständig ist.

Doch auch in den beflogenen Gebieten werde das Biozid nicht wahllos in der Natur verteilt, erklärt Dezernent Stoll: "Wir bekämpfen vornehmlich in den siedlungsnahen Randbereichen. Der Gesundheitsschutz steht im Vordergrund."

Population der giftigen Raupen trotz Bekämpfung stabil

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners kostet laut Stoll allein im Landkreis Stendal rund 400.000 Euro jährlich. Sachsen-Anhalt fördere die Bekämpfung landesweit mit circa zwei Millionen Euro. Trotzdem sei die Bekämpfung jedes Jahr aufs Neue notwendig, so Borchardt.

Mann steht vor Auto und wird interviewt
Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Wir haben seit Jahren das Phänomen, dass der Eichenprozessionsspinner in einer Massenvermehrung ist.

Jörg Borchardt, Kompetenzzentrum Wald Sachsen-Anhalt

Woran das liegt, kann der Experte vom Kompetenzzentrum nicht erklären. Und auch Stoll stellt etwas ratlos fest: "Die Population ist seit Jahren nicht wirklich eingebrochen." Deswegen müsse immer wieder das Fraßgift mit dem Wirkstoff "Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki" in die Natur gesprüht werden.

Menschen sollen besprühte Gebiete meiden

Menschen sollen entsprechende Gebiete für zwei Tage nicht betreten. Dennoch sei die Bekämpfung der Raupen mit dem einzigen dafür in Deutschland zugelassenen Biozid für die Natur weitgehend unschädlich, erklärt Borchardt: "Das Mittel ist speziell für die Bekämpfung des Spinners zugelassen. Negative Auswirkungen auf andere Tiere kann ich so nicht bestätigen." Der Wirkstoff des Biozids wird auch im Wein- und Obstbau verwendet.

Informationen vom Landkreis Stendal

  • Mittwoch, 13.05.2020: 7 Flüge vom Flugplatz Rochau, 4 Flüge vom 

Flugplatz Weißewarte, ggf. Flüge vom Flugplatz Havelberg

  • Donnerstag, 14.05.2020: 36 Flüge von Havelberg
  • Freitag, 15.05.2020: ggf. restliche Flüge vom Flugplatz Havelberg, 15 

Flüge vom Flugplatz Pollitz

  • Samstag, 16.05.2020: ggf. restliche Flüge vom Flugplatz Pollitz, 4 Flüge 

vom Flugplatz Sanne

Hinweisschilder und Sperrungen weisen die betroffenen Flächen aus. Im Rahmen des Hubschraubereinsatzes wird es auch zu kurzfristigen 
Straßensperrungen kommen:

  • K1020 bei Eickerhöfe
  • K1469 von Weißewarte bis zur Tangerbrücke
  • K1023 von Kümmernitz in Richtung Voigtsbrügge (Landesgrenze)
  • K1024 ab der Kreuzung K1023 nach Vehlgast
  • K1025 von Klein Damerow nach Damerow

Informationen vom Altmarkkreis Salzwedel

  • Donnerstag, 14.05.2020: 11 Flüge von Köckte
  • Freitag, 15.05.2020: weitere Flüge von Sanne-Kerkuhn


Der räumliche Geltungsbereich der Schädlingsbekämpfung beschränkt sich auf die Gemarkungen Fleetmark, Kerkau, Kleinau, Lohne, Sanne-Kerkuhn, Kläden, Thielbeer, Apenburg, Faulenhorst,  Kakerbeck, Winkelstedt, Bühne,  Altmersleben, Jemmeritz, Vietzen, Vahrholz,  Engersen, Wernstedt, Zichtau, Estedt, Schenkenhorst, Wiepke, Kalbe (Milde), Kassieck, Lindstedt, Böckwitz, Jahrstedt, Kunrau, Röwitz, Wenze, Köckte, Quarnebeck, Trippigleben, Dannefeld, Miesterhorst, Mieste, Sichau und Solpke.

Ob sich der Aufwand lohnt, kann jetzt laut Borchardt noch nicht gesagt werden: "Es findet vor und nach der Befliegung ein Monitoring statt. Danach werden wir auswerten, wie viel wir erreicht haben. Im letzten Jahr hatten wir eine Erfolgsrate von etwa 70 Prozent. Die hoffen wir in diesem Jahr auch zu erreichen." Das wäre dann wieder ein Teilerfolg im andauernden Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner.

Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Über den Autor Jan-Malte Wagener ist seit Juni 2018 für MDR SACHSEN-ANHALT unterwegs. Seine Schwerpunkte sind Themen im Sport und im Bereich Stendal. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, studierte der gebürtige Prignitzer Journalismus an der Hochschule in Magdeburg. Während des Studiums absolvierte er Praktika beim NDR, bei der Fachzeitschrift "Leichtathletik" und bei der Tageszeitung "The Argus" in Brighton/England. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind der Wissenschaftshafen in Magdeburg und der Bürgerpark in Stendal. In seiner Freizeit guckt er gern jegliche Arten von Sport - egal ob live oder im Fernsehen. Selbst ist er viel mit dem Rad oder laufend im Park unterwegs.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Mai 2020 | 06:30 Uhr

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