Kaum Niederschlag im Juli Trockenes Sachsen-Anhalt: Die Wüste zwischen Arendsee und Zeitz

Nirgendwo in Deutschland ist es im Juli trockener gewesen als in Sachsen-Anhalt. Das geht aus einer Bilanz des Deutschen Wetterdienstes hervor. Die Folgen sind an vielen Stellen im Land dramatisch.

Staub zieht über eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der Autobahn
Die anhaltende Trockenheit sorgt in Sachsen-Anhalt für viele Probleme. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Am letzten Tag des Julis kam endlich der Regen. Fast überall im Land brachte er die ersehnte Erfrischung und etwas Abkühlung. Am Umstand, dass Sachsen-Anhalt im zurückliegenden Monat das trockenste Bundesland Deutschlands war, werden die Niederschläge aber wohl nichts mehr ändern. Im Schnitt fielen in den vergangenen Wochen zwischen Arendsee und Zeitz nur 30 Liter pro Quadratmeter. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst.

Der langjährige Mittelwert sieht für Sachsen-Anhalt 52 Liter vor, im Bundesschnitt sind es sogar 78 Liter. Weil nach der Trockenheit im Vorjahr ohnehin noch ein Niederschlagsdefizit bestand, nimmt die Dürre laut Wetterdienst in vielen Gebieten "katastrophale Ausmaße" an. Die extremen Temperaturen der vergangenen Tage tun dazu ihr Übriges und die Folgen sind überall im Land zu spüren.

Elbe mit neuem Tiefstand

Der Elbpegel in Magdeburg ist am Mittwoch auf dem historischen Tiefstwert von 45 Zentimetern gesunken. Damit ist der erst elf Monate alte bisherige Tiefstwert vom 27. August des vergangenen Jahres unterboten worden. Bereits seit längerem können auf der Elbe in Magdeburg keine Schiffe mehr fahren.

Blick auf eine Pegelanzeige an der Elbe in Magdeburg
In Magdeburg wurde am Mittwoch ein Pegelstand von nur 45 Zentimetern gemessen. Bildrechte: MDR/André Plaul

Selbst ein weiteres Absinken des Pegels in den kommenden Tagen ist nach Angaben des Wasserstraßen-Informationssystems ELWIS nicht unwahrscheinlich. Um die Situation deutlich zu entspannen, sei Dauerregen über mehrere Tage nötig, insbesondere im südlichen Bereich der Elbe, erklärte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Magdeburg.

Das Niedrigwasser hat Auswirkungen auf die Schifffahrt im Land. Transportschiffe fahren südlich von Magdeburg schon länger nicht mehr. Und auch die Fahrgastschiffe können im Stadtgebiet der Landeshauptstadt nicht anlegen. Unternehmen und Touristen müssen deshalb umdisponieren.

Permanente Waldbrandgefahr

Fast täglich gab es zuletzt Meldungen über Wald- und Feldbrände in Sachsen-Anhalt. Am Dienstag etwa geriet ein Feld bei Allstedt während eines Ernteeinsatzes in Brand. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann verletzt.

In den Altmarkkreisen Salzwedel und Stendal musste die Feuerwehr am Wochenende gut ein Dutzend Mal ausrücken, um Brände zu löschen. Immer wieder entzünden sich auch Erntemaschinen. Auch nach dem Regen ist die Waldbrandgefahr in vielen Gebieten des Landes unverändert hoch.

Niedriges Grundwasser zwingt zum Wassersparen

Weil Bäche und sogar größere Flüsse vielerorts von der Austrocknung bedroht sind, hat der Landkreis Harz die Menschen zum Wassersparen aufgerufen. Die Situation sei – auch bedingt durch das Trockenjahr 2018 – angespannt, teilte die Kreisverwaltung in Halberstadt mit. Besonderen Grund zur Sorge gebe das Grundwasser, sagte ein Sprecher. Deshalb sollte der eigene Garten derzeit nicht bewässert werden.

Die Dürre macht auch den Viehhaltern wieder schwer zu schaffen. Die Futterbestände sind bereits problematisch. Der Landesbauernverband spricht von einer "sehr knappen Versorgungslage in den allermeisten Betrieben". Die Lage ist demnach fast genauso schlimm wie im vergangenen Rekord-Dürre-Sommer.

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Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. Juli 2019 | 06:00 Uhr

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6 Kommentare

02.08.2019 08:27 steeven24 6

Die sogenannte Westwinddrift (Tiefdruckgebiete aus dem Atlantik ziehen bis weit nach Mitteleuropa) ist in den letzten Jahren stark eingeschränkt, zurückgegangen. Der Abriss dieser Strömung wird von Meteorologen maßgeblich mit der riesigen Anzahl immer größerer Windkraftanlagen in der Nordsee in Verbindung gebracht. Die der Luftströmung speziell in den Wasserdampf-tragenden unteren Luftschichten, der massiven Verwirbelung durch die Windräder bremst die Zuggeschwindigkeit massiv ab. In der Folge können regenreiche Luftmassen die Bereiche fern der Küsten nicht mehr erreichen. Zusätzlich bremsen all die Wind Kathedralen onshore. Bitte einmal den Dürreatlas Deutschlands mit der Übersicht über die Standorte von Windrädern übereinander legen. Sachsen Anhalt hat tausende Windräder, die massiv in die lokale Wolkenbildung eingreifen - Ein Ergebnis sieht man nun.

01.08.2019 22:28 W. Merseburger 5

@ 4, Regenmesser,
ich kann ihnen nur voll zustimmen. Nun ist der Juli 2019 vorüber und die Wetterstation Wengelsdorf; zwischen Merseburg und Weißenfels, weißt für diesen Monat 82 Liter pro Quadratmeter Regenmenge aus. Deswegen finde ich, dass obige Überschrift zwar Mainstream ist, aber nicht differenziert. Bereits vor über 65 Jahren habe ich als gelernter Sachse in der Schule gelernt, dass große Teile des heutigen Sachsen-Anhalts im Regenschatten des Harzes liegen und damit oft von besonderer Trockenheit betroffen sind. Deswegen ist die Aussage, dass S-A am wenigsten Regen in 07 2019 abbekommen hat nicht falsch, aber die Ursachen sind vielfältiger als nur auf Klimawandel zu verweisen.

01.08.2019 09:27 Regenmesser 4

Selbst ein langjähriger Durchschnitt sagt nicht viel, wenn man die mittlere Abweichung vom Durchschnitt nicht mit angibt.

Im Köthener Raum sind im Juli 75 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das ist mehr als in den Monaten Mai, Juni, Juli und August 2018 zusammen.

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